Andachten

Trauerst du über geduldete Sünde im Volk Gottes?

Und als ich diese Sache hörte, zerriss ich mein Gewand und mein Oberkleid und raufte mir die Haare meines Hauptes und meines Bartes aus und saß betäubt da. Und zu mir versammelten sich alle, die vor den Worte des Gottes Israels zitterten wegen der Treuelosigkeiten der Weggeführten; und ich saß wie betäubt da bis zum Abend-Speisopfer. […] und ich beugte mich auf meine Knie nieder und breitete meine Hände aus zu dem HERRN, meinem Gott und ich sprach: Mein Gott, ich schäme mich und scheue mich, mein Angesicht zu dir, meinem Gott, zu erheben! Denn unsere Ungerechtigkeiten sind uns über das Haupt gewachsen, und unsere Schuld ist groß geworden bis an den Himmel. Esra 9,3-6

Es ist eine traurige Szene, die sich uns im Kapitel 9 des Buches Esra bietet. Und auch eine sehr seltsame Szene. Esra kommt nach Jerusalem und erfährt von großer, regelmäßiger und geduldeter Sünde im Volk. Es ist als habe es bisher niemanden interessiert, dass große Teile des Volkes sich offen gegen Gottes Wort versündigt hatten und offen in Sünde lebten. Ja, die Obersten des Volkes waren sogar als Negativbeispiele vorangegangen und hatten sich als erste offen gegen Gott versündigt. Das Volk, die Priester und Leviten waren ihrem Beispiel gefolgt. Konkret ging es um die Vermischung mit den Heidenvölkern durch Heirat – eine Sache die Gott streng verboten hatte, damit Israel nicht zum Götzendienst verführt würde.

Immerhin gibt es einige Leute, die Esra über diesen Missstand unterrichten. Dennoch erscheint es zunächst so, als wäre Esra der einzige, dem die schwerwiegende Sünde seines Volkes großen Schmerz bereitet. Er zerreißt seine Kleider und rauft sich sogar Haupt- und Barthaar aus! (Versuch das einmal!). Danach sitzt er wie betäubt da, vermutlich für mehrere Stunden, zumindest bis zum Abend. Nach und nach kommen diejenigen hinzu, die ebenfalls zitterten vor den Worten Gottes. Auch sie trugen Leid wegen der Sünde des Volkes.

Erst am Abend kann Esra sprechen und beginnt ein stellvertretendes Bußgebet für sein Volk zu sprechen. Er beginnt damit, dass er sich schämt für die Sünde seines Volkes und nicht einmal weiß, wie er angesichts dieser Sünde seinen Blick zu Gott, seinem Herrn, erheben soll. Er weiß, dass die Sünde des Volkes Gottes längst bis an den Himmel reicht. Ja, die Sünde hatte bis zu diesem Zeitpunkt niemanden interessiert und die, die darum wussten hatten geschwiegen.

Wie kann es im Volk Gottes so weit kommen? Immer wieder wird Sünde unter den Gläubigen geduldet, ja manchmal sogar für normal erklärt. „Alle machen das“, scheint für einige von uns eine ausreichende Legitimation zu sein. Doch dies darf auf keinen Fall so sein. Geduldete Sünde, womöglich sogar offen zur Schau gestellte Sünde, darf es in der Gemeinde Gottes nicht geben. Warum reagieren wir nicht so wie Esra auf Sünde in unseren Reihen? Ist es uns egal, ob die Gemeinde Christi heilig lebt? Ist es uns egal, ob das Zeugnis der Gemeinde in den Dreck gezogen wird, weil die Mit-Glieder sich offen der Sünde hingeben. Ich hoffe, dass das bei dir nicht der Fall ist. Ich hoffe du bist ein Esra, der leidet, wenn Gottes Volk grob sündigt und es noch nicht einmal bemerkt. Ich hoffe du betest stellvertretend für Gottes Volk, damit es erwacht und eine echte Erweckung geschieht, die eine Bewegung hin zu mehr Heiligkeit hervorruft.