Andachten

Johannes oder Jesus?

„Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen!“ (Matthäus 3,2; 4,17)

Bevor und am Anfang der öffentlichen Wirkungszeit Jesu trat ein merkwürdiger Mann auf: Er aß wilden Honig, hatte unbequeme Kleidung und einen ungewöhnlichen Aufenthaltsort. Johannes war sein Name. Er predigte eine Botschaft, die nicht besonders anziehend wirkt: „Tut Buße! Macht euch bereit, die Königsherrschaft Gottes hat angefangen. Gesteht eure Sünden ein und bekennt sie vor Gott und Menschen.“ Und obwohl er einen strategisch ungünstigen Predigtort hatte (die Wüste) und die religiöse Elite des Volkes beleidigte, kamen große Menschenmassen, um ihrer Buße Ausdruck in der Taufe zu bringen. Weil das so viele Menschen taten, wurde Johannes dann „der Täufer“ genannt.

Die Botschaft von Johannes war eindeutig: Bekennt eure Schuld, denn das Reich Gottes ist nah. Damit meinte er in erster Linie das Kommen Jesu (s. Joh 1). Der versprochene Messias ist endlich in Israel angekommen, mehr als 400 Jahre hatten die Israeliten darauf gewartet. Aber die Botschaft von Johannes ist nicht bloß die Ankündigung Jesu, sondern sie reicht weiter. Wir sehen ein Kapitel nach seiner Predigt nämlich den angekündigten Jesus selbst predigen: Er sagt exakt die gleichen Worte wie Johannes: „Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen!“ Offensichtlich sagt Jesus hiermit nicht einfach, dass er jetzt da ist, sondern er macht etwas deutlich: Die gute Nachricht, das Evangelium, besteht aus diesem Satz. Es besteht aus dem Aufruf, Buße zu tun und sich als das anzuerkennen, was man vor Gott ist: ein auf Vergebung angewiesener Sünder. Wir sollen uns von der Sünde abkehren („Buße“) und zu Gott hinwenden („Glaube“).

Johannes und Jesus sind sich einig: Um die Herrschaft Gottes anzuerkennen, muss in einem ersten Schritt eine Sinnesänderung stattfinden. Wir müssen anerkennen, dass Gott Herr ist und wir Geschöpfe. Wir müssen sehen, dass er jedes Recht hätte, uns augenblicklich zu zerstören. Wir dürfen Buße tun und uns dann unter die Herrschaft Gottes stellen. Mit der Erwartung des Reiches Gottes tun wir genau das: Wir erwarten und freuen uns darauf, von Gott beherrscht zu werden. Wir bringen dieser Herrschaft Ausdruck, indem wir sein Wort höher achten als unsere Gedanken. Indem wir die Gemeinde, Jesu Braut, als von ihm erkaufte Kirche ansehen und sie so gut wir können unterstützen. Indem wir seinem Reden Raum in uns geben.

Auch wir haben heute den gleichen Aufruf an die Menschen um uns herum. Egal ob Christen oder nicht, die Menschen brauchen diese Nachricht: „Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“ Und genau deshalb rufe ich dir, der du diese Andacht liest, genau das jetzt zu: „Tu Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen!“ Erkenne Gott als den König allen Lebens an und gib dich ihm hin. Ich wünsche dir und mir selbst auch, dass er das immer wieder tut – uns aufzufordern Buße zu tun und uns seiner Herrschaft bewusst zu machen – damit wir uns an ihm, unserem König, erfreuen können und ihn in der richtigen Weise erwarten und ehren.

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