Andachten

Gottes Reden oder nur meine Gedanken?

So spricht der Herr, HERR: „Wehe den gottlosen Propheten, die ihrem eigenen Geist nachgehen und dem, was sie nicht gesehen haben!“
Hesekiel 13,3

Julia ist eine junge Christin. Sie ist 21 Jahre alt, Single und macht eine Ausbildung zur Krankenschwester. Eines Morgens kommt ein guter Bekannter zu ihr, um ihr die folgende Nachricht zu übermitteln: „Gott hat mir gezeigt, dass ich dich heiraten soll.“

Anstatt Freudensprünge zu machen, ist Julia verwirrt. Wieso hat Gott das ihrem scheinbaren zukünftigen Mann gezeigt haben und ihr nicht? Aber nicht nur das, ein paar Stunden später steht bereits der nächste junge Mann vor ihrer Tür. Auch er bringt die gleiche Botschaft mit: „Gott hat mir gezeigt, dass du, Julia, meine Frau werden sollst.“

Komisch, konnte Gott sich dermaßen vertun, dass er zwei Männern gleichzeitig die gleiche Frau geben wollte? Nur ein paar Augenblicke später klingelte es erneut. Ein dritter Bewerber stand vor der Tür, auch er sagte: „Gott hat mir klargemacht, dass wir eine Ehe eingehen sollen.“

Diese Geschichte ist in ähnlicher Weise wirklich passiert. Julia (Name geändert) heiratete schließlich keinen der drei Männer. Warum? Sie hat gemerkt, dass keiner dieser Männer etwas von Gott gehört hat. Es war lediglich ihr eigenes Herz, dass die drei zu diesen Aussprüchen gereizt hatte. Sie wollten ihr eigenes Verlangen mit dem Verweis auf Gottes Willen bekräftigen. Doch das zu tun ist gefährlich. In anderem Ausmaß taten das nämlich auch die Propheten in Israel zu Hesekiels Zeit. Gott muss ihnen sagen, dass sie nur ihrem eigenen Sinn nachgehen und nicht das sagen, was Gott will. Später bestraft er sie sogar dafür (13,9).

Gott macht klar, dass nicht jedes Gefühl in uns bedeutet, dass er zu uns spricht. Wir sollten seine Autorität nicht für unsere Zwecke missbrauchen. Und doch denken wir oft, dass dieses Gefühl, ein bestimmter Gedanke oder ein Eindruck direkt von Gott an uns geschieht. Was machen wir dann damit? Drei Punkte dazu:

  1. Wenn ein Gedanke wirklich von Gott ist, dann stimmt er mit den Aussagen der Bibel überein. Überprüfe den Gedanken und schau, ob Gott ähnliche Dinge sagt.
  2. Wenn Gott geredet hat, dann hat er das immer klar und deutlich getan. Ein einzelner Gedanke oder ein tiefer Wunsch sind deshalb noch kein Kennzeichen für ein Reden Gottes. Wenn er wirklich direkt zu dir redet und das noch außerhalb der Bibel, dann macht er das so klar und deutlich, dass es keinen Zweifel daran gibt.
  3. Selbst wenn du einen Gedanken hast, der gut und biblisch ist, benutze ihn nicht als autoritatives Wort Gottes gegenüber deinem Nächsten. Jemanden zu sagen, dass Gott will, dass man ihn heiratet, übt enormen Druck aus und hat schon einige echte Probleme verursacht. Wenn Gott es dir wirklich gesagt hat, wird es eintreffen, dann brauchst du damit nicht hausieren.

Wir sollten uns davor hüten, unsere Gedanken als Gottes Worte auszugeben. Die falschen Propheten damals wurden von Gott selbst gerichtet und uns wird es genau so ergehen, wenn wir seinen Namen falsch gebrauchen. Das kann uns persönlich eine Warnung sein und ich denke, dass wir anderen Christen diese Botschaft weitergeben dürfen. Es wird echt viel Missbrauch mit dieser Art von „Gotteserkenntnis“ gemacht und das sollten wir stoppen. Aus Liebe zu den Opfern, aber auch den Tätern.