Andachten

Ein starker schwacher Mann | 1/7

„Denn siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Ein Schermesser soll nicht auf sein Haupt kommen, denn ein Nasiräer Gottes soll der Junge sein von Mutterleib an. Er aber wird anfangen, Israel aus der Hand der Philister zu retten.“ (Richter 13,5)

Zu jedem guten Actionfilm gehört im Normalfall ein starker Mann. Egal ob er Rambo, Hulk, Bud Spencer oder Obelix heißt: Männer, die mit bloßen Fäusten ihre Gegner besiegen, geben uns Freude und scheinen anmutig. Ich möchte uns in eine Geschichte aus dem Alten Testament mitnehmen, in der es um genau so einen Mann geht: Ein Schwergewicht, der alles kurz und klein schlägt, was ihm in den Weg kommt. Ein Mann, der so stark ist, dass ein ganzes Volk vor ihm Angst hat. Ein Held, der sich jede Frau nehmen kann, die er will. Aber das ist nicht die vollständige, sondern eher eine oberflächliche Beschreibung eines Mannes, der symptomatisch für sein eigenes Volk, das Volk Israel steht. In dieser Reihe geht es um Simson. Um unser Bild von ihm zu vervollständigen, fang ich am besten von vorne an…

Das Buch der Richter folgt der Geschichte Josuas. Dort warnt Josua am Ende Gottes Volk, sich nicht von den Götzen der anderen Landbewohner, sondern von Gott abhängig zu machen. Doch die Zeit nach Josua ist eine einzige Katastrophe. Es ist die Abkehr vom richtigen Gott zu nichtigen Götzen. Das Buch der Richter ist ein trauriger und deprimierender Abfall einer ganzen Nation, der Gott so unendlich viel Gnade geschenkt hat und in der schlussendlich doch jeder tat, „was recht war in seinen Augen“ (Ri 21,25). Von Richter zu Richter verschlimmert sich der Zustand des Volkes. Die Frage, die das Buch aufwirft, ist folgende: Wann wird endlich der Retter kommen, der das Volk Gottes wieder zu ihrem Gott bringt? Die Antwort kommt nicht. Noch nicht. Sie wird erst mit David und letztlich erst viele Jahrhunderte später wirklich beantwortet werden – in Jesus Christus.

Die Frage, die das Buch Richter aufwirft, ist folgende: Wann wird endlich der Retter kommen, der das Volk Gottes wieder zu ihrem Gott bringt?

Simson ist der letzte Richter im Buch der Richter. Die Abwärtsspirale dieses Buches findet in Simson also seinen Höhepunkt (bis auf die letzten Kapitel, die von Brutalität wohl nicht zu übertreffen sind). Der Zustand des Volkes und seines letzten Richters sind am Boden. Doch wer die Ankündigung von Simsons Geburt liest (13,1-23), könnte meinen, Simson würde endlich der erhoffte Richter sein, den Israel benötigt. Gott kündigt ihn an als einen „Nasiräer“ (also ein für Gott abgesonderter Mann) Gottes. Ein Mann, der Israel retten wird. Aber hier finden wir schon einen Hinweis, wie vollständig und gelungen diese Rettung sein wird: Er wird lediglich „beginnen, Israel (…) zu retten“. Simson wird anfangen, aber die Rettung nicht vollenden. In den nächsten Andachten wollen wir uns ein wenig anschauen, wie genau dieser Anfang der Rettung denn eigentlich aussah. Dabei sollte uns eine Frage beschäftigen: Wenn Simson nur der Anfänger einer Rettung war, wer hat sie dann vollbracht? Und so werden wir Jesus als den ultimativen Retter sehen, der der bessere Simson war und viele Parallelen zu ihm hatte.