Andachten

Gott kann auch Italienisch

„Und als der Tag des Pfingstfestes erfüllt war, waren sie alle an einem Ort beisammen. Und plötzlich geschah aus dem Himmel ein Brausen, als führe ein gewaltiger Wind daher, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden Einzelnen von ihnen. Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. […] Sie entsetzten sich aber alle und waren in Verlegenheit und sagten einer zum anderen: Was mag dies wohl sein? Andere aber sagten spottend: Sie sind voll süßen Weines.“ (Apostelgeschichte 2,1-4.12-13)

10 Tage waren bereits seid der Himmelfahrt Jesu vergangen und noch immer war nichts geschehen. Die Verheißung Jesu, dass er einen Beistand senden würde, wartete noch auf ihre Erfüllung. Doch pünktlich zum Pfingstfest, an dem die 100.000 starke Einwohnerstadt Jerusalem Schätzungen zufolge auf ihr zehnfaches anwuchs, greift Gott sichtbar und hörbar in das Leben der Gläubigen ein. Sowohl das Brausen wie von einem gewaltigen Wind, als auch die Feuerzungen, die sich auf die Personen legten, waren nur Hinweise auf eine geistliche Realität, die sich soeben ereignet hatte: Der Heilige Geist selbst hatte die Gläubigen erfüllt!

Wie laut dieses Brausen gewesen sein muss, zeigt uns der Vers 6, der davon berichtet, dass viele gottesfürchtige Juden, die aus aller Welt nach Jerusalem gereist sind, nun zusammenkommen, um nach der Quelle des Geräusches zu sehen. Und was sehen sie, als sie dann bei den, vom Heiligen Geist erfüllten, Galiläern ankommen? Ungebildete Männer und Frauen reden plötzlich in fremden Sprachen, die sie nicht verstanden geschweige denn selbst beherrscht hatten, und verkünden die großen Taten Gottes. Kein unsauberes Brabbeln oder Lallen, sondern grammatikalisch einwandfreie Fremdsprachen, die die Zusammengekommenen als ihre eigenen Sprachen identifizieren konnten (vgl. V.11). Und das, was sie da hörten, in Verbindung mit der Tatsache, dass dies in anderen Sprachen als dem Hebräisch geschah, versetzte die Hörer in Bestürzung und in Verlegenheit. Sie konnten das, was sie da sahen und hörten weder erklären, noch mit ihren Traditionen in Einklang bringen.

Was war so außergewöhnlich an diesem Umstand, abgesehen davon, dass hier offensichtlich ein Wunder geschehen war? Seid dem Ereignis des Turmbau zu Babel, an dem Gott die Sprachen schuf, bis zu diesem Augenblick, offenbarte sich Gott seinem Volk in dessen eigener Sprache. Wollte ein Heide sich Gott nahen, musste er sich Hebräisch aneignen, um das Alte Testament verstehen zu können. Doch das hat nun ein Ende, denn Gott lässt seine großen Taten jetzt auch in den Sprachen der Heiden verkünden. Vielleicht mussten die gottesfürchtigen Juden an Stellen wie Jesaja 28,11 denken, in denen Gott seinem Volk als Gerichtsandrohung verheißen hatte, durch eine fremde Sprache zu ihnen zu reden. Vielleicht dachten sie an den kostbaren Eckstein, einen Grundstein, den Gott in Zion legen wollte (Jesaja 28,16) und daran, dass Jesus sich selbst als diesen Eckstein bezeichnet hatte.

Doch leider gab es auch schon damals Menschen, die nicht an ein göttliches Wunder glauben und anerkennen wollten, dass sich Gott hier auf diese Art und Weise den Menschen offenbarte. Auch sie suchten eine Erklärung und lösten das Problem damit, dass sie das Ganze ins Lächerliche zogen und zu spotten anfingen. Hier, wie auch an vielen anderen Stellen in der Bibel, können wir die beiden unterschiedlichen Reaktionen beobachten, die die Menschen dem Wort Gottes entgegenbringen. Auch uns kann so eine Reaktion begegnen, doch sollten wir uns durch den Spott nicht entmutigen lassen, sondern weiterhin treu die großen Taten Gottes verkündigen, da Gott auch durch unser Zeugnis wirken kann, wie er es in den folgenden Versen durch die Predigt des Petrus tat.