Andachten

Gott ist mein Vater

„[…] so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die nicht aus Geblüt, auch nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“ (Johannes 1,12.13)

Eine besondere Folge der Rechtfertigung, die durch den Glauben an das Sühneopfer Jesu geschieht, ist die veränderte Stellung des Menschen vor Gott. Menschen, die ihre Schuld vor Gott erkannt haben und ihr Vertrauen alleine auf Jesu Erlösungswerk setzen, werden von Gott nicht nur als Gerechte und Heilige angesehen, sondern werden von ihm sogar in seine Familie aufgenommen.

Dieser Gedanke ist vielen religiösen Menschen heute genauso fremd, wie er es bereits vor 2000 Jahren schon war. Zwar finden wir bereits im Alten Testament, dass Gott sich als Vater seines auserwählten Volkes Israel bezeichnet (vgl. 2.Mo 4,22.23), doch ist der Grundtenor der Selbstoffenbarung Gottes seine Vollkommenheit, Heiligkeit und Freiheit von jeglicher Beschränkung, was durch den Namen Jahwe ausgedrückt wird. Natürlich hat Gott sich über die Jahrtausende nicht verändert, noch haben seine Heiligkeit oder Vollkommenheit in irgendeiner Weise nachgelassen und doch finden wir im Neuen Testament etwas Neues, nämlich die Tatsache, dass die Gläubigen Gott als ihren Vater ansprechen, was ja bereits Jesus seinen Jüngern in der Bergpredigt gelehrt hatte. Doch ist nicht jeder Mensch automatisch Gottes Kind auch dann nicht, wenn er das „Vater Unser“ in einer Kirche nachspricht, sondern nur denen, die ihn aufnahmen, gab Gott das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die […] aus Gott geboren sind.

Obwohl also die Rechtfertigung der primäre und fundamentale Segen ist, da sie die Grundlage aller andere Segnungen Gottes bildet, ist es doch die Adoption der Gläubigen in Gottes Familie, die von manchen Auslegern als das größte Vorrecht des Evangeliums bezeichnet wird. Wie kommen sie zu diesem Entschluss? Die Rechtfertigung ist eine forensische Vorstellung, die auf dem Gesetz basiert und Gott als Richter sieht, der den Sünder, aufgrund des stellvertretenden Sühneopfers Christi, für gerecht erklärt. Das Verhältnis zwischen Gott und dem Gerechtfertigten könnte man hier mit der eines Herrschers zu seinem Untertan vergleichen.
Die Adoption hingegen ist eine familiäre Vorstellung, die Gott als Vater betrachtet und der Beziehung einen ganz anderen Wert zumisst. Diese Beziehung zwischen Vater und Kind zeichnet sich durch Vertrautheit, Zuneigung, Großzügigkeit und Liebe aus. Durch die Adoption sind wir von Gott auch in die Stellung der rechtmäßigen Erben versetzt worden, sodass wir uns des himmlischen Erbes, das für uns vorbereitet ist, gewiss sein können. Nicht zuletzt bringt die Vater-Kind-Beziehung auch Gottes Fürsorge dem Christen gegenüber mit sich, die sich darin äußert, dass Gott seine Kinder auch züchtigt, um sie wieder auf den rechten Weg zu bringen und alles, was ihnen in ihrem Leben zustößt, dazu gebraucht, sie in ihrer Heiligung voranzubringen.

Wenn du Kind Gottes bist, brauchst du keinen Termin bei Gott, um ihm deine Sorgen, Ängste oder auch Freuden mitzuteilen. Du kannst jetzt sofort zu ihm beten. Er hört seine Kinder jederzeit und hilft ihnen gerne, so wie wahrscheinlich jeder gute Vater seinem Kind in der Not beisteht und auch gerne bereit ist, sich mit seinem Kind zu freuen.