Andachten

Wie man Affen fängt

„Deshalb lasst uns nun (…) jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen…“ (Heb 12,1)

Um einen Affen zu fangen, braucht man im Grund zwei einfache Zutaten: Man nehme ein kleines Loch in einem Baum und lege einige Samen in das Loch unter Beobachtung eines Affen hinein. Sobald man das Loch verlässt, wird der Affe in absehbarer Zeit kommen und seine Neugier befriedigen, seine Hand in das Loch stecken und die Samen greifen. Da seine als Fast geballte Hand nun zu dick ist, um aus dem Loch zu kommen, kann er nicht weglaufen. Um sich in Sicherheit zu bringen, müsste er die Samen loslassen, was er aber nicht will. Erst wenn er dann von einem Menschen gefangen wird, lässt er die Samen los: Jetzt ist es aber offensichtlich bereits zu spät und der Affe ist gefangen.

Wir Menschen sind oft nicht anders als solch ein Affe (auch wenn ich damit keine evolutionsmäßige Verwandtschaft meine). Jeder Mensch klammert sich an Dingen fest, die ihn seiner Freiheit berauben. Wir halten uns fest an dem Glück von Beziehungen zu anderen Menschen, an unserem Wohlstand, unserem Job oder unserem Status in der Gesellschaft. Der Traum, ein guter Bürger mit Haus, Kindern und Garten zu werden, wird als „Same“ bereits in Kindestagen in unser Gehirn gebrannt. Und sobald wir diesen Traum in Reichweite sehen, setzen wir alles daran, ihn zu verwirklichen. Haben wir ihn dann erreicht, wollen wir ihn für kein Glück der Welt wieder loslassen.

Nicht nur der Traum von diesem gesellschaftlich durchschnittlichen und bequemen Leben (das ich in feinster Weise pauschal verurteilen will), auch viele andere Dinge in unserem Alltag können sich als „Samen“, die wir nicht loslassen wollen herausstellen. Das kann unsere Zeiteinteilung sein, die wir lieber mit YouTube priorisieren als mit nützlichen Dingen. Das kann mein Hobby sein, dass mir wichtiger ist als vieles andere. Es können an sich neutrale Dinge sein, die mich doch letztlich von der Freiheit abhalten, die ich haben könnte.

Das Bild des Affen kann uns hierbei helfen. Wie der Hebräerbriefschreiber es ausdrückt: „Deshalb lasst uns nun (…) jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen…“ (Heb 12,1). Gott fordert uns dazu auf, die Sünde abzulegen, sie loszulassen. Aber nicht nur die Sünde, sondern auch jegliche andere Sache („Bürde“), die uns davon abhält, Gott nachzufolgen. Wir sollen den „vor uns liegenden Wettlauf“ laufen, also wie ein Affe auf den schönsten Baum klettern und uns an ihm erfreuen. Wir sollten die Freiheit, in die Christus uns berufen hat, nicht dafür nutzen, uns an unnötigen Samen festzukrallen und am Ende das wahre Leben zu verpassen, das ewige Leben das von Gott kommt.

Ich wünsche mir das für mein Leben, dass Gott mir die Samen aus der Hand reißt und mir zeigt, wie sinnlos das Festhalten an nutzlosen Dingen ist. Ich bete, dass er das mehr und mehr in meinem und deinem Leben tun wird.

PS: Es gibt ein gutes Video zu dem Vers von John Piper (auf Englisch), bei dem sich die Zeit auf YouTube m.E. lohnt 🙂 – https://www.youtube.com/watch?v=oKQwxni_3as&t=193s