Andachten

Besser arm dran als Arm ab?

„Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, so hack sie ab und wirf sie weg! Es ist besser, verstümmelt zu sein, als unversehrt in die Hölle zu kommen.“ (Matthäus 5,30)

Mein Papa hat schon immer gerne typische Vater-Sprüche zitiert. Unter diesen Sprüchen befand sich auch der in der Überschrift erwähnte: Besser arm dran als Arm ab. Das Wortspiel soll natürlich darauf anspielen, dass reine Armut noch nicht wirklich schlimm ist, es könnte ja auch schlimmer sein (in diesem Fall durch den Verlust des eigenen Arms).

An den Spruch musste ich bei dem obigen Vers denken. Jesus ist in seiner Bergpredigt nämlich genau gegenteiliger Meinung: Lieber Arm ab als arm dran. Lieber den eigenen Arm abhacken, als in die Hölle kommen, weil der Arm mich zur Sünde verführen kann. Ziemlich radikal und direkt, oder? Und da unsere Gemeinden zum größten Teil aus Menschen bestehen, die sich nicht selbst verstümmelt haben, stellt sich eine Frage unweigerlich: Was genau meint Jesus mit dieser Aussage? Warum leben wir das nicht in letzter Konsequenz, wenn wir uns doch als seine Nachfolger bezeichnen?

Auf der letzten Josia-Konferenz war die Bergpredigt das Thema der Predigten. Unter anderem wurde auch der Abschnitt angeschaut, in welchem der heutige Vers steht. Jesus verurteilt in dieser Predigt die Art der Juden, sich den Himmel erarbeiten zu wollen. Er erklärt dem Volk, das ihm zuhört, dass sie bei weitem besser sein müssten, als die geistliche Elite, die Pharisäer und Schriftgelehrten (Mt 5,20). Dann zeigt er ihnen an verschiedenen Beispielen auf, wie die damalige Auslegung des Gesetzes verstanden wurde. Das Gesetz wurde so ausgelegt, dass die heiligen Gebote Gottes passend und damit „haltbar“ (also möglich zu befolgen) gemacht wurden. Man soll die Ehe nicht brechen. Dieses Gebot sollte gehalten werden und um passend zu sein, ging es dabei um den physischen Ehebruch. In diesem Sinn war das auch vielen möglich, sodass die Pharisäer sich als „gerecht“ ansahen.

Hier hakt Jesus ein: Ehebruch beginnt bereits in Gedanken. So war das Gebot Gottes gedacht. Doch was wären die logischen Konsequenzen, um dieses Gebot aus menschlicher Kraft halten zu können? Das hieße, man müsse sich die Augen ausreißen oder seine Gliedmaßen abschneiden, um nicht in Sünde zu fallen. Dementsprechend konsequent erklärt Jesus es den Anwesenden in den Versen 29 und 30. Wenn sie gut genug sein wollen vor Gott, sich den Himmel erarbeiten möchten, von sich aus nicht in die Hölle kommen wollen, müssen sie mehr tun als bloß im physischen Sinne die Ehe nicht brechen: Sie dürfen gar nicht mehr sündigen! Alles, was sie zur Sünde verleiten könnte, muss entfernt werden! Hack dir also deinen Arm ab. Besser Arm ab als arm dran.

Nein, Jesus sagt nicht, dass das jetzt unser Auftrag ist. Vielmehr macht er deutlich, wofür er gekommen ist. Niemand hätte jemals ein perfektes, sündloses Leben führen können. Dafür waren Gottes Anforderungen für uns sündige Menschen viel zu hoch (s. Mt 5,48). Auch mit dem Abhacken jeglicher Körperteile wäre das nicht machbar. Aber dennoch können wir zu Gott kommen. Weil Jesus alles das getan hat, was wir niemals könnten: Er lebte sündlos, perfekt, rein. Er brauchte sich noch nicht einmal etwas abzureißen, um das zu schaffen. Als der perfekte Mensch und Gott lebte er gerecht, starb am Kreuz und gab uns damit Alles: Vergebung, Gemeinschaft mit Gott, Gerechtigkeit, die vor Gott zählt, den Heiligen Geist und so vieles mehr.

Einfach unglaublich, dass Jesus Christus, unser Retter, uns das alles gibt. Und aus diesem Grund sind wir in Gemeinden mit Menschen, die noch alle Glieder haben und auf den Gekreuzigten zeigen, auf das geschlachtete und misshandelte Lamm verweisen und mit ihren nicht herausgerissenen Augen den vor Augen haben, der zum Fluch wurde! Gott alle Ehre und unser Dank!