Andachten

… auch mit dem Verstand!

Er aber sprach zu ihm: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.“ (Mt 22,37)

Eine interessante Beobachtung ist, dass dieses Zitat, das aus dem Alten Testament stammt, hier ein wenig abgewandelt ist. Jesus (oder Matthäus, der das hier aufgeschrieben hat) hat hier etwas hinzugefügt. In 5. Mose 6,5 heißt es lediglich, dass man den HERRN mit seinem ganzen Herzen, mit seiner ganzen Seele und mit seiner ganzen Kraft lieben soll. Wieso lesen wir in Matthäus denn davon, dass auch der Verstand in diesen Akt der Gottesliebe mit involviert sein soll?

Die Antwort ist eigentlich gar nicht kompliziert. Es ist einfach so, dass im Hebräischen Denken das ‚Herz‘ mehr ausdrückt als im Griechischen. Im Denken der Juden bedeutete Herz so viel wie das Zentrum des gesamten Seins von einem Menschen. Mein Zentrum von allem, von dem alles ausgeht, das ist mein Herz im hebräischen Sinn. Das kommt dem ‚Verstand‘ oder auch dem ‚Denken‘ recht nahe. So lesen wir jetzt im Matthäusevangelium, das auf griechisch verfasst wurde, beides: Herz und Verstand.

Wir sollen also nicht verpassen, was im Hebräischen sowieso klar war: Gott soll auch mit dem Verstand oder mit dem Denken geliebt werden. Wie sieht das aus? In 5. Mose bekommt man eine ganz gute Antwort darauf, wenn man weiterliest: Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen, und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst“ (5. Mose 6,6-7).

Es geht hier darum, dass den Kindern etwas beigebracht wird. Wenn auch sie die Worte Gottes auf dem Herzen tragen sollen und Gott mit ihrem Herzen (also auch Verstand) lieben sollen, dann reicht es nicht, ihnen einmal pro Tag „Ja, Gott hat alle Kinder lieb“ zu singen. Es gehört dazu, dass man den Kindern die Worte Gottes einschärft, sie unterweist und zwar in eigentlich allen möglichen Situationen (wenn man auf dem Weg geht, wenn man im Haus sitzt, wenn man kocht etc.). Da gehören die Gesetzte Gottes dazu, aber auch der ganze Erlösungsplan Gottes; damals waren es die ganzen 5 Bücher Mose, heute ist es sogar noch etwas mehr geworden.

Unsere Kinder (und auch wir!) müssen die Bibel kennen und viel über sie lernen. Das bedeutet es Gott mit seinem Herzen und Verstand zu lieben. Ihn kennen, sein Wesen begreifen, seine Pläne zu verstehen, zu erfahren, was Er alles getan hat. Was wir denken und mit unserem Verstand verstehen, ist wichtig! Die Bibel lehrt so vieles, was man mit dem Verstand begreifen muss: Gott ist dreieinig! Jesus ist Mensch und Gott! Jesus ist das Wort Gottes (was heißt das?)! Gott ist heilig! Gott ist ein Bundesgott, der sein Volk liebt! Er ist aber auch zornig! Er ist gerecht! Etc. Alle diese Lehren treffen uns zunächst mal in unserem Denken. Über all diese Lehren gab es unzählige Debatten; es wurde viel geschrieben und große Denkarbeit geleistet.

Und die erste Antwort auf diese Lehren, wenn wir über sie nachdenken, sollte nicht sein: Wie kann mir das für eine fröhlichere Ehe helfen? Die erste Antwort sollte auch nicht sein: Wie kann ich jetzt ein besserer Elternteil/Bruder/Schwester etc. sein, auch wenn das ja alles unglaublich wichtig ist. Die erste Antwort sollte sein: Anbetung! Fußfällige Verehrung Gottes! Ihn bewundern; einfach weil er Gott ist! Liebe Gott… auch mit deinem Verstand.