Andachten

3 oder 12 Schritte, um ein besserer Mensch zu werden?

Darum umgürtet eure Lenden eurer Gesinnung, seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch zuteil wird in der Offenbarung Jesu Christi. (1. Petr 1,13)

Jessica Walsh und Timothy Goodman entwickelten gemeinsam ein 12-Punkte Programm, um ein besserer Mensch zu werden. Menschen sollen mithilfe ihrer Methoden zu einfühlsameren und freundlicheren Menschen werden. In ihrem Programm finden sich bisweilen tatsächlich sehr gute Tipps, die einem für dieses Ziel behilflich sein können und gar recht christlich anmuten.

Wenn wir folgenden Tipp lesen: „Nimm anderen mit Gutherzigkeit den Wind aus den Segeln“, werden wir unweigerlich an das Gebot Jesu der Feindesliebe erinnert (Matth 5,44). Anderen zu verzeihen und zu vergessen scheint doch ebenfalls ein Tipp zu sein, den die Bibel so unterschreiben würde.

Was allerdings nicht auftaucht, ist die Tatsache, dass ohne Hilfe von außen jeglicher Versuch, ein besserer Mensch zu werden zum Scheitern verurteilt ist. Nirgends ist davon zu lesen, dass diese Tipps zwar gut sind, wir Menschen aber nicht. Nirgends wird wirklich der Kern der Sache, die menschliche und zutiefst sündige Natur des Menschen, angesprochen. Ich kann ein Weilchen probieren, anderen Menschen die Frage zu stellen „wie kann ich dir helfen?“, wie die beiden vorschlagen. Aber in einem Nu bleibe ich doch nur wieder bei mir selbst stehen und frage mich, wie ich mir eigentlich am besten helfen kann.

Petrus nutzt einen anderen Ansatz. Er möchte definitiv, dass seine Leser zu besseren (oder besser: heiligeren) Menschen werden. Aber er wählt einen Ansatz, der je länger man darüber nachdenkt, radikal verschieden ist. Er beginnt erstens damit, unseren Blick auf die Gnade („setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade“) zu lenken. Er weiß ganz genau, dass seine eigenen Vorsätze standhaft wie ein Grashalm sind. Er weiß, dass man im Heldenmut behaupten kann, dass man Jesus treu ist, und sobald es ernst wird, findet man sich wieder, wie man genau das Gegenteil tut (sich selbst zu verfluchen, dass man „diesen Mann“ nicht kennt). Gottes Gnade als explosive Kraft zur Veränderung ist nötig, dass gute Vorsätze, ein besserer Mensch werden zu wollen, auch wirklich umgesetzt werden.

Als zweites will er, dass wir uns auf Christus fokussieren („die euch offenbar wird in der Offenbarung Jesu Christi). Und falls du denkst: Das habe ich schon oft genug gemacht, ich weiß, wer Christus ist – halte dir den Apostel Paulus vor Augen, der spricht: „nicht dass ich es schon erlangt hätte oder schon vollendet wäre…“ (Phil 3,12; davor in Vers 10 spricht er von der Erkenntnis Christi). Da hat sicher jeder von uns noch einen weiten Weg vor sich, was die Christuserkenntnis anbelangt.

Und drittens möchte Petrus dann tatsächlich, dass wir „unsere Lenden umgürten„. Er will, dass wir frisch ans Werk gehen, aktiv werden, mit voller Manneskraft gute Werke tun und alles daran setzen, ein besserer Mensch zu werden. Hier – und erst hier! – haben die Tipps von Jessie und Tim ihren Platz. Petrus fährt fort, seine Leser dazu aufzufordern, nicht mehr ihren Begierden zu dienen, sondern heilig zu leben, wie Gott heilig ist (1. Petr 1,14-15).

Dieser „Drei-Punkte-Plan“ hat die göttliche Versicherung, erfolgreich zu sein. Diesem gilt es zu folgen, damit unserem höchsten Ziel Rechnung getragen wird: Gott zu verherrlichen.