Andachten

Die «Warum-Phase»

Solange die Erde währt, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. (1. Mose 8,22)

Kennt ihr die «Warum-Phase» bei den kleinen Kindern? Das ständige Fragen nach dem Grund einer Sache, dessen Grund wiederum hinterfragt wird? Diese Phase kann enorm anstrengend sein für die Eltern aber ist umso wichtiger für das Kind. Denn das Hinterfragen von Seinsgegenständen ist elementar in der Methodik der wissenschaftlichen und philosophischen Suche nach Wissen und Wahrheit. Klammerbemerkung: Dieses «Hinterfragen» sollte m.E. (in gemässigter Form) im Erwachsenenalter vermehrter vorkommen.

Es gibt drei Möglichkeiten wie man in dieser «Warum-Phase» als Eltern interagieren kann. Einerseits kann man den Grund nennen. z.B. «Warum musst du arbeiten?» – Grund: «Um Geld zu verdienen.» Diese Begründung aber wiederum nach einem weiteren Grund fragt – «Warum muss man Geld verdienen» usw. Dieser Weg führt in eine endlose Argumentationskette (oder soweit, wie der Geduldsfaden der Eltern reicht).

Des Weiteren könnte man die Frage mit einem simplen «Ist so, weil ist so!» abrupt beenden. Und die letzte Möglichkeit wäre eine «zirkuläre Argumentation», sprich im Kreis herum zu begründen (arbeiten gehen –> Geld verdienen –> lebensnotwendige Dinge kaufen –> (dann braucht man wieder Geld) arbeiten gehen –> etc.). Aus wissenschaftlicher Sicht sind aber solche Zirkelschlüsse inakzeptabel (und selbst bei Kindern nicht immer ausreichend gültig).

Es scheint also keine befriedigende Antwort auf diese Fragen nach dem «Warum» zu geben. Eine Lösung aus diesem Dilemma erfordert das «Unmögliche», weil man sich ja nicht selbst aus dem Sumpf ziehen kann.

Als vermeintlicher Ausweg wurde in der Philosophie die «pyrrhonische Skepsis» erdacht. Diese Denkrichtung besagt, dass die Wahrnehmung des Menschen keine wahre Wirklichkeit erkennt, sondern nur deren Erscheinung. Also scheint es keine Extrempositionen zu geben, sondern nur die Äquivalenz. Daher sind die Pyrrhoneer zaudernd, ja, sogar beinahe gleichgültig gegenüber Entscheidungen. Um dieser Gleichgültigkeit notfalls zu entweichen, entscheiden sie sich lieber grundlos ihren stärksten Neigungen entsprechend. Doch befriedigt diese Urteilsenthaltung den Menschen wirklich? Erreicht man durch dieses Verhalten den erhofften tiefverankerten Seelenfrieden?

Die daraus resultierende Relativität aller Dinge, dass jede Perspektive weder wahr noch falsch, sondern relativ ist, muss frustrierend sein. Leider aber ist diese Sicht (alles sei relativ) gerade heute noch stark verbreitet.

Wie können wir überhaupt noch wissen, dass unser Wissen wahr ist? David Hume, ein Philosoph und Vertreter der schottischen Aufklärung des 18. Jahrhunderts, ist bekannt als Vertreter des Empirismus[1]. Wir wissen, dass etwas wahr ist, weil wir das so erfahren haben. z.B. «Morgen wird die Sonne aufgehen.» – Warum wissen wir das? Weil wir in der Vergangenheit dem Wahrheitsgehalt dieser Tatsache empirisch bestätigt wurden. Aber selbst dies kann nicht mit Gewissheit gewusst werden…zumindest im Relativismus nicht. Die einzige Gewissheit und Befriedigung in dieser ganzen skeptischen Unklarheit ist der Glaube an den Schöpfer. Gott verspricht, dass weder Tag noch Nacht aufhören werden, solange die Erde währt. Gottes Verheissung ist wahr, nicht weil wir das glauben, sondern weil Gott vollkommen Treu ist. Er ist die Antwort auf das «Warum» – weil es Sein Wille ist. Nur durch den Glauben an unseren Schöpfer, Gott und Vater erhalten wir die tiefe Erfüllung und den ersehnten Seelenfrieden. Auf Ihn allein hoffen wir, den Anfänger und Vollender, das Alpha und das Omega. Er ist unsere Freude!


[1] Im Empirismus wird das Wissen/die Erkenntnis durch Sinneserfahrung erlangt.