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Buchbesprechung: Corona und Christus

Piper, John. Corona und Christus. Evangelium21.

Wer John Piper kennt, weiß dass er eine unerschütterliche Leidenschaft dafür hat, Menschen die Größe Gottes aufzuzeigen. Gott ist ein souveräner Herrscher, dessen Größe alle Superlative dieser Welt nicht beschreiben und dessen Herrlichkeit weder in Worten noch in Gedanken noch in Bildern noch in musikalischen Kompositionen etc. beschrieben werden kann. Gott ist atemberaubend schön und in Ihm ist Freude in Fülle vorzufinden. Piper will, dass alle Welt das weiß und verkündigt das deswegen ohne Unterlass.

In Corona und Christus macht er keine Ausnahme. In seinem Buch lädt er jeden (er spricht auch deutlich zu Nichtchristen) dazu ein, sich auf einen Stein, mehr noch, auf einen Felsen zu stellen, auf dem unsere Seelen zur Ruhe finden können. Er stellt diesen Gott erneut auf den Leuchter, indem er erstens den Gott vorstellt, der über Corona regiert und zweitens die Frage beantwortet, was Gott durch Corona tut.

Der Gott, der über Corona regiert

Im ersten Teil macht Piper uns wie gesagt mit dem über Corona regierenden Gott bekannt. Der Autor selbst hat erfahren, dass dieser Gott ein Fels ist, auf dem man sicher stehen kann. 2005 wurde bei John Piper Krebs vermutet. Eine Nachricht, die einen ganz schön in die Knie zwingen kann und einen in völlige Unsicherheit bringen kann, wenn man keinen Felsen hat. Doch Gott sprach zu Piper: „John Piper, das ist kein Ausdruck meines Zorns. Ob du lebst oder stirbst, wirst du bei mir sein.“ Dieser Fels kann für jeden eine unerschütterliche Hoffnung sein, die sogar schon jetzt erfahrbar ist. Dieser Fels versüßt einem diese Zeit – ob die Umstände günstig scheinen oder nicht.

Die Herrlichkeit Gottes kann gesehen und ausgekostet werden. In der Bibel hat Gott diese Herrlichkeit hineingelegt. Sätze wie: „Wie süß ist dein Wort meinem Gaumen, mehr als Honig meinem Mund!“ (Ps 119,103) spiegeln eine Wahrheit wider und sind keine bloßen Gaukeleien. Doch eine derartige Pandemie zieht eine gewisse Sache in Zweifel: Dieser Gott will unser Bestes und ist gerecht. Und er ist allmächtig. Eine Pandemie, bei der Tausende von kranken Menschen erst der Anfang der Übel sind, passt überhaupt nicht ins Bild. Ein Teil der Antwort ist: Gott ist heilig! Dem Leser sei allerdings ans Herz gelegt, selbst über Pipers Ringen um eine nachvollziehbare Antwort nachzulesen.

Die Süße und Bitterkeit der Souveränität Gottes

Im Kapitel 4 erklärt Piper überzeugend, wie Gott souverän über allem steht – in guten wie in schweren Zeiten herrscht er uneingeschränkt. Er zieht einige Beispiele heran, die aufzeigen, dass auch die Gläubigen der Bibel verstanden haben, dass Gott es ist, der hinter ihrem Leid steht, z.B. Naemi (Ruths Schwiegermutter), die erklärt: “Der Herr hat es mit sehr bitter gemacht.” (Rut 1,20) oder auch Hiob, der verstand, dass der Herr es war, der seine zehn Kinder, sein Hab und Gut und seine Gesundheit genommen hat. Vielleicht hast du durch diese Corona-Krise ebenfalls Dinge verloren und fragst dich nun, was daran tröstlich sein soll, dass Gott hinter deinen Verlusten und Leiden stehen soll. Kann uns diese Wahrheit, dass Gott auch üble, bittere Dinge in unserem Leben wirkt, wirklich zu Ruhe, Frieden und Gottvertrauen führen?

Diese Frage behandelt Piper ausführlich in Kapitel 5. “Das Geheimnis […], liegt in der Erkenntnis, dass dieselbe Souveränität, die Corona stoppen könnte, es jedoch nicht tut, genau die Souveränität ist, welche die Seele in all dem erhält.” (S. 38) Anders gesagt: Wenn wir auf Gottes Souveränität über unser Leid ablehnen, opfern wir damit auch seine Souveränität, mit der er alles zum Guten wenden kann, ja sogar die Souveränität, mit der er seinen Sohn Christus für uns sterben lassen hat, um unsere Vergebung und ewige Freude in seiner Herrlichkeit sicherzustellen. Gott meint es gut mit den Seinen, er wirkt alle Dinge in diesem Weltgeschehen zu unserem Besten und nichts, weder Tod noch Krankheit (z.B. Corona) kann sich zwischen uns und seine Liebe stellen. Jesus drückt die wohlwollende Souveränität im Leben seiner Kinder auf eine so tröstliche Weise aus, indem er erklärt, dass Gott selbst den kleinsten Sperling in seiner Hand hält und dass wir als seine Kinder umso mehr von ihm geliebt sind und jedes Detail unseres Lebens in seiner Hand wohlwollenden Hand liegt.

Was tut Gott durch Corona?

