Andachten

Die Güte und Strenge Gottes

„Sieh nun die Güte und die Strenge Gottes … .“ (Römer 11,22)
„Er antwortete: Ich werde all meine Güte an deinem Angesicht vorübergehen lassen und den Namen Jahwe vor dir ausrufen … .“ (2.Mose 33,19)

In den letzten Andachten dieser Serie konnte man immer wieder sehen, wie Gott scheinbar sich widersprechende Eigenschaften in seinem Wesen vereint. Liebe mit Hass/ Zorn oder Gnade mit Gerechtigkeit sind Beispiele dafür. In einem gewissen Sinn lassen sie sich diese Eigenschaften in der Güte und der Strenge Gottes zusammenfassen.

Die Güte Gottes
Gott versprach Mose auf dem Berg Sinai all seine Güte vor ihm vorübergehen zu lassen und tat es auch, indem er sich dem Mose als barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade (oder Güte) und Treue vorstellte (2.Mo 34,6). Die Güte oder Gnade Gottes vermittelt die Freigiebigkeit Gottes, anderen ohne irgendwelche Hintergedanken etwas Gutes zu tun. Derjenige, der freigiebig ist, gibt nicht das, was der andere verdient hat, sondern das, was der andere braucht, um glücklich zu sein. Bei dieser Charaktereigenschaft Gottes findet eine Unterscheidung zwischen der allgemeine Gnade und der besondere Gnade statt. Es wird z.B. in Matthäus 5 gesagt, dass Gott die Sonne über Gute und Böse aufgehen und er es über Gerechte und Ungerechte regnen lässt. Auch die Tatsachen, dass die gesamte Schöpfung nur durch Jesus besteht und die Saat und die Ernte nicht aufhören werden, zeigen, dass Gott allen Menschen gegenüber sehr freigiebig ist. Diese allgemeine Gnade hält Gott aber nicht davon ab, sich einigen Menschen in besonderer Weise in Gnade zuzuwenden, indem er sie errettet, für ihre Schuld bezahlt und sie für gerecht und heilig erklärt. Paulus begründet die Güte Gottes im Römerbrief dadurch, dass Gott Zweige aus dem wilden Ölbaum, in seinen eigenen Ölbaum einpfropft.

Die Strenge Gottes
Gottes Strenge wird dadurch ersichtlich, dass Gott seine Güte denen entzieht, die sie verschmäht haben. Das Volk Israel hatte den Messias abgelehnt und dem Evangelium Jesu nicht geglaubt und deshalb wurden einige der Zweige aus dem Ölbaum herausgebrochen. Paulus möchte die Gläubigen in Rom warnen, nicht hochmütig zu werden, da sie nun Teil des Ölbaums geworden sind. Er möchte, dass sie sich fürchten, da Gottes Strenge die natürlichen Zweige nicht verschont hat und da es keinen Grund gibt, dass nicht auch die eingepfropften Zweige wieder herausgebrochen werden, wenn sie nicht an der Güte Gottes bleiben. Selbst in diesem, von der Strenge Gottes geprägtem Abschnitt, kommt Gottes Gnade und Langmut zum Vorschein, denn selbst die ausgebrochenen Zweige können wieder in ihren eigenen Ölbaum eingepfropft werden, wenn sie nicht in ihrem Unglauben verharren.

In dieser Gegenüberstellung von Gottes Güte und seiner Strenge muss aber unbedingt hervorgehoben werden, dass Gott kein Gott ist, der nur darauf wartet die Sünder zu verdammen. Im Gegenteil, er ist auch den Sündern gegenüber langmütig und Petrus bezeugt, dass Jesus deshalb noch nicht wieder gekommen ist, damit jedermann Raum zur Buße habe. Ja, Gottes Güte möchte die Sünder zur Umkehr führen und das darf auch unsere Hoffnung, im Hinblick auf diejenigen sein, die noch ohne Gott leben.