Andachten

Der Glaube einer Hure

Aber bevor sie sich schlafen legten, stieg sie zu ihnen auf das Dach hinauf und sagte zu den Männern: Ich habe erkannt, dass der HERR euch das Land gegeben hat und dass der Schrecken vor euch auf uns gefallen ist, so dass alle Bewohner des Landes vor euch mutlos geworden sind. So schwört mir nun beim HERRN, weil ich Gnade an euch erwiesen habe, dass auch ihr an meines Vaters Haus Gnade erweisen werdet! Und gebt mir ein zuverlässiges Zeichen, dass ihr meinen Vater und meine Mutter und meine Brüder und meine Schwestern samt allem, was zu ihnen gehört, am Leben lassen und unsere Seelen vom Tod retten werdet!
Josua 2,9.12-13

Die Begebenheit rund um Rahab und die Zerstörung Jerichos bewegt mich jedesmal wieder, wenn ich sie lese. Es ist erstaunlich, wie hell die Wahrheit bereits im Alten Testament scheint, dass nur der echte Glaube rettet. In den Augen der Israeliten war die Hure Rahab eigentlich das unterste Glied der Gesellschaft, dazu eine Heidin. Nach dem Gesetz musste ein Hurer oder eine Hure getötet werden. Sexuellen Umgang mit ihnen zu haben, bedeutete, dieses Schicksal zu teilen.

Doch nun, zu Beginn der Inbesitznahme des verheißenen Landes, erwählt Gott sich diese Frau, um sie zu retten. Gleich zu Beginn unseres Textes bekennt Rahab, dass sie erkannt hat, dass Gott, der Herr, entschieden hatte, alle Völker in Kanaan zu vernichten und das Land dem Volk Israel zu geben. Sie bekennt, dass Gott allein Gott im Himmel und auf der Erde ist und niemand seinem Willen widerstehen kann im Bezug darauf, was er mit seinem Volk vorhatte.

Angesichts dieser Ohnmacht weiß Rahab, dass sie nur eine Möglichkeit hat, sich selbst und ihre Familie vor dem Tod zu retten: Gottes Gnade zu suchen. So wendet sie sich an die Mitglieder des Volkes Gottes, die Kundschafter, die Jericho ausspähen sollten, bewahrte diese vor dem Tod und fleht sie an, sie im Gegenzug zusammen mit ihrer Familie am Leben zu lassen. Sie weiß, dass sie völlig von der Gnade Gottes abhängig ist. Rahabs Glaube unterscheidet sich vom Glauben der anderen Menschen aus Jericho. Rahab fürchtet Gott und wendet sich darum an seine Güte. Die anderen Menschen fürchten Gott und hassen ihn darum und versuchen, sich selbst dem Willen Gottes zu entziehen oder diesen zu vereiteln.

Gott hatte sich Rahab erwählt um sie und ihre Familie vor dem Tod zu bewahren. Nach der Zerstörung Jerichos blieb Rahab nicht was sie bisher war. Sie wurde ins Volk Gottes aufgenommen, durfte heiraten und Kinder bekommen, ja sie durfte sogar eine Vorfahrin Jesu werden. Ist das nicht wunderbar? Der echte Glaube, der von Gott selbst kommt, macht den Unterschied. Danken wir ihm heute dafür, das er uns diesen kostbaren Glauben geschenkt hat! (2. Petrus 1,1)