Andachten

Die ersten eigenen Schritte…

„Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, welcher Ölberg heißt, der nahe bei Jerusalem ist, einen Sabbatweg entfernt. Und als sie hineingekommen waren, stiegen sie hinauf in den Obersaal, wo sie sich aufzuhalten pflegten […] Diese alle verharrten einmütig im Gebet […] Und in diesen Tagen stand Petrus in der Mitte der Brüder auf und sprach […]: Ihr Brüder, es musste die Schrift erfüllt werden, die der Heilige Geist durch den Mund Davids vorhergesagt hat über Judas, der denen, die Jesus festnahmen, Wegweiser geworden ist. […] Denn es steht im Buch der Psalmen geschrieben: »Seine Wohnung werde öde, und es sei niemand der darin wohne«!, und: »Sein Aufseheramt empfange ein anderer!«“ (Apostelgeschichte 1,12-16.20)

Nun war es geschehen. Jesus war vor den Augen der Jünger in den Himmel aufgefahren. Zurück blieben einige wenige Gläubige mit dem Befehl, in Jerusalem auf die Erfüllung der Verheißung des Heiligen Geistes zu warten. Von nun an waren sie auf sich allein gestellt und mussten selbstständig die Angelegenheiten, die die Gemeinde betrafen, regeln. Und obwohl Jesus jetzt nicht mehr als Person auf dieser Erde war, fingen die Jünger – allen voran Petrus – jetzt nicht damit an, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, sondern sie versammelten sich, um gemeinsam ihren Herrn im Gebet anzurufen. Sie waren davon überzeugt, dass Jesus ihre Gebete beantworten würde, so wie er es getan hatte, als sie mit ihren Fragen und Anliegen zu ihm, während seines irdischen Lebens, kamen.

Das ist das erste, was wir von dieser Schar von Gläubigen lernen können – unsere Abhängigkeit von Gott anzuerkennen und deshalb gemeinsam zu beten. Denn die erste Herausforderung ließ nicht lange auf sich warten: Weil Judas Selbstmord begangen hatte, musste ein neuer zwölfter Apostel eingesetzt werden. Für dieses große Anliegen, traf sich die Gemeinde, um einmütig – mit der selben Gesinnung und das gleiche Ziel verfolgend – dafür zu beten. Das diese Handlung ganz am Anfang des Berichts steht, noch bevor Petrus das Wort ergreift oder sonst irgendjemand aktiv wird, zeigt, welchen hohen Stellenwert das Gebet für die ersten Gläubigen hatte.

In diesen Tagen des anhaltenden Gebetes, ergreift dann Petrus das Wort, um die Angelegenheit offen und schonungslos vor der ganzen Gemeinde darzulegen. Dabei ist es auffällig, dass Petrus keine Schönrederei veranstaltet oder irgendetwas an dem Umstand verharmlosen oder vertuschen will, dass einer der früheren Jünger ein Verräter und Selbstmörder war. Hätten wir in dieser Situation auch so gehandelt oder hätten wir, um das Ansehen der Jünger nicht zu gefährden, lieber im kleinen elitären Kreis darüber beratschlagt? Nicht so die erste Gemeinde. Sie handelte anders, als es viele Gemeinden getan hätten, indem Petrus das Geschehene im Licht der Schrift vor allen Gläubigen beleuchtet! Petrus sieht hinter all dem was Judas getan hatte, den in Erfüllung gegangene Plan Gottes, den er bereits einige Jahrhunderte zuvor bekannt gemacht hatte. Das ist das Zweite, was wir und auch unsere Gemeinden neben dem Gebet unbedingt brauchen: eine sorgfältige Schriftauslegung, um in brenzligen Situationen nicht auf Lebenserfahrung oder die eigene Weisheit, sondern auf Gottes Wort zu bauen.

Obwohl die zurückgelassenen Gläubigen nun auf eigenen Beinen stehen mussten und schon nach wenigen Tagen mit so einer heiklen Angelegenheit konfrontiert wurden, handelten sie nicht von Emotionen getrieben, auch nicht mit übermäßigem Eifer, um Jesus zu beweisen, dass sie es auch ohne seine leibliche Anwesenheit packen würden, sondern sie richteten sich an denjenigen, von dem sie drei Jahre lang gelernt hatten und von dem sie sich auch in dieser Situation geführt wussten.