Andachten

Apologetik: Glaubensverteidigungsreden schwingen

Während Paulus in Athen auf sie wartete, packte ihn die Wut beim Anblick der zahllosen Götterbilder, die es da in der Stadt gab. In der Synagoge sprach er dann mit den Juden und den Gottesfürchtigen, und auf dem Marktplatz unterhielt er sich täglich mit den Vorübergehenden. Auch etliche aus dem Kreis der epikureischen und stoischen Philosophen liessen sich auf ein Gespräch mit ihm ein, und einige sagten: Was will dieser Schwätzer eigentlich?, andere dagegen: Er scheint ein Verkünder fremder Gottheiten zu sein. Er verkündigte nämlich Jesus und die Auferstehung. (Apostelgeschichte 17, 16-18)

Nach dieser Begebenheit in Athen hält Paulus eine eindrückliche Verteidigungsrede des christlichen Glaubens. Nach dieser Rede (es lohnt sich das 17. Kapitel in der Apostelgeschichte noch zu Ende zu lesen) schlossen sich einige Paulus an und kamen zum Glauben an Jesus Christus…und dies inmitten vieler Philosophen und grossen Denkern.

Anhand dieses Textabschnitts der Glaubensverteidigungsrede lässt sich „Apologetik“ gut erklären. Das Wort Apologetik kommt von dem griechischen Wort «ἀπολογεομαι» (apologia) und heisst so viel wie «sich verteidigen».

Nun nehmen wir ein Perspektivenwechsel vor und zwar die Sicht der Philosophen. Das Kerngeschäft der Philosophie ist der Versuch das menschliche Leben und Denken zu verstehen und zu erklären, wobei ihr Kerninstrument das Nachdenken selbst ist. Deshalb stellen sie sich den grossen Fragen des Seins, des Sinnes, der Logik, der Ethik etc. So versuchten auch die im Bibeltext erwähnten Stoiker und Epikureer Antworten auf diese Fragen zu finden. Dieses Suchen nach Antworten ist der Antrieb der Philosophie. Zentral dabei ist, dass keine Meinungen, sondern Argumente diskutiert werden. Es ist also ein andauerndes Zweifeln, Suchen, Hinterfragen und Begründen. Schlussendlich gewinnt der plausibelste Grund und das stichhaltigste Argument. Unter dem Strich soll Klarheit und Verständnis in den grossen Lebensfragen erreicht werden.

Doch wie kann man Antworten finden und Klarheit schaffen, wenn man Gott und die Bibel aus diesem Prozess des Suchens ausklammert? Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Stoiker und Epikureer in einen apathischen[1] Lebensstil abdrifteten und die Ataraxie[2] nur vortäuschten. Das fragen nach dem Sinn des Lebens, indem man Gott vorweg lässt, müsste konsequenterweise in einem Skeptizismus und letzten Endes in den Nihilismus führen. Meines Erachtens waren dies die Gründe, weshalb bei den Philosophen in Athen das grosse Interesse bestand, die Verteidigungsrede von Paulus anzuhören. Paulus konnte so einen stichhaltigen Standpunkt setzen, inmitten des verzweifelten Suches nach Wahrheit und Sinn.

Nun noch zur Frage nach der Aktualität, Relevanz und warum Apologetik nicht nur Paulus betraf, sondern auch Dich:

  • Ein wahrhaft gläubiger Christ sollte jederzeit seinen Glauben (das christliche Weltbild) verteidigen können und deren Vernünftigkeit aufweisen können.
    • Beispielsweise um die Vertrauenswürdigkeit und Lebendigkeit des Wortes Gottes aufzuzeigen,
    • oder Kritikern des christlichen Glaubens Antworten zu liefern.
  • Um scheinbarer Intellektualität des postmodernen Denkens Paroli zu bieten (aufzeigen von Trugschlüssen, Inkonsistenzen, Inkonsequenzen, etc.).
  • Um Glaubensgeschwister, welche Schwierigkeiten und Zweifelphasen durchschreiten, eine Ermutigung und Stärkung zu sein.

Bitten wir Gott darum, dass wir in solchen Situationen, in welchen wir unseren Glauben verteidigen sollen, den Mut und die richtigen Worte dazu haben und uns nicht schämen Zeugnis abzulegen für unseren Herrn Jesus Christus.


[1] leidenschaftslosen, gleichgültigen

[2] Seelenruhe