Andachten

Für jeden beten? (1. Tim 2,1-2)

Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen, für Könige und alle, die in Hoheit sind, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und würdigem Ernst. (1. Tim 2,1-2)

Hast du dich schon mal gefragt, wen du alles in dein Gebet einbeziehen solltest? Oder bist du während des Betens mal soweit gelangt und hast festgestellt, dass es noch eine Menge Menschen gäbe, für die man beten sollte, aber die Puste und die Zeit geht irgendwie aus? Kann es sogar sein, dass du dir richtig schwer tust zu selektieren und zu sondieren, wen du denn alles in die doch immer so knapp bemessene Zeit des Gebets einbezogen werden soll? Entweder werden die kranken Großeltern vergessen, oder die Missionare, oder die Diener der Gemeinde, oder Politiker (die einem so schwer runter gehen für diese zu beten), oder die verfolgten Christen usw… Die Liste ist endlos! Wie will man denn hiermit klar kommen?!

Solche und ähnliche Fragen hat sich wohl jeder schon mal gestellt. Spätestens jetzt, wenn man zu diesem Vers des dringlichen Appells gelangt „für alle Menschen“ zu beten.

Doch was will Paulus hier sagen?
Paulus gebraucht hier ein Wörtchen für alle (gr. pas), das soviel bedeutet wie „jede Art“ oder „aller Art“ von Menschen. Hiermit möchte er zum Ausdruck bringen: Jeder hat es nötig, dass für ihn gebetet wird! Auch ist niemand zu wertlos oder zu gottlos, als dass wir nicht dennoch unser Gebet für ihn an Gott richten sollen.

Dies beinhaltete auch die Fürbitte für Könige und Herrscher, welche der Christenheit nicht wohlgesonnen waren. Heute mögen es die verhassten Politiker sein oder Menschen des links-grünen Spektrums, welche zunehmenden Einfluss auf Politik, Medien, Gesellschaft und Kirche ausüben.

Merken wir: Die Problematik ist plötzlich nicht mehr diese: „Wie soll ich denn alle Leute in mein Abendgebet packen?“ Die Problematik verschiebt sich gravierend, angesichts dieser Verse! Es ist notwendig nicht nur für unsere direkten Feinde zu beten – sondern auch für diejenigen, die uns nicht mal kennen, ja noch nicht mal im Ansatz Tangenz zu uns haben!

Paulus ermutigt, ja er ermahnt viel mehr für die zu beten, die uns nicht wirklich obliegen und nahe sind, gar konträr zu unseren Überzeugungen und Idealen stehen.
Diese sind es auch meist, welche Einfluss auf unser Wohl und strategisches Gelingen des Landes haben. Auch wenn der souveräne Gott im Regiment sitzt, so möchte ebendieser, dass das Gebet für Seine leitenden Werkzeuge nicht zu kurz kommt.

Aber lasst uns abschließend noch gesagt sein:
Gott möchte unser ehrliches und aufrichtiges Gebet. Kein zwanghaft vollgepacktes mit allerlei Namen und Personengruppen. So wie der Psalmist von ganzem Herzen den Herrn anfleht (Ps 119,58), so soll aus der tiefe unseres Herzes, eben dem Ort, wo Gott uns Menschen und Dinge hineingelegt hat, unsere Fürbitte und unser Einstehen für andere entspringen.

Und vielleicht gelingt es uns ja tatsächlich mit Gottes Kraft auch mal für Berlin zu beten…