Allgemein, Andachten

Einführung in die Offenbarung (5/15) | Wie soll man die Offenbarung lesen?

Schreibe das, was du siehst, in ein Buch und schicke es an die sieben Gemeinden in den Städten Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea. (Off 1,11)

„Wenn diese Corona-Krise noch lange anhält, fällt mir wirklich die Decke auf den Kopf.“ Diese und ähnliche Aussagen hören wir in unserer momentanen Situation wahrscheinlich tagtäglich an verschiedensten Orten der Welt. Ich möchte anhand dieses Satzes etwas aufzeigen. Man kann diesen Satz auf verschiedene Weisen interpretieren. Er könnte folgende Aussagen meinen:

  1. Die Person, die diesen Satz sagt, hat ein Problem mit ihrem Haus. Durch die Corona-Krise kann sie niemanden das Dach reparieren lassen und deshalb hat sie Angst, dass ihr die Decke bald auf den Kopf fällt.
  2. Die Person, die diesen Satz sagt, hat eine an ihrer Zimmerdecke montierte Bettdecke. Diese fällt ihr bald auf den Kopf, weil die Befestigung der Decke nicht mehr lang hält und sie durch Corona keine neue Befestigung einkaufen kann.
  3. Die Person, die diesen Satz sagt, fühlt sich in ihrem Zuhause eingeschränkt und will endlich wieder mal rauskommen. Das wird durch Corona allerdings erschwert oder verhindert.

Wahrscheinlich würde niemand von uns denken, die Person wolle eine der ersten beiden Aussagen mit ihrem Satz machen. Für uns ist es selbstverständlich, dass es der Person um Aussage Nummer drei geht. Aber warum ist das so? Es liegt daran, dass uns ihre Sprache und Ausdrucksweise geläufig ist. Wir wissen, dass „mir fällt die Decke auf den Kopf“ ein Sprichwort ist, das eine andere Bedeutung hat als die wortwörtliche Bedeutung des Satzes (Aussagen 1 und 2 wären wortwörtliche Herangehensweisen an diesen Satz). Wir wissen, was die Person mit diesem Satz eigentlich meint, alles andere würde absurd sein.

In der Offenbarung erkennen wir ein ähnliches Muster. Als „Offenbarung“ oder „Apokalypse“ geschrieben muss dieses Buch auch als solches gelesen werden. Johannes bekommt den Auftrag, die Dinge, die er sieht, aufzuschreiben. Er bekommt alle möglichen Bilder und Visionen (s. Off 1,12; 4,1; 5,1; 6,1; etc.). Einige davon werden ihm erklärt, andere nicht. Aber alle diese Bilder müssen auch als das verstanden werden, was sie sind: Es sind Bilder.

Die Offenbarung muss also bildhaft gelesen werden. Ich schaue mir an, welches Bild Johannes sieht und versuche, dieses so gut wie es geht zu erfassen. Danach muss ich das Bild verstehen und interpretieren. Entweder mache ich das dann wie Aussagen 1 und 2 in meinem Anfangsbeispiel (wortwörtlich), oder ich berücksichtige den damaligen Kontext und die Interpretationen aus dem Alten Testament, die mir den Inhalt aufschlüsseln. Wenn er dann zum Beispiel von sieben Leuchtern spricht (1,12), ist damit keine Ansammlung von Leuchtern gemeint, sondern dann stehen diese Leuchter für etwas anderes. In diesem Fall wird ihm das Bild erklärt, die Leuchter sind die sieben Gemeinden, an die die Offenbarung geschrieben wurde (1,20).

Wir sollten die Offenbarung im Hinblick auf ihre Hauptaussage (Christus hat die Kontrolle) und als Bilder lesen. Diese Bilder sagen uns bei richtiger Interpretation mehr als 1000 Worte. Sie erklären uns Gottes Absicht mit dieser Welt und es wird für uns einfacher sein, die Offenbarung zu verstehen. Die Vorstellungen von riesigen Drachen und anderen Ungeheuern wird dann mit der richtigen Interpretation aufgeschlüsselt und zeigt uns die Bedeutung hinter den Bildern. Auch wenn uns manche Dinge weniger geläufig sind, sollten wir trotzdem versuchen, die ursprüngliche Interpretation zu begreifen. Je besser wir uns dabei im Alten Testament auskennen und uns mit dieser Art der Literatur beschäftigen, desto einfacher wird uns das fallen.

Ich hoffe, du hast Lust, dich weiter mit diesem Buch zu beschäftigen. Es erfordert Mut und Kraft, sich auf dieses Buch einzulassen und es verstehen zu wollen. Aber in der Offenbarung zeigt sich Jesus uns als unendlich großer Herrscher in den prächtigsten Bildern und legt sein kraftvolles Gericht offen. Um ihn besser kennen zu lernen sollten wir uns deshalb auf diese Reise begeben, die nach diesen ersten einleitenden Gedanken der letzten Andachten nun inhaltlich in den nächsten Andachten angefangen wird.