Andachten

Jesu Weherufe gegen die Pharisäer (4/7)

Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Minze und den Dill und den Kümmel und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Recht und die Barmherzigkeit und den Glauben; diese hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen. Ihr blinden Führer, die ihr die Mücke seiht, das Kamel aber verschluckt! (Matthäus 23,23-24)

Was ist schlimmer: Etwas Böses zu tun oder etwas Gutes zu unterlassen? Nun, es kommt sicherlich auf die Situation an! Keine Frage, böse oder gesetzwidrig zu handeln ist stets strafbar. Doch wer bspw. Erste Hilfe unterlässt, kann sich unter Umständen strafbarer machen als jemand, der einen Unfall fahrlässig verursacht hat.

Ähnlich ist es auch in Jesu viertem Weheruf gegen die geistliche Elite Israels.
Jesus verweist auf ihre äußerst präzise Umsetzung des Gesetzes, welche jedoch mit dem Unterlassen gravierender Verpflichtungen einher geht!
Details waren den Pharisäer unheimlich wichtig. Man verlor sich förmlich im kleinlichen Abwiegen von Gewürzen und verrannte sich im Einhalten der Vorschriften, die wir z. B. in 3. Mose 27,30 finden:
Und der ganze Zehnte des Landes, vom Samen des Landes, von der Frucht der Bäume, gehört dem Herrn.
Dies wurde eingehalten – jedoch auf Kosten elementarer Forderungen Gottes!

Jesus verwies auf das, was Gott im AT bereits verlangte:
– Das Recht auszuüben (5. Mose 16,19)
– Barmherzigkeit zu üben (Psalm 112,5)
– Glauben zu haben (Habakuk 2,4)

Jesus kritisiert nicht die peinlich genau Einhaltung des Gesetzes, sondern die Unterlassung des wirklich Ausschlaggebenden. Bereits im Propheten Hosea, welchen Jesus an einigen Stellen zitierte, kam dies 400 Jahre zuvor schon zum Ausdruck und hätte den Schriftgelehrten geläufig sein müssen:
Denn an Güte (o. Gnade, o. Liebe, o. Bundestreue) habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern, und an der Erkenntnis Gottes mehr als an Brandopfern. (Hosea 6,6)

Kennen wir das evtl. auch aus unserem eigenen Leben? Wir haben ein perfektes Timing an Stiller Zeit, pflegen ein regelmäßiges Gebet und besuchen treu jede Versammlungsstunde? All diese Dinge sind nicht zu vernachlässigen und sorgen auch für unser geistliches Wachstum.
Doch allzu oft bleibt die persönliche Beziehung zu unseren verlorenen Mitmenschen auf der Strecke. Vor lauter Wahrnehmen von „Gemeindeevents“ erreichen wir unseren Nächsten nicht mehr und finden keine Zeit aus lauter geistlicher Arbeit Milde, Sanftmut und praktische Hilfeleistungen in Liebe dem anderen zu erweisen.

Gott wird uns eines Tages nicht fragen, wie oft wir in der Gemeinde waren sondern wird uns sagen: Das was ihr einem anderen getan habt, das habt ihr mir getan. (Matthäus 25,40)

Der vierte Weheruf Jesu gibt uns konkret Anlass zu prüfen, wie es um unseren persönlichen Gottesdienst bestellt ist.
Welche Milde und Liebe willst du heute deinem Nächsten erweisen?