Andachten

Warum steht das in der Bibel?

„Und sie zwingen einen Vorübergehenden, einen gewissen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater von Alexander und Rufus, dass er sein Kreuz trage.“ (Markus 15,21)

Bei vielen Texten in der Bibel frage ich mich, warum sie überhaupt in der Bibel stehen. Wie können mich Geschlechtsregister erbauen, wie können mir Details über die Landverteilung im Alltag helfen, wie sollen mich kleine Anekdoten biblischer Geschichten durch die nächste Woche tragen? Manche Teile oder Stellen in der Bibel scheinen unnütz, nicht relevant oder komisch zu sein. Vielfach ist die Reaktion auf diese Bibelstellen dann zweierlei: Entweder man überliest die Stellen, oder man versucht sie zu vergeistlichen, indem man ihnen jegliche Deutungen beilegt, auch wenn diese abstrus sind und nicht aus dem Text kommen.

Auch in der Geschichte von Jesus finden wir eine solche kurze Aussage. Mitten in dem Geschehen zwischen Verurteilung und Golgatha findet sich ein kleiner Nebenschauplatz: Simon kommt vom Feld und trägt gezwungenermaßen das Kreuz Jesu weiter. Diese Tatsache ist an sich wahrscheinlich in dem Sinn interessant, dass Jesus selbst sein Kreuz nicht mehr tragen konnte, weil er schon körperlich viel gelitten hatte. Aber warum muss Markus erwähnen, dass Simon aus Kyrene stammte, vom Feld kam und der Vater von zwei Jungs mit den Namen Alexander und Rufus war?

Ich denke, dass wir hier, wie an vielen anderen Bibelstellen auch, ein Prinzip Gottes finden: Historizität. Gott möchte durch die menschlichen Schreiber glaubwürdige und auf Tatsachen beruhende Geschichte erzählen. Für die Leser nachvollziehbar und historisch wahr soll sein Evangelium dargelegt werden. So war für die Leser des früh geschriebenen Markusevangeliums wahrscheinlich noch klar, wer Simon von Kyrene oder zumindest seine Kinder waren. Genau so konnten die Menschen in den jeweiligen Jahrhunderten der Entstehung der Bücher genau nachvollziehen, wer von wem abstammte, wo welcher Stamm angesiedelt war und wie Gott Geschichte schreiben wollte. Viele Stellen und Hinweise der Bibel stehen einfach dort, weil sie historisch zeigen, dass die Bibel an sich selbst den Anspruch der Wahrheit hat. Sie ist kein Märchenbuch mit ausgedachten Geschichten, sondern enthält Tatsachenberichte aus vielen Jahrhunderten.

Was machen wir jetzt mit solchen Stellen? Immer noch sind sie wenig alltagsrelevant, man könnte immer noch den Ausweg des Überlesens oder Vergeistlichens wählen. Aber das sind falsche Auswege. Ich denke, dass uns diese Stellen extrem im Verständnis von Gottes Wort helfen können. Anstatt schnell über sie hinweg zu lesen braucht es eine intensivere Beschäftigung mit ihnen. Aus ihnen können wir Gottes Handeln und damit sein Wesen entdecken. Oft zeigen sie uns die Absicht der Autoren des AT und NT auf. Sie beweisen uns, dass die Bibel wahr ist und auch historisch zuverlässig sein will.

Ich möchte euch Mut machen, euch beim nächsten Lesen einer scheinbar irrelevanten Stelle zu fragen, warum diese Passage oder der Vers genau dort in Gottes Wort steht. Sicher findet man nicht immer direkt eine Antwort, aber es lohnt sich, tiefer zu graben!