Allgemein, Andachten

Ein starker schwacher Mann | 6/7

„Und es geschah danach, da gewann er eine Frau im Tal Sorek lieb, ihr Name war Delia.“ (Richter 16,4)

Nachdem Simson 1000 Philister getötet hat und sich selbst mit einem Lied gefeiert hat (s. letzte Andacht), ging er in die Hauptstadt seiner Feinde, Gaza (16,1). Dort zeigt er erneut seine Stärke, indem er das Tor der Stadt auf seine Schultern legt und 60 Kilometer weit trägt (16,3). Simsons Eigensinn, sein Demonstrieren der eigenen Stärke und seine Ruhmsucht traten bis zu diesem Punkt seiner Geschichte deutlich hervor. Doch was wir in der vorletzten Geschichte seines Lebens sehen, seiner Liebesbeziehung zu einer Frau mit Namen Delila, übertrumpft alle bisherigen Geschichten Simsons.

Simson verliebt sich erneut. Sein Frauengeschmack hatte bei den letzten Malen schon zu Wünschen übrig gelassen, aber hier wird uns seine Frau sogar mit Namen vorgestellt: Delila. Es ist nicht eindeutig, ob sie eine Philisterin oder eine Israelitin ist, aber ihre Absichten sind eindeutig. Sie will das Geld haben, das ihr von den Feinden Israels angeboten wird. Und so versucht sie, Simson zu Fall zu bringen. „Sag mir das Geheimnis deiner Kraft.“, ist ihre beständige Aussage. Jetzt könnte man sich fragen, was in Simsons Kopf vorgeht, dass er nicht direkt die Flucht ergreift und sich davon stiehlt. Anstatt das Weite zu suchen nähert er sich der Gefahr immer weiter an. Er spielt das Spiel der Sünde, indem er Delila immer wieder falsche Tatsachen berichtet. Aber warum macht er das?

Ich glaube, wir finden die Antwort in der Person Simsons. Wir haben ihn bis dahin als einen sich selbst feiernden, egozentrischen und impulsiven Menschen kennengelernt. Diese Eigenschaften legt er auch bei Delila nicht ab. Er will mit jedem Mal einfach mehr angeben und zeigen, wie stark er eigentlich ist. Sein Erwachen und das Lösen der Fesseln klingen wie das Siegeslied aus Kapitel 15: „Schaut her, wie stark ich bin. Ihr könnt mich niemals besiegen.“ Das ist nicht nur völlig fehlgeleitet in dem Sinn, dass Simson Gott nicht die Ehre gibt, sondern sich selbst. Es ist auch vollkommen naiv und steuert auf seine größte Sünde zu: Der Verrat seines Naziräer-Tums.

Simson ist das Spiel nach einigen Malen Leid. Er erklärt Delila die Wahrheit. Er sollte wissen, dass sie ihm nun die Haare abschneiden wird und genau das tut sie. Simsons Fehler lag darin, zu denken, er habe seine Kraft aus sich selbst heraus empfangen. Er denkt, er könne stark sein ohne Gott. Er verlässt sich auf sich selbst und muss auf einmal tief in den Spiegel der Sünde schauen: Ohne Gott ist er gar nichts!

Simson wird gefangen genommen und von seiner „großen Liebe“ verraten. Er wird abgeführt, seine Augen werden ihm ausgestochen. Der Mann, der einst das Stadttor von Gaza trug wird nun blind nach Gaza geführt. Der Mann, vor dem alle Philister Angst hatten, kann nun von jedem Kind zu Fall gebracht werden. Der große Simson, der von Selbstsucht und Eigenliebe verblendet war ist nun geblendet von seinen eigenen Feinden. Der Simson, der die Felder der Philister angezündet hatte muss nun das Getreide für seine Feinde mahlen. Simson hatte sich selbst vertraut und seine Abhängigkeit von Gott verdrängt. Diese Sünde führt zu dem schlimmsten Zustand, den der letzte Richter erleben musste: Im Kerker seiner Feinde, blind und geistlich völlig zerbrochen sieht es aus, als wäre Gottes Plan gescheitert.

Wir werden nächste Andacht sehen, wie die Geschichte mit dem geistlichen Höhepunkt und dem Höhepunkt der Geschichte Simsons endet. Aber bevor das passiert sehen wir einen am Boden angekommenen, ehemaligen selbsternannten Helden, der uns mit nichts mehr dient, als mit seinem schlechten Vorbild. Lasst uns dessen bewusst werden und uns über Simsons Ende beim nächsten Mal umso mehr freuen an Gottes Gnade, Souveränität und Größe.