Andachten

Ungerechtigkeit oder ein Zeichen von Gottes Treue?

Wurdest du schon mal für eine Sache bestraft, mit der du eigentlich gar nichts zu tun hattest? Hast du dich schon einmal ungerecht behandelt gefühlt, da du für etwas zur Rechenschaft gezogen wurdest, das du gar nicht getan hast?
Vielleicht kennst du die Situation aus deiner Schulzeit: Deine Nebensitzer passen den ganzen Unterricht lang nicht auf und reden ständig, aber du wirst dann vom Lehrer fälschlicherweise bestraft, da er dachte, dass du es bist, der seinen Unterricht ständig stört. Da fühlst du dich ungerecht behandelt, oder?

2.Samuel 21,1-2 handelt von einer Begebenheit, die ein ähnliches Muster hat, wie das gerade erwähnte Beispiel.

Es war eine Hungersnot zu Davids Zeiten drei Jahre nacheinander. Und David suchte das Angesicht des HERRN und der HERR sprach: Auf Saul und auf seinem Hause liegt eine Blutschuld, weil er die Gibeoniter getötet hat. Da ließ der König die Gibeoniter rufen und sprach mit ihnen. Die Gibeoniter aber gehörten nicht zu den Israeliten, sondern waren übrig geblieben von den Amoritern. Und die Israeliten hatten einen Bund mit ihnen geschlossen; jedoch suchte Saul sie auszurotten in seinem Eifer für Israel und Juda. (2Sam 21,1-2)

Bevor wir uns diese Begebenheit genauer ansehen wollen, möchte ich an der Stelle ansetzen, auf die sich der mittlere Teil des zweiten Verses bezieht. Dort steht geschrieben, dass die Gibeoniter keine Israeliten waren, sondern übrig blieben von den Amonitern, da sie mit Israel einen Bund schlossen.

Dieser Bundesschluss befindet sich in Jos 9,15. Es ist die Zeit, in der Josua mit dem Volk Israel das verheißene Land, Kanaan, einnimmt. Jericho wurde bereits erobert, Ai ebenso. Die Kanaaniter werden immer mehr verunsichert und ängstlich und schließen sich zusammen um gegen Josua zu kämpfen. Die Gibeoniter aus dem Volk der Amoriter entscheiden sich nicht zu kämpfen sondern auf listige Art und Weise einen Bund mit den Israeliten zu schließen, sodass sie nicht von ihnen vernichtet werden können. Und es funktioniert. Jos 9,15:

Und Josua machte Frieden mit ihnen und schloss einen Bund mit ihnen, dass sie am Leben bleiben sollten. Und die Obersten der Gemeinde schworen es ihnen.

Durch den Bund, den Josua mit den Gibeonitern machte, konnten die Gibeoniter sicher sein, dass sie nicht von Israel angegriffen werden. Und diese Sicherheit hielt auch ziemlich lange. Sie lebten als Holzhauer und Wasserschöpfer ein Leben ohne die Gefahr vernichtet zu werden. Bis Saul als König auftrat. Leider wird uns an keiner Stelle berichtet, wie genau es stattgefunden hat, aber in 2Sam 21,1 haben wir zumindest einen Bericht, dass es passiert ist. Wir lesen: Saul hat diesen Bund nicht beachtet und hat versucht die Gibeoniter auszulöschen. Wir wissen nicht wann, wie, warum usw., aber wissen, dass es passiert ist und, ganz wichtig: Wir wissen auch, was die Folge war: Drei Jahre Hungersnot. Aber diese Folge musste nicht Saul, sondern David ertragen. Und an dieser Stelle kommen wir wieder zu dem Beispiel vom Anfang zurück. Ist es nicht ungerecht, dass David für eine Sünde Sauls büßen muss? Das war keine kleine Sache, die Saul da falsch gemacht hat. Er hat Blutschuld auf sich geladen, also Todesstrafe.

Worin bestand aber die Sünde Sauls genau? Das lesen wir im letzten Teil des zweiten Verses: Obwohl Israel mit den Gibeonitern einen Bund schloss, versuchte Saul sie zu vernichten. Es war also eine Sünde, die sich gewissermaßen gegen die Gibeoniter richtete und somit natürlich auch gegen Gott (anders als z.B. der Götzendienst, der sich allein gegen Gott richtet). Nicht falsch verstehen, Sünde richtet sich immer gegen Gott, aber in dem Fall Sauls richtete sich die Ausführung der Sünde eben auch gegen die Gibeoniter.

Der Text möchte hier nicht die Frage beantworten, ob es nun ungerecht war, dass David die Strafe für Saul tragen musste. Er macht etwas Anderes deutlich.

Dass die Sünde Sauls als so übel dargestellt wird, ihre Folgen weitreichend waren und sie von Gott nicht vergessen wurde, offenbart uns eine Eigenschaft Gottes, dessen Folgen sein Volk damals, wie auch heute erlebt: Gott ist ein Bundes-Gott. Er liebt es Bündnisse zu halten. Das sehen wir zu genüge in der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Selbst, wenn der Bund mit den Gibeonitern nicht Gottes Willen entsprach (er wollte, dass alle Völker Kanaans vernichtet werden) war der Bund trotzdem ein Bund. Und da er das Halten von Bündnissen liebt, hasst er auch gleichzeitig das Nicht-Halten eines Bundes. Das sehen wir in der Geschichte.

Gott liebt es Bündnisse zu halten. Und er liebt es auch Bündnisse zu schließen. Aus freier Gnade und Liebe heraus schloss er mit verschiedenen Personen einen Bund. Und all die Bündnisse, die wir im Alten Testament finden, fließen in den einen Bund, in den neuen Bund, in Jesus Christus ein. Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird!“ (Lukas 22,20) Der Neue Bund, den Jeremia bereits verkündete ist in Christus zur Vollendung gekommen. Sein Blut wurde für uns vergossen, damit wir ewiges Leben haben. Nun gibt es viele Christen, die das zwar glauben, aber doch immer wieder Zweifel haben, dass ihnen das ewige Leben wirklich sicher ist. Und genau hier findet die Botschaft, aus 2Sam 21,1-2 ihre Anwendung: Gott liebt es Bündnisse zu halten. Gott zeigt uns durch dieses Ereignis der Hungersnot, dass ein Bund zeitlich nicht beschränkt ist; selbst wenn schon Jahre vergangen sind und der Bund vielleicht schon längst vergessen ist. Der Bund bleibt gültig und Gott vergisst ihn nicht. Gott vergisst dich und den Bund, den er mit dir geschlossen hat nicht. Er bleibt dem Bund treu und hat Gefallen daran. Und er sichert dir dadurch deine Rettung.

Wenn du also das nächste Mal in einer Situation bist, in der du meinst für andere Menschen die Schuld auszubaden, dann denke an 2. Sam 21,1-2, wo David und das Volk vielleicht in einer ähnlichen Situation waren. Bleibe dabei aber nicht stehen, sondern erinnere dich an die Schlussfolgerung, die ich gezogen habe: Gott liebt es Bündnisse zu halten. Und lass dich ermutigen durch diese Zusage.