Andachten

Bist du ein treuer Zeuge?

„Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde. Und als er dies gesagt hatte, wurde er vor ihren Blicken emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie gespannt zum Himmel schauten, wie er auffuhr, siehe, da standen zwei Männer in weißen Kleidern bei ihnen, die auch sprachen: Männer von Galiläa, was steht ihr und seht hinauf zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel.“ (Apostelgeschichte 1,8-11)

Zeugen hatten schon früher eine besondere Stellung, wenn ein Rechtsstreit vor Gericht verhandelt wurde. Nicht selten waren die Schilderungen von Augenzeugen der entscheidende Beweis für die Verurteilung oder den Freispruch eines Angeklagten. Auch heute hat die Aussage eines Augenzeugen vor Gericht noch viel Gewicht und oft steht oder fällt die ganze Anklage gegen einen berüchtigten Mafioso mit der Aussage eines Kronzeugen. Um so wichtiger ist es da, dass die Zeugen verlässliche und wahrheitsgemäße Aussagen über den Tathergang machen. Genau diese Aufgabe überträgt Jesus seinen Jüngern: Sie sollten treue Zeugen von dem sein, was sie gesehen und gehört hatte.

Interessant ist an dieser Stelle, wie Jesus auf die Anfangsfrage der Jünger antwortet und was er damit zum Ausdruck bringen möchte. Auf die Frage: Herr, stellst du in dieser Zeit für Israel das Reich wieder her? Gibt Jesus folgende Antwort: Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu wissen, die der Vater in seiner eigenen Vollmacht festgesetzt hat. Jesus sagt nicht, dass die Themen, die die Zukunft betreffen, unwichtig wären, was allein schon dadurch deutlich wird, dass Johannes später die Offenbarung von Jesus erhält und doch will Jesus hier deutlich machen, dass dieses Thema über das Reich Israel jetzt nicht an der Reihe ist. Die Jünger sollten auf Gottes souveränes Handeln in der Zukunft vertrauen, darauf dass Gott diese Dinge in seiner Vollmacht festgesetzt hat und ausführen wird. Sie sollten ihren Fokus auf die Aufgabe des Zeugenseins legen.

In der letzten Andacht sahen wir bereits, dass Jesus den Jüngern die Verheißung des Heiligen Geistes gegeben hatte, die er auch hier noch einmal wiederholt. Da Jesus um die Schwachheiten und Unzulänglichkeiten seiner Jünger weiß, ermutigt er sie, indem er sagt, dass sie durch den Heiligen Geist Kraft empfangen werden, um Jesu Zeugen zu sein. Dabei ist der Ausdruck meine Zeugen, den Jesus hier gebraucht äußerst wichtig. Jesus ist nicht nur der Auftraggeber, sondern er selbst ist auch der Inhalt des Zeugnisses. Diese Tatsache macht den Auftrag an die Jünger so unglaublich wichtig. Die Jünger sollten wahrheitsgemäß von dem berichten, was Jesus getan und was er sie gelehrt hatte. Von diesem Zeugnis würden die Menschen, die nicht zur Zeit Jesu gelebt hatten, abhängig sein.

Es wird deutlich, dass dieser Auftrag hauptsächlich dadurch ausgeführt wird, dass die Apostel selbst anfingen von dem zu reden, was Jesus ihnen gesagt und was sie nun durch das Verständnis der Schriften erkannt hatten. Nicht ein verändertes Leben, und mag es noch so vorbildhaft sein, wird einem Ungläubigen mitteilen können, dass er ein Sünder ist, vor einem heiligen Gott nicht bestehen kann und deshalb zu Jesus kommen und um Vergebung der Sünden bitten muss, um nicht auf ewig verdammt zu werden. Dieser Gedanke ist auch heute noch für uns Christen, die wir gewissermaßen Zeugen 2.Grades sind, von entscheidender Bedeutung. Ja, unser Leben muss unser Zeugnis unterstreichen und darf nicht widersprüchlich zu dem sein, was wir sagen aber kann unser Leben niemals unser Zeugnis selbst sein und dieses somit ersetzen!

Unser Zeugnis muss also Christus im Mittelpunkt haben und sich treu an das halten, was die Apostel als Augenzeugen von Jesus Christus, uns mitgeteilt haben. Wenn wir daran festhalten, werden auch wir Teilhaber an der wohl größten Aufgabe sein, die jemals einer Gruppe von Personen aufgetragen wurde: das Evangelium von Jesus Christus bis an das Ende dieser Erde zu verkündigen – und zwar so lange bis er wiederkommt!