Allgemein, Andachten

Ein starker schwacher Mann | 3/7

„Und es geschah nach einiger Zeit, in den Tagen der Weizenernte, da suchte Simson seine Frau mit einem Ziegenböckchen auf, und er sagte: Ich will zu meiner Frau in die Kammer hineingehen. Aber ihr Vater gestattete ihm nicht hineinzugehen.“ (Richter 15,1)

Simson ist ein starker Mann. Er wurde von Gott angekündigt als der Retter, der Israel retten würde (13,5). Bis zu diesem Zeitpunkt der Geschichte sahen wir, dass Simson bereits angefangen hat, die Philister zu bekämpfen. Das tat er aber nicht, weil er sie loswerden wollte, sondern aus purer Rache und Eigennutz (siehe Kapitel 14 und die letzte Andacht dazu). Nun befinden wir uns ein paar Tage oder Wochen später. Nachdem Simson am Ende des letzten Kapitels nichts anderes tat, als sich wie ein kleines Kind in seinem Zimmer zu verkriechen und loszuheulen vor Wut (s. 14,19b) und dementsprechend seine Pflicht als Ehemann nicht wahrnahm, wurde seine Verlobte einem anderen Mann gegeben (14,20).

Simson weiß von alledem noch nichts. Er bringt ein kleines Ziegenböckchen vorbei (der damalige Blumenstrauß-Ersatz) und erwartet, seine Frau endlich zu ehelichen. Doch dazu kommt es nicht, denn ihr Vater erklärt ihm die Situation und verweist auf seine zweite Tochter, die er Simson anbietet. Simson, wie er nun einmal ist, wird direkt sauer und zornig, da ihm etwas (vermeintlich ihm gehörendes) weggenommen wurde. Er diskutiert nicht lang und fängt 300 Füchse bzw. Schakale und zündet Fackeln an, mit denen er die Felder der Philister anzündet.

Bleiben wir einmal kurz hierbei stehen. Simson war ein starker Mann. Er war scheinbar nicht einmal dumm (sonst hätte er es wohl nicht zustande gebracht, so viele Hektar Ernte auf einmal zu zerstören). Er war äußerlich gesehen der perfekte Retter Israels. Und doch hat er bis zu diesem Zeitpunkt nur aus egoistischen Gründen gehandelt. Und Gott ist doch derjenige, der durch ihn die Philister langsam beginnt zu schwächen. Er bringt sie soweit, dass sie sich sogar gegenseitig anfangen zu bekriegen (s. 15,6). Simson ist ein starker Mann äußerlich und ein sehr schwacher Mann innerlich. Aber zu unserem großen Glück ist Gottes Rettung nicht von seiner innerlichen oder äußerlichen Stärke abhängig. Gott bleibt in diesem ganzen Geschehen der Handelnde, der beginnt sein Volk zu retten.

Dieser Punkt wird bei jeder Geschichte aus Simsons Leben deutlich. Gott kommt an sein Ziel, egal welches Ziel wir Menschen verfolgen. Simson verfolgte lediglich seine eigenen egozentrierten Motive, aber genau die gebrauchte Gott, um sein eigenes Ziel (die Rettung seines Volkes) zu verwirklichen. Das darf uns Mut geben, weil Gott auch nicht von unserer Stärke oder unserem Versagen abhängig ist. Er steht souverän über uns und in ihm dürfen wir ruhig und sicher sein!