Andachten

Jesu Weherufe gegen die Pharisäer (5/7)

Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, inwendig der sind sie voller Raub und Unenthaltsamkeit. Blinder Pharisäer! Reinige zuerst das Inwendige des Bechers, damit auch sein Auswendiges rein werde. (Matthäus 23,25-26)

Wer kennt das nicht: Nach einer längeren Reise ist das Auto von außen sehr verdreckt, Fliegen kleben an der Windschutzscheibe und Matschspritzer sind fest im Radlauf angetrocknet. Spätestens nach ein paar Tagen kann man es nicht mehr sehen und fährt in die Waschanlage. Fertig. Endlich ist das Fahrzeug wieder ansehnlich und präsentierbar.
Doch Hand aufs Herz: Wie sieht der Innenraum aus? Im Handschubfach finden sich Pappbecher mit Müll, in den Innenseiten der Türen wurde schön gestopft oder Rest fielen unter den Sitz die in Vergessenheit gerieten.
So wirksam die Autowäsche auch war – so halblebig ist sie dazu!

Jesu kreidet den Pharisäern an, dass sie optisch perfekt wirken. Sie unterzogen sich rituellen Reinigungen, pflegten das Aussehen, trugen die korrekte Kleidung in Reih und Glied und wussten, wie die visuelle Wahrnehmung ihrerseits stets komplettiert wird.
Doch achten wir genau hin: Jesus kritisiert auch hier nicht ihr Handeln und ihr Blick fürs Äußerliche! Dies zeigt uns: Ungepflegtes Auftreten und pseudoalternatives Aussehen indem künstlich auf Understatement gemacht wird sind keine Tugend!

Der Herr verurteilt einmal mehr die Verlagerung des wirklich Wichtigen: Das Herz der Pharisäer ist unrein, ja gar böse und krank. Sie sind innerlich voller Bosheit und handeln aus falschen Motiven heraus. Hier wäre eine Grundreinigung dringend notwendig, doch sie beschränkten sich auf das, was vordergründig zuerst Einklang findet.

Wie gut, dass wir auch diese Strafrede gegen die Pharisäer ebenso auch zu uns sprechen lassen dürfen. Ja, wir achten auf unser Äußerliches, und ja, es ist auch gut, ein gesittetes Bild abzugeben. Doch vergessen wir keineswegs dabei unser Innerstes, welches im Verborgenen oft nur uns selbst offenbar ist in aller Dringlichkeit Gott darzulegen!

Paulus schrieb an die Korinther: Darum lassen wir uns nicht entmutigen; sondern wenn auch unserer äußerer Mensch zugrunde geht, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert. (2. Kor 4,16)

Unsere Kraft schwindet, unsere Zeit läuft in welchen Bereichen auch immer ab, ja die Fassade verfällt. Doch einen Trost haben wir: Lass dich innerlich stets aufrichten. Kehre das Inwendige Gott ehrlich zu, bekenne und lege ihm dein Herz hin. Es ist das Innere, welches stets deine Zierde ist und schlussendlich als gereinigtes Zeugnis vor den Menschen und zur Ehre Gottes dient.

Noch ein kleiner Anstoß als Ermutigung zum Jahresende:

Häufig lässt man das Jahr Revue passieren und nimmt sich fürs Neue allerhand vor. Schnell versagen wir darin – und dabei ist noch nicht mal der erste Schnee abgetaut.
Doch auch hierin dürfen wir festhalten: Gott will unser Inneres.

Bei all den möglichen Vorsätzen, welche sicherlich auch ihre Berechtigung haben, weiß man nicht, welchen man so wirklich fassen will. Mein Wunsch wird dieser sein: Mein Inneres, mein Herz, möchte ich mehr und mehr Gott ausbreiten und ihn um heiligende Veränderung bitten, um mit David einzustimmen:

Preise den Herrn, meine Seele, und all mein Inneres seinen heiligen Namen! (Psalm 103,1)