Andachten

Jesu Weherufe gegen die Pharisäer (7/7)

Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr baut die Gräber der Propheten und schmückt die Grabmäler der Gerechten und sagt: Wären wir in den Tagen unserer Väter gewesen, so würden wir uns nicht an dem Blut der Propheten schuldig gemacht haben. So gebt ihr euch selbst Zeugnis, dass ihr Söhne derer seid, welche die Propheten ermordet haben. Und ihr, macht nur das Maß eurer Väter voll!
(Matthäus 23,29-32)

Wer kennt das nicht: Man schaut sich alte Fotos an, bspw. der Eltern oder Großeltern, und schmunzelt leicht beschämt oder großspurig über deren Kleidungsstil. „Sowas hätte ich nie angezogen“ oder „so wäre ich nie rumgelaufen“, kommt es da einem mal schnell über die Lippen.

Ähnlich, jedoch weitaus tragischer und arroganter, handelten die Schriftgelehrten Israels. Sie pflegten voller Argwohn und Überheblichkeit die Gräber ihrer Vorfahren, erinnerten sich kopfschüttelnd bspw. an deren Versagen in der Zeit der Propheten, an den Ungehorsam gegenüber Gottes Geboten und distanzierten sich verachtend beim Lesen der Prophetenbücher von den Sünden der Väter.
Sie meinten, dass sie besser gewesen wären, anders gehandelt hätten, gehorsam und treu Gott gedient hätten und in jedem Fall schuldlos gegenüber der Verfolgung der Propheten.

Jesus tadelt die Pharisäer für solche Gedankengänge vehement! Auch sie wären zu solchem im Stande gewesen! Keiner wäre zur damaligen Zeit ein besserer Jude gewesen oder hätte womöglich Gottes Gesetz eifriger erfüllt. Jesus zieht solchen Gedankenspielen den Zahn und verurteilt eine solche Selbstüberschätzung!

Oft ging es mir als Kind ähnlich. Man liest die spannenden Geschichten der Bibel und meint: Ich hätte niemals gegen Mose in der Wüste gemurrt, ich wäre nie ums goldene Kalb getanzt. Ich hätte nicht geopfert, sondern auf Samuel gewartet. Ich wäre gegen Goliath auch aufgestanden. Ich hätte Jeremia geglaubt und ihn nicht verfolgt. Man könnte diese Liste an Selbstüberschätzung beliebig weiterführen!

Wir alle tendieren dazu zu meinen, dass die Fehler unserer Vorfahren uns nie passiert wären. Doch schauen wir zuerst mal in unsere Gesellschaft hinein:

Wir lachen über den primitiven Geisterglauben der indigenen Urvölker und schütteln verächtlich den Kopf, wenn sie die Sonne oder die Natur anbeten.
Doch genau selbiges tun wir moderne Bürger des Westens – und zwar in überaus größeren Dimensionen! Man huldigt dem Umweltgötzen und praktiziert einen nie dagewesene Klima-Animismus in einem Ausmaß, welches ökonomisch und soziologisch bisher unvergleichbar ist.

Oder wir schütteln den Kopf, wenn unzivilisierte Urvölker afrikanischer oder asiatischer Herkunft Kinder töten, weil sie ihre Götter dadurch besänftigen und anbeten wollen. Doch selbiges tun wir in weitaus perfiderem Ausmaß! Man betet sich selbst an und opfert allein in Deutschland 105.000 Kinder im Mutterbauch auf dem Altar des Egoismus und der Bequemlichkeit.

Merken wir was? Wir sind nicht besser! Wir sind nicht anders! Wir sind die Gleichen.

Jesus möchte uns auf den Teppich zurück holen und warnt uns eindrücklich vor geistlicher Selbstüberschätzung. Sei dir bewusst: Ohne die Gnade Gottes sind du und ich zu jeder Sünde fähig. Wir ahnen nicht, zu was wir im Stande wären! Männer und Frauen Gottes, welche dies auch nie für möglich hielten, versagten kategorisch. Warum sollen du und ich anders sein?

Der Künstler Rembrandt (1606 – 1669) brachte diesen Gedankengang in seinem Gemälde Die Kreuzigung unter. Er malte sich selbst in dieses Kunstwerk, um zum Ausdruck zu bringen: Auch ich habe Jesus mit meinen Sünden ans Kreuz gebracht und auch ich wäre Teil der Masse gewesen die kreuzige ihn! gerufen hätte.

Der Gedanke, zu allen Sünden wie auch unsere Vorväter fähig zu sein, bewirkt zweifaches:
– Wir halten uns mehr und mehr an der Gnade Gottes fest, die uns vor Verirrungen bewahren will.
– Wir sind zugleich demütig und belehrbar, da wir Gottes führende Hand mehr den je als unseren Halt anerkennen.

Die sieben Weherufe Jesu gegen die Pharisäer, sie sind 2000 Jahre später weiterhin brandaktuell. Wir tun gut daran, diese in unser Hier und Jetzt -und vor allem in unser Herz- sprechen zu lassen, denn Gottes Worte sind heute noch die selben wie gestern und haben Gültigkeit für alle Ewigkeit. Amen.