Andachten

Der allein weise Gott

„Daniel fing an und sprach: Gepriesen sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit! Denn Weisheit und Macht, sie sind sein.“ (Daniel 2,20)
„Dem aber, der euch zu stärken vermag nach meinem Evangelium […] dem allein weisen Gott durch Jesus Christus, ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit!“ (Römer 16,25.27)

Wenn es in einem Gespräch um die Allmacht und Souveränität Gottes in seinem Handeln geht, stößt man nicht selten auf Skepsis und Zurückhaltung im Bezug auf die Frage, wie weit diese Allmacht reicht und wie sehr Gott davon Gebrauch macht. Bedingt durch die Vergangenheit, in der tyrannische Herrscher ihre, menschlich betrachtet, uneingeschränkte Macht missbrauchten, um das zu tun, was in ihren Augen richtig war, haben wir Schwierigkeiten mit dem Gedanken, einem Wesen uneingeschränkte Macht zuzuschreiben. Doch warum ist die Allmacht Gottes kein Thema, welches wir mit äußerster Vorsicht behandeln sollten, sondern vielmehr ein Thema, das wir eingehender erforschen und das uns fröhlich stimmen sollte? – Weil Gott nicht nur allmächtig, sondern außerdem noch vollkommen weise ist. Gottes Weisheit zeichnet sich nicht nur darin aus, dass Gott alles weis, was es zu wissen gibt, sondern auch darin, moralisch gute und gerechte Entscheidungen zu treffen.

Doch das bedeutet nicht, dass es Gottes Ziel mit dieser Welt wäre, allen Menschen ein sorgen- und schmerzfreies Leben zu ermöglichen, unabhängig von deren moralischem und geistlichem Zustand, da Gott ja ein Gott der Liebe ist. Nicht einmal die Jünger Jesu haben die Aussicht auf so ein Leben, vielmehr wird ihnen versprochen, dass sie Drangsal und Nöte erdulden müssen. Es ist vielmehr Gottes Ziel, seine Kinder dahingehend zu verändern, dass sie ihm vollkommen gehorchen, ihn auf gebührende Weise loben und anbeten und dass er für sie alles bedeutet. Dieses Ziel möchte Gott mit jedem Christen erreichen und er wird dabei erfolgreich sein, weil er die dafür nötige Macht und Weisheit besitzt.

Jakob ist ein schönes Beispiel in der Bibel, in dessen Leben Gottes veränderndes Wirken so deutlich hervortritt. Jakob könnte man als eigensinniges Muttersöhnchen beschreiben, das die Fähigkeit hatte, sich aus allen schwierigen Situationen herauszuwinden und gleichzeitig immer wieder Züge eines hinterlistigen Geschäftsmannes zu erkennen gab. Jakobs Vertrauen in seine eigene Klugheit musste in Gottvertrauen und in das Bewusstsein, dass er völlig von Gott abhängig ist, verwandelt werden. Er musste lernen seine Betrügereien, die für ihn ein probates Mittel darstellten, seine Ziele zu erreichen, zu verabscheuen. Um mit Jakob dahin zu kommen, ließ Gott ihn mehrere Jahre seinen eigenen Weg gehen, auf dem er sich in ein Netz von Lügen verstrickte, dass ihn immer einsamer werden ließ. Zuerst musste er von seiner Familie fliehen, weil sein Bruder ihn umbringen wollte, danach musste er von seinem Onkel fliehen, weil er dessen Schafherden manipuliert hatte, um schließlich wieder nach Kanaan zurückzukehren, wo ihm sein Bruder mit 400 Mann entgegenging. Doch noch hatte Jakob seine eigene Kraft, auf die er sich verlassen konnte, bis ihm Gott auch diese Stütze nahm, indem er ihm im Kampf auf die Hüfte schlug. In dieser aussichtslosen Lage, mit den eigenen Kräften und der eigenen Weisheit am Ende, klammerte sich Jakob an Gott und flehte ihn um seinen Segen an. Erst hier, am absoluten Tiefpunkt seines Lebens, erkannte Jakob seine eigene Schwäche und seine Abhängigkeit von Gott an und setzte sein Vertrauen allein auf ihn.

Es ist sicher kein Zufall, dass Gott oft Leid und schwierige Situationen im Leben von seinen Kindern gebraucht, um sie zu verändern und ihnen wichtige Dinge beizubringen, wie bei Jakob. Vielleicht möchte Gott dich auch für eine Aufgabe vorbereiten, wie er Josef gebrauchte, um seine Familie vor dem Hungertod zu retten. Manchmal führt Gott uns auch in leidvolle Zeiten, damit wir neu lernen ihm zu vertrauen und durch den Trost, den wir von Gott empfangen, in der Lage sind, auch andere zu trösten. Bestimmt gibt es noch mehr Gründe für Leid in unserem Leben, doch egal welches Ziel Gott damit verfolgt, so dürfen wir ihm doch voll und ganz vertrauen, auch dann, wenn wir selber den Weg nicht sehen, den uns Gott führt, da wir wissen, dass er nicht nur allmächtig, sondern auch der allein weise Gott ist.