Andachten

Gott – Der Verursacher des Unglücks?

Bläst man etwa das Horn in einer Stadt, und das Volk entsetzt sich nicht? Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, und der HERR hat es nicht getan? (Amos 3,6)

Der heutige Andachtsvers hat viel Potential für lange Diskussionen. Nun, nicht unbedingt der erste Teil des Verses. Die These, dass das Volk sich entsetzt, wenn man das Horn in der Stadt bläst ist wohl kaum umstritten, zumindest, wenn es um die damaligen Städte geht. Doch der zweite Teil ist umso spannender und polarisierender. Man könnte sich fast schon die Frage stellen „Ist hier tatsächlich vom Gott der Christen die Rede? „Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, und der HERR hat es nicht getan?“ Das ist eine rhetorische Frage. In einer Aussage würde sich das ungefähr so anhören: „Der HERR hat das Unglück in der Stadt getan.“ Wie kann denn ein Gott der Liebe Unglück verursachen? So unlogisch sich das für uns anhören mag, so logisch wird es sich für Amos angehört haben müssen. In den vorigen Versen schreibt Amos von Dingen, die völlig logisch sind. Er beschreibt immer eine Ursache und deren Wirkung.

Können etwa zwei miteinander wandern, sie hätten sich denn getroffen? Brüllt etwa ein Löwe im Walde, wenn er keinen Raub hat? Schreit etwa ein junger Löwe aus seiner Höhle, er habe denn etwas gefangen? Fällt etwa ein Vogel zur Erde, wenn kein Fangnetz da ist? Oder springt eine Falle auf von der Erde, sie habe denn etwas gefangen? (Amos 3,3-5)

So logisch wie der Aufruhr in der Stadt nach einem lauten Ton aus dem Horn, so logisch ist es, dass Gott gewissermaßen der Verursacher des Unglücks in deinem Leben ist. Und ich weiß, dass sich das fürs erste ziemlich komisch und auch nicht wirklich ermutigend anhört. Wie kann Gott denn bitte Unglück in meinem Leben wollen?? Nun, ich möchte dir eine simple Frage hierzustellen: Was ist ermutigender? Dass Gott, der alles in der Hand hat, der dein Vater ist und dich liebt, das Unglück in deinem Leben verursacht und es zu einem guten Ende führt. Oder, dass der Teufel, der nur Schlechtes für dich will, der Erstverursacher deines Leidens ist? Wenn Gott das Leid in deinem Leben in gewissem Sinne nicht wollte, dann läuft etwas außerhalb seines Plans. Und das wäre fatal, da er dann nicht mehr souverän und allmächtig wäre. Stattdessen können wir darauf vertrauen, dass Gott uns in dem Leid führt und auch gewisse Grenzen setzt, sodass wir dadurch nicht völlig erdrückt werden. Der Herr kennt den Anfang deines Leids, er geht mit dir durch das Leid und kennt das Ende deines Leides. Nichts geschieht außerhalb seines Planes.

Zum Abschluss möchte ich fragen, ob du dich an Situationen erinnern kannst, in denen, im Bilde gesprochen, das Horn geblasen hat und du völlig entsetzt hast und gefragt hast, wie so etwas geschehen kann. Siehst du, rückblickend auf diese Situation, warum es so geschehen musste? Siehst du, wie Gott es gut