Andachten

Bist du rein vom Blut deiner Mitmenschen?

[…] wie ich nichts zurückgehalten habe von dem, was nützlich ist, dass ich es auch nicht verkündigt und euch gelehrt hätte, öffentlich und in den Häusern, indem ich sowohl Juden als auch Griechen die Buße zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus bezeugte. […] Deshalb bezeuge ich euch an dem heutigen Tag, dass ich rein bin vom Blut aller; denn ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen.
Apostelgeschichte 20,20-21.26-27

Paulus hatte eine wirklich besondere Einstellung zu seinen Mitmenschen. Egal ob diese nun zu seinem Volk gehörten (Juden) oder nicht (Griechen, d.h. alle heidnischen Völker), Paulus sah sich gegenüber den Menschen als Schuldner. Er war um das Seelenheil seiner Mitmenschen sehr besorgt.

Gleich zu Beginn sollten wir aber beachten: Paulus wusste, dass es nicht in seiner Macht und Verantwortung stand, dass seine Mitmenschen zum Glauben kommen. Er wusste, dass nicht seine Worte und Taten rettende Kraft hatten. Nur Gott allein kann Menschen erretten und ihnen ein neues Herz schenken. Paulus wusste, wie er „frei vom Blut“ der Mitmenschen werden konnte. Er musste nur Folgendes tun:

Er durfte nichts zurückhalten, was nützlich für die Gläubigen und Ungläubigen war. Dies beinhaltete, sie über die notwendige Buße hin zu Gott und den Glauben an Jesus Christus aufzuklären. Doch damit nicht genug, Paulus verkündigte den ganzen Ratschluss Gottes. Er ließ keine unbeliebten Themen weg, er knickte nicht ein vor gesetzlichen oder falschen Lehrern, oder solchen, die über andere durch Sonderlehren herrschen wollten. Er ließ auch keine Themen weg, die unbequem waren.

Erst als Paulus den ganzen Ratschluss Gottes verkündigt hatte, wähnte er sich frei vom Blut seiner Mitmenschen. Mehr schuldete er ihnen nicht. Mehr konnte er nicht tun, denn alles andere stand bei Gott. Paulus verheimlichte nichts bei dieser Aufgabe. Er predigte öffentlich dasselbe wie in den Häusern. Er versteckte die unbeliebten Themen nicht.

Wir sollten uns die Einstellung des Paulus sehr zu Herzen nehmen. Wie schnell sind wir in unserer Zeit der politischen Korrektheit und der Dünnhäutigkeit in unseren Gemeinden gegenüber der Wahrheit geneigt, wesentliche Lehrthemen zu kürzen oder beseite zu schieben um keine Probleme mit dem Staat zu bekommen. Genauso wird häufig in unseren Gemeinden nicht mehr darum gerungen, den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen, weil dies zwangsläufig zu Diskussionen um die Wahrheit führt. Wir haben verlernt auf eine gute Art und Weise um ein gemeinsames Verständnis der biblischen Wahrheit zu ringen. Statt um Inhalte geht es von vorn herein darum, auf der richtigen Seite zu stehen (interessanterweise wie in der weltlichen politischen Diskussion auch). Viele nehmen diese Haltung schon ein, bevor überhaupt klar ist, worin die Einzelnen Positionen bestehen.

Erlaube mir heute die Frage: Machst du dich schuldig an deinen Mitgeschwistern und Mitmenschen, weil du ihnen Teile des Ratschlusses Gottes vorenthältst, weil dies bequemer für dich erscheint? Möge Gott uns helfen, unsere Einstellung zu ändern und mehr wie Paulus zu werden, der erst zufrieden war, wenn er sagen konnte: Ich bin rein von eurem Blut, ich habe euch den ganzen Ratschluss Gottes verkündet!