Andachten

Gib’s zu!

“Wer seine Übertretungen verbirgt, wird kein Gelingen haben; wer sie aber bekennt und lässt, wird Barmherzigkeit erlangen.” (Spr 28,13)

In den Liturgien (Gottesdienstabläufen) vieler Denominationen nimmt das Bekenntnis der Sünden einen wichtigen Platz ein. Man bekennt sowohl mit der ganzen Gemeinde durch eine allgemein gehaltene Formulierung seine Sünden, als auch für sich selbst im Stillen. Das ist meiner Meinung nach ein sehr wichtiges Element eines Gottesdienstes, und das aus mindestens zwei Gründen:

  1. Vergebung und Heilung: Gottes Vergebung der Sünden gilt für die, die sich ihrer Schuld bewusst sind und die sie vor Gott bekennen. Gott erklärt, dass er die Sünden seines Volkes vergeben wird und sie heilen wird, wenn es sich demütigt, betet, sein Angesicht sucht und von seinen bösen Wegen umkehrt (vgl. 2. Chr 7,14). Sünde bringt uns in zweifacher Hinsicht in ein schlimme Lage: 1. Die Beziehung zu Gott, die die Quelle höchster Freude ist, wird getrübt und das macht sowohl uns als auch Gott traurig und 2. es zerstört uns selbst und unsere Beziehungen. Doch Gott verspricht uns Heilung – nicht nur politisch, so wie damals bei Israel, sondern auch ganz persönlich – wenn wir unsere Sünden bekennen.
  2. Schutz vor Selbstbetrug. Der Apostel Johannes erklärt: “Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.” (1. Joh 1,8) Menschen, die ihre Fehler immer kaschieren und schön reden wollen, werden uns schnell unangenehm. Doch leider fällt uns diese Eigenschaft bei anderen viel häufiger auf, als bei uns selbst. Darum ist wichtig, eine Gewohnheit zu etablieren, in der wir intensiv darüber nachdenken, wo wir uns an Gott und auch an anderen Menschen schuldig machen. Bei Gott können wir diese Schuld abladen und ihm um Licht bitten, dass unsere dunkelsten Sünden und Übertretungen enthüllt. Das ist der Ausweg aus der Gefangenschaft des Selbstbetrugs und hilft uns, den Menschen in unserem Umfeld in Offenheit und Liebe zu begegnen. Wir verstehen dadurch auch mehr, dass andere dasselbe ebenfalls dazu neigen, sich selbst zu betrügen und werden gnädiger – statt immer mehr zum Moralapostel zu werden. Auch Jesus spricht diese Problematik an, indem er fragt: “Was aber siehst du den Splitter, der in dem Auge deines Bruders ist, aber den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Erlaube, ich will den Splitter aus deinem Auge herausziehen; und siehe, der Balken ist in deinem Auge?” Seine Ermahnung ist klar: “Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge heraus, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.” (Mt 7,3-5)

Doch natürlich können wir die Verantwortung, unsere Übertretungen zu bekennen, nicht auf die Liturgie unserer Gemeinde schieben, sondern sind herausgefordert, selbst eine Ehrlichkeit zu sich selbst zu etablieren. Nimm dir kurz Zeit und denk darüber nach, wie du das in deinem Alltag tun kannst. Durch das Bekennen unserer Sünde erkennen wir mehr von Gottes großer Barmherzigkeit, wie auch Salomo es schon verstand. Das Los derer, die jedoch ihre Fehler verstecken und ihr Image zu wichtig nehmen, ist schlichtweg Misserfolg, der sich früher oder später, auf die eine oder andere Weise zeigen wird.

Die Sprüche (58/100)