Bevor Piper sich nun der zweiten Hauptfrage seines Buches zuwendet, möchte er zunächst klar stellen, dass Gottes Gedanken um so viel weiser und höher sind, als das, was der menschliche Geist zu erdenken in der Lage wäre. Seine Wege sind unausforschlich (Röm 11,33) und viel zu zahlreich, als dass wir sie nachvollziehen könnten. Die Milliarden Details, die Gott in dieser Krise wirkt und die alle bei ihm zusammenlaufen, können wir eigentlich nicht im Ansatz begreifen. Doch trotzdem schenkt Gott uns einen gewissen Einblick in sein Vorhaben und Handeln in dieser Welt, weshalb es auch nicht anmaßend, eine solche Frage zu stellen und zu beantworten.

Eine erste Antwort, die Piper gibt und mit zahlreichen Bibelstellen untermauert, ist, dass Gott durch die vielen Schmerzen und Leiden, die durch diese Krise entstehen, das moralische Grauen der in Sünde gefallenen Welt abbilden will. Die ganze Schöpfung, also auch der physische Teil ist durch den geistlichen Krieg zwischen Mensch und Gott in  Mitleidenschaft gezogen, sodass z.B. Paulus erklärt, dass die Schöpfung mit Schmerzen das Ende der Zeit herbeisehnt, bei dem sie von jeglichem Einfluss der Sünde in alle Ewigkeit befreit sein wird. Das schließt auch uns als Kinder Gottes ein. Auch wir leiden, auch wir können unseren Job verlieren, krank werden und an einer Krankheit sterben. Doch der entscheidende Unterschied zu Ungläubigen ist, dass für uns in all diesem Verderben keine Verdammnis liegt. Gott straft uns nicht durch Corona, er reinigt uns und gibt uns einen größeren Blick auf seine Schönheit, indem er die Übel dieser Welt, also auch die gesundheitlichen, wirtschaftlichen, politischen (…) Auswirkungen von Corona als Kontrast daneben legt.

Die zweite Antwort des Autors zeigt auf, dass im Grunde jedes Elend auf der Welt eine Konsequenz des Sündenfalls ist, ohne zugleich eine zwingende Kausalität zu persönlichen oder gegenwärtigen Zusammenhängen aufzustellen. Exemplarisch wird dies am Leiden Hiobs veranschaulicht, welcher auf eine Gott wohlgefällig Weise litt. Piper dokumentiert schriftbasiert, dass auch Corona, auch im Krankheits- oder Todesfall eines Gläubigen, keine Strafe Gottes darstellt, da Gottes Züchtigungen erziehenden Charakter haben.

In der dritten Antwort sieht der Autor in der Corona-Pandemie einen barmherzigen Weckruf Gottes. Hierin verweist er auf das zweite Kommen Jesu, welches im Vorfeld durch zahlreiche Wehen begleitet wird. Dabei wird auch die Bildsprache des Apostels Paulus bemüht, worin er das Seufzen der Weltzeit beschreibt. Weiter wird dringlich zur Wachsamkeit aufgerufen, wie es einst Jesus in Matthäus 24 tat.

In seiner vierten Antwort sieht Piper in Corona einen donnernden Ruf an die Menschheit. Dabei wird diese Pandemie nicht exklusiv dargestellt, sondern beispielhaft als eine von vielen Katastrophen in der Menschheitsgeschichte herangezogen. Sie alle haben gemeinsam, dass Gott die Menschheit in seiner Barmherzigkeit zur Umkehr aufruft. Hierbei unterstreicht Piper den Sinn von Katastrophen für jeden einzelnen persönlich, indem hervorgeht, dass der Mensch ein Sünder ist und umkommen wird. Sorgfältig erklärt der Autor den Charakter und die Bedeutung der Umkehr, wobei er dicht am Wort Gottes sowohl in Jesu Beispiel des Turmes von Siloah als auch in den paulinischen Lehren die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen aufzeigt.

Zielführend möchte der Autor dabei in einer Zeit der Unsicherheit und des Schmerzes das Vertrauen und die Orientierung ganz auf Jesus Christus lenken. Mit einem solchen Blick kann daher die Pandemie sogar als Geschenk empfunden werden, wie es Paulus in seinen Briefen zum Ausdruck brachte.

Die fünfte Antwort auf die Frage was Gott mit Corona tut, ist die Aufforderung, dass Gottes Volk sein Selbstmitleid überwinden und Gott durch gute Werke voller Freude verherrlichen soll. Dabei wird der Vorbildcharakter der Gläubigen in der Welt betont, indem diese einen Unterschied zur gesellschaftlichen Auffassung und Resignation inmitten der Krise bilden.
Dabei führt der Autor beispielhaft das Gebet und die praktische Hilfe gegenüber Kranken an, indem er auch auf historische Ereignisse zurückgreift, in denen Christen mutig und aufopfernd sich um die Linderung des Leids in der Gesellschaft aufopferten.
In solchem Agieren wird Gott von seinem Volk verherrlicht und souverän handelnd im Leid die Ehre gegeben.

Die sechste und letzte Antwort lenkt den Blick des Lesers auf die Notwendigkeit der Mission in aller Welt. Der augenscheinliche Widerspruch aufgrund von Reisebeschränkungen wird erläutert, indem Gott niemals durch das Ausmaß einer Katastrophe das Potenzial verschwenden würde. An einem praktischen Beispiel zeigt der Autor auf, wie auch die Gefangenschaft eines Pastors gewinnbringend für das Reich Gottes war.

In einem abschließenden Gebet preist Piper die Weisheit Gottes und bittet um die Erkenntnis des Nutzens der weltweiten Corona-Pandemie. Dabei lenkt er den Fokus auf die Verherrlichung Gottes und bittet Gott um weltweite Erweckung.