Allgemein, Andachten

Ein starker schwacher Mann | 4/7

„Und die Philister zogen herauf und lagerten in Juda und breiteten sich in Lehi aus. Da sagten die Männer von Juda: Warum seid ihr gegen uns heraufgezogen? Sie sagten: Um Simson zu binden, sind wir heraufgezogen, um ihm zu tun, wie er uns getan hat. 
Da zogen dreitausend Mann von Juda zur Felsspalte von Etam hinab und sagten zu Simson: Weißt du nicht, dass die Philister über uns herrschen? Was hast du uns da angetan?“
(Richter 15,9-11a)

Passender Text zum Mehr-lesen: Richter 15,1-13

In der letzten Andacht zu Simson sahen wir, dass er die Ernte der Feinde Israles, der Philister, zerstörte. Er wurde, obwohl er nur auf sein eigenes Wohl sah, von Gott dazu gebraucht. Israels Feinde, die bereits seit über 40 Jahren das Volk unterdrückten, waren durch die Zerstörung ihrer Ernte natürlich nicht sehr erfreut. Aus Rache steckten sie das Haus und die Familie von Simsons eigentlicher Ehefrau in Brand. Doch damit nicht genug, in unserem heutigen Text wollen sie Rache an Simson persönlich nehmen. Sie belagern eine Stadt der Israeliten, damit diese Simson an die Philister ausliefern. Hier geschieht etwas sehr Interessantes und wir können einen Tiefpunkt im gesamten Richterbuch ausmachen: Der geistliche Zustand des Gottes-Volkes ist vollständig am Boden angekommen.

Die oben beschriebenen Verse geben einen Einblick in das damalige Verhalten der Israeliten. Wir müssen uns das folgendermaßen vorstellen: Das Volk, dass nur ein paar Generationen zuvor aus Ägypten befreit wurde, das von Josua eingeschärft bekommen hatte, Gott zu dienen und sich abzusondern vom Rest der Kanaaniter, dieses Volk war jetzt bereit, seinen eigenen Retter (Simson) an ihre götzendienerischen Unterdrücker und Feinde auszuliefern. Das taten sie, weil sie in dieses fremde Volk integriert waren. Es ging ihnen gut mit diesem fremden Volk. Sie hatten sich an den Zustand von Götzendienst, Vermischung und Unterdrückung so sehr gewöhnt, dass sie nicht einmal merkten, dass Gott Rettung schenkte durch Simson. Im Gegensatz zu allen anderen Richter-Geschichten schreien sie noch nicht einmal um Hilfe bei Gott (s. Kap. 13). Das Volk ist geistlich gesehen tot und will seine einzige Hoffnung, Simson, sogar den Philistern ausliefern. Was eine traurige Geschichte.

Heute sind wir als Gemeinde und Kirche oft sehr ähnlich wie das Volk Israel. Wir merken in vielen Punkten nicht einmal mehr, dass wir unterdrückt werden und uns mit Götzen umgeben. Wir schauen die gleichen Filme, verfolgen ähnliche Ideologien, haben die gleichen Ängste oder verbringen unsere Zeit mit den gleichen Inhalten wie alle Menschen um uns herum. Wir laufen Sicherheiten nach, um dieses irdische Leben möglichst gut und gesund abzuschließen. Wir sind integriert in fremde Vorstellungen über das Leben und über Gott.

Ich möchte uns ermutigen, dass wir uns am Volk Israel ein Beispiel (natürlich ein negatives) nehmen. Wir sollten uns immer wieder neu hinterfragen, warum wir auf dieser Erde leben. Dienen wir Gott oder dienen wir uns nur selbst? Wollen wir Befreiung von falschen Ideologien oder reicht uns ein halbwegs sicheres Leben auf der Erde aus? Wir dürfen uns, denke ich, wieder neu hinterfragen lassen und uns auf unser Ziel ausrichten, das unsere Handlungen bestimmen sollte: Unser Gott, Jesus Christus und seine Herrlichkeit im Himmel.