Andachten

Durchs Fenster eingestiegen

„Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, so wird er errettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ (Johannes 10,9)

„Endlich mal wieder eine aufbauende Freizeit, in der ich mich durch den Lobpreis und die guten Predigten so richtig neu vornehmen konnte, Gott nachzufolgen.“ „Endlich mal wieder viel Zeit und Ruhe, um mit meinem himmlischen Vater zu reden.“ „Endlich hat mal wieder alles gepasst, um mit Jesus zu reden und ihn anzubeten.“
Kennst du solche Momente, in denen man sich Gott irgendwie besonders nah fühlt oder gerne mit ihm redet, weil die Umstände passen?

Jesus behauptet, die Tür zur Rettung zu sein. Das ist ein ziemlich hoher Anspruch, weil er sich damit absolut setzt. Er ist nicht nur eine Tür von vielen, es gibt noch nicht einmal ein Fenster oder einen Kamin, den man zur Rettung nehmen könnte. Jesus ist der einzige Weg zum Vater, die einzige Wahrheit und das einzig richtige Leben (s. Joh 14,6). Er ist der einzige Sohn, unsere einzige Hoffnung und die einzige Möglichkeit, zu Gott dem Vater zu kommen.

Das alles ist für gute und langjährige Christen sicher nichts Neues. Natürlich ist Jesus meine Rettung. Immerhin hat er ja am Kreuz alles für mich getan, mich gerettet und mich zu Gottes Kind gemacht, oder?

Auch wenn wir diese Dinge von uns geben und vielleicht sogar anderen weitersagen, besteht trotzdem immer wieder eine Gefahr: Statt der Tür durchs Fenster einzusteigen. Wir suchen uns Zugänge zum Vater, die nicht auf den Errungenschaften Christi beruhen, sondern auf uns selbst. Und genau das ist auch die Gefahr bei den oben beschriebenen Sätzen. Wir suchen uns auf Umständen basierende und emotionale Zugänge zu unserem Gott. Dann brauchen wir passende Lieder, besondere Zeiten, das richtige Gefühl oder bestimmte Menschen, damit wir Gott loben oder mit ihm reden können. Und das ist nicht die richtige Grundlage.

Anbetung und das Reden mit Gott sollten immer auf einem Fundament basieren: Christus hat alles getan, damit ich gerettet wurde. Ich kann mit Gott reden, weil Gott selbst mir diese Möglichkeit gab. Und dann kann ich das zu jeder Zeit und an jedem Ort, unabhängig von meinen Umständen. Ich darf es sogar dann, wenn ich gar keine Lust auf beten habe, ich darf sogar dann mit Gott reden, wenn ich an ihm zweifle. Weil es dann nicht mehr um mich und meine Gefühle geht, sondern um Christus als Mittler. Egal wie schlecht der Lobpreis im Gottesdienst, egal wie weit weg ich mich von Gott fühle, egal wie es gerade in mir aussieht: Christus hat alles gut gemacht. Weil er kam, kann ich jetzt zu Gott kommen.

Ich wünsche mir, dass ich mir meinen Zugang zu Gott im Gebet nicht mehr selbst versuche zu erarbeiten oder ihn abhängig von meinen Gefühlen mache. Ich wünsche mir, dass ich mehr auf Jesus schaue und darauf, was er tat, um mir den Zugang zu Gott zu ermöglichen. Ich möchte nicht mehr durchs Fenster, sondern durch die Tür zu Gott kommen.