Andachten

Einführung in die Apostelgeschichte

„Den ersten Bericht habe ich verfasst, Theophilus, von allem, was Jesus angefangen hat, zu tun und auch zu lehren, bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er sich auserwählt, durch den Heiligen Geist Befehl gegeben hatte. Diesen hat er sich auch nach seinem Leiden in vielen sicheren Kennzeichen lebendig dargestellt, indem er sich vierzig Tage hindurch von ihnen sehen ließ und über die Dinge redete, die das Reich Gottes betreffen. Und als er mit ihnen versammelt war, befahl er ihnen, sich nicht von Jerusalem zu entfernen, sondern auf die Verheißung des Vaters zu warten – die ihr, sagte er, von mir gehört habt; denn Johannes taufte mit Wasser, ihr aber werdet mit Heiligem Geist getauft werden nach diesen wenigen Tagen.“ (Apostelgeschichte 1,1-5)

Jeder der eine Ausbildung abgeschlossen hat, wird den Tag wohl nie vergessen, an dem man nicht länger „der Azubi“ ist, den man herumkommandieren und weniger angenehme Aufgaben übertragen kann, sondern endlich den Stand des Gesellen erreicht hat. Von dieser Erfahrung berichtete mir auch voller Begeisterung einer meiner Freunde, der nun gelernter Zimmermann ist, weil er nach getaner Arbeit nicht noch irgendwelche unnötigen Aufgaben erfüllen musste, um die Zeit bis zum Feierabend totzuschlagen, sondern einfach nach Hause gehen konnte. Doch mit dem gesteigerten Ansehen eines Gesellen geht auch eine Zunahme der Verantwortung einher. Ein Geselle muss nun selbst für seine geleistete Arbeit Rechenschaft abgeben und kann sich nicht mehr hinter seinem Chef verstecken.

Ganz ähnlich war es auch mit den Aposteln, in der Apostelgeschichte. In dem Buch, das von den Taten der Apostel handelt, liegt der Fokus nun nicht mehr in erster Linie auf Jesus Christus, so wie es in den vier Evangelien der Fall ist, sondern auf den Aposteln selbst, die nun, nach einer dreijährigen Ausbildung, selbst in der ersten Reihe stehen und die ganze Verantwortung zu tragen haben. Von nun an konnten sie sich nicht mehr hinter Jesus verstecken.

Doch lässt Jesus seine Apostel nicht ohne jegliche Vorbereitung auf ihre große Aufgabe zurück, sondern verwendet 40 Tage, um ihnen viele sichere Kennzeichen seiner Auferstehung zu liefern. Jesus war es sehr wichtig, dass den Aposteln alle Zweifel hinsichtlich dieser Realität genommen werden, da er selbst wusste und es später durch Paulus niederschrieben ließ, dass der Glaube vergeblich ist, wenn die Auferstehung nicht stattgefunden haben sollte (1.Kor 15,14). Die Tatsache der Auferstehung bildet somit das Fundament eines jeden Christen und somit auch der Gemeinde Gottes als ganze.

Doch Jesus nutzte diese Zeit nicht nur, um seinen Jüngern Beweise für seine tatsächliche Auferstehung zu liefern, indem er z.B. mit ihnen gemeinsam zu Tisch lag und aß, sondern auch, um mit ihnen über das Reich Gottes zu reden. In Lukas 24,45 erfahren wir, dass Jesus seinen Jüngern das Verständnis für die Schriften öffnete. Sie sollten verstehen, dass Christus leiden und am dritten Tag auferstehen musste und dass in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden allen Nationen, ausgehend von Jerusalem, gepredigt werden sollte. Nachdem Jesus das Fundament gelegt hatte, folgt hier also der praktische Auftrag für die Zeit, wenn er nicht mehr auf dieser Erde sein sollte.

Doch wie sollte ein so kleiner und schwacher Haufen, ohne jede Macht und Ansehen in der Welt, so einen gewaltigen Auftrag erfolgreich ausführen können, wenn Jesus selbst nicht mehr unter ihnen sein würde? Menschlich gesehen ein Ding der Unmöglichkeit. Und genau aus diesem Grund gibt Jesus seinen Jüngern am Ende die ermutigende und zugleich beruhigende Verheißung des Heiligen Geistes. Er sollte, anders als noch im Alten Testament, nicht nur für eine kurze Zeit auf ihnen sein, sondern sie sollten mit ihm getauft werden, sodass Gott selbst in ihnen Wohnung nehmen sollte. Nur diese besondere Ausstattung ist der Grund dafür, dass der Auftrag, den Jesus seinen ersten Jüngern gab auch heute noch mit Erfolg ausgeführt wird.
Wenn du zu den Jüngern Jesu gehörst, dann darfst auch du wissen, dass der Heilige Geist und somit Gott selbst in dir lebt und egal wo du auch hingehen wirst, er immer bei dir ist!