Andachten

Ein Zeltpflock als Meilenstein in der Geschichte

„Und Jael trat heraus, Sisera entgegen, und sagte zu ihm: Kehre nur ein, mein Herr, kehre nur ein bei mir, fürchte dich nicht. Und er kehrte bei ihr im Zelt ein, und sie bedeckte ihn mit einer Decke. […] Und Jael, die Frau Chebers, ergriff den Zeltpflock und nahm den Hammer in die Hand und ging leise zu ihm hinein und schlug ihm den Pflock durch die Schläfe, und er drang bis in die Erde. Er aber war vor Müdigkeit in tiefen Schlaf gefallen, und so starb er. […] So unterwarf Gott an jenem Tag Jabin, den König von Kanaan, vor den Israeliten. Und die Hand der Israeliten wurde immer härter gegen Jabin, den König von Kanaan, bis sie Jabin, den König von Kanaan, vernichtet hatten.“ (Richter 4,18-23)

Die Geschichte von Jael ist faszinierend und erschreckend zugleich. Mit einem Zeltpflock durchschlägt sie die Schläfe von Sisera. Jael ist die Frau vom Keniter Heber, welcher ein Nachkommen von Moses Schwiegervater Jethro ist. Sisera, der Heerführer von Jabin, dem König von Kanaan. Was für ein Ende, für so einen mächtigen Heerführer.

Doch warum hatte Jael das getan? War es korrekt was sie tat? Und was hatte diese Tat für Auswirkungen?

Vor diesem Textabschnitt lesen wir von der Begegnung von Barak und der Richterin Israels – Debora. Barak war Heerführer der Israeliten zu dieser Zeit. Debora sagt ihm, dass Gott ihm befiehlt mit seinen Soldaten gegen Sisera zu ziehen. Zudem würde Gott den Sisera in die Gewalt Baraks geben. Doch Barak verzagt und antwortete Debora: „Wenn du mit mir gehst, werde ich gehen; gehst du aber nicht mit mir, werde ich nicht gehen.“ Auf diese beschämende Aussage antwortete die Richterin, dass er keinen Ruhm ernten werde. Gott werde den Sieg über Sisera einer Frau schenken. Diese Aussage erfüllte es sich schlussendlich mit der Geschichte Jaels.

So haben wir nun aus dem Zusammenhang die Antwort erhalten, warum Jael den Heerführer von Kanaan töten musste. Doch was war die Auswirkung?

Es zeichnet sich in diesem Textabschnitt das souveräne handeln Gottes ab. Zudem ist auch seine Treue in der gesamten Geschichte Israels und der Welt erkennbar. Gott hält sein Versprechen, dass er Kanaan in die Hand Israels geben möchte. Trotz des Verzagens Baraks, schreibt Gott die Geschichte. Selbst dann, wenn Gott dazu eine Frau für diese «Heldentat» einsetzt (was für diese Zeit unüblich war).

Dieser Zeltpflock war ein wichtiger Schritt in Richtung der Vernichtung der Kanaaniter. Sozusagen nicht ein Meilenstein, aber ein Zeltpflock in der Geschichte Israels. Der Tod Siseras erscheint dadurch wie ein Flaschenhals, durchwelches die Geschichte Israel gehen musste.

Gott wollte seit Anbeginn der Weltgeschichte sein Gnadenwerk an seinem Volk, immer mit den Menschen zusammen erarbeiten. Aber Ihm geht es dabei nicht nur um einzelne Feinde und Kriege, sondern vielmehr um die Verfehlungen des Menschen, die sie von ihm trennen. Genau für diesen langfristigen Heilsplan suchte Gott einen Mann, der dieses Werk der Liebe erbringen könnte…aber auf dieser Welt fand Er keinen!

Um dieses Werk zu vollbringen musste Gottes Sohn selbst Mensch werden. Diese Menschwerdung gedenken wir an Weihnachten und dürfen staunen wie wunderbar dieser Heilsplan Gottes ist. Jesus Christus der Sohn Gottes war, als er auf der Erde lebte, nicht nur ganz Mensch, sondern zugleich auch ganz Gott. Nur so konnte der Heilsplan und die Versöhnung der Menschen mit Gott vollbracht werden.

So wie Jael sich für den Plan Gottes gebrauchen liess und den Zeltpflock in das Fleisch eines anderen rammte, damit Heil dem Volke wiederfahre, so war es auch bei Jesus. Nur waren die Wirkung und das Opfer bei Jesus viel grösser und unfassbarer. Jesus wurde mit Nägeln an ein Kreuz gehängt, wo er dann auch starb. Nach drei Tagen aber auferstand er wieder zum Leben und lebt jetzt wieder in Ewigkeit bei Gott seinem Vater. Sein Tod und seine Auferstehung war auch ein Sieg – nicht gegen Kanaaniter, sondern gegen den Tod und die ewige Verdammnis der Menschheit. Dies hat Wirkungskraft bis heute, so dass der Mensch nicht mehr getrennt von Gott leben muss. 

Gott hält sein Wort und seine Verheissung geht in Erfüllung. Sein Plan für seine Kinder, sei es im Kampf gegen ihre Feinde oder in der Getrenntheit von Ihm…Gottes Handeln ist souverän und führt den Menschen in Gemeinschaft mit ihm.