Andachten

Die Großmütter Jesu (1/5)

„Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“ (Matthäus 1,1)

Im ersten Kapitel des Neuen Testaments steht ganz am Anfang der Stammbaum von Jesus. Matthäus zeigt, aus welcher Linie Jesus kommt. Er stellt damit von Anfang an klar, dass dieser Mann der von den Juden erwartete Messias ist. Er ist der Retter, auf den das Volk Israel seit Jahrhunderten wartete.

In diesem Geschlechtsregister ist eine Sache komisch: Es werden vier Frauen genannt (neben Maria, der Mutter Jesu). Das war vollkommen unüblich, denn normalerweise wurden Geschlechtsregister nur von Mann zu Mann aufgezeichnet. Dass hier vier Frauen genannt werden sollte den Leser also stutzig machen. Und dann sind diese vier Frauen auch nicht die Frauen, die man erwarten würde. Wer eine große Persönlichkeit ankündigen möchte, verweist normalerweise auf die großen Namen der Vergangenheit in der Verwandtschaft. So würde man beim „Retter Israels“ sicher Namen wie „Sara, die Frau Abrahams“, „Rebekka, die Frau Isaaks“ oder „Rahel, die Frau Jakobs“ erwarten. Stattdessen lesen wir die vier folgenden Namen: Tamar, Rahab, Ruth und „die Frau des Uria“. Was soll das?

Alle diese Frauen waren keine „Vorzeige-Israelitinnen“. Um genau zu sein waren sie sogar wahrscheinlich alle überhaupt keine Israelitinnen. Tamar und Rahab waren Kanaaniterinnen, Ruth eine Moabiterin und „die Frau des Uria“, also Batseba, war wahrscheinlich wie ihr erster Mann Hetiterin. Aber nicht nur ihre Herkunft, auch ihre Berufe und Geschichten in der Linie zum Messias sind seltsam. Kein Held würde sich wünschen, die Geschichten dieser Frauen in seiner Herkunftslinie zu haben. Wäre die Bibel ein Buch, dass eine sündlose und perfekte Ahnenlinie Jesu präsentieren wollte, müssten diese vier Geschichten mit Sicherheit herrausgerissen werden. Tamar gebar ihren Nachkommen, indem sie sich als Prostituierte verkleidete und so mit ihrem eigenen Schwiegervater Sex hatte. Rahab war eine Hure, die ihr Geld damit machte, ihren eigenen Körper zu verkaufen. Ruth war eine Witwe, die auf unübliche Weise als Frau einen Heiratsantrag machte. Batseba war eine Frau, mit der David Ehebruch betrieb, deren Mann er ermorden ließ und durch die der große König David zu einem erbärmlichen Sünder wurde. Hatte Matthäus einen Hang zu den besonderen Geschichten dieser Frauen? Oder warum nahm er ausgerechnet sie in diese Auflistung mit auf?

Wäre die Bibel ein Buch, dass eine sündlose und perfekte Ahnenlinie Jesu präsentieren wollte, müssten diese vier Geschichten mit Sicherheit herrausgerissen werden.

In den nächsten Tagen und Wochen wollen wir uns jede dieser vier Geschichten anschauen und sehen, wie Gott auf wunderbare Weise souverän in jeder dieser Storys gewirkt hat. Er zeigt uns damit durch Matthäus vor allem eine klare Botschaft: Der Messias kam für Sünder. Er kam für alle Menschen, denn wir alle sind Sünder. Niemand kann eine Ausrede finden und denken, er sei zu gut oder zu schlecht für Gott. Denn er selbst hatte Ausländerinnen, Huren und Ehebrecher als Vorfahren gewählt, um sich selbst in seiner einzigartigen Perfektion für sie hinzugeben. Das sollte uns dankbar und fröhlich machen, denn dieser Gott, er kam für Sünder. Er kam für dich und mich. Und das zeigt er uns bereits, bevor er überhaupt geboren wurde.

Wenn wir heute in einer Woche Weihnachten feiern, können wir Gott danken, dass er seinen Sohn für Sünder geschickt hat. Für elende und sonst verlorene Geschöpfe schuf Gott Rettung und Heiligung. Wie schön und wunderbar ist diese Tatsache!

Ein Gedanke zu „Die Großmütter Jesu (1/5)“

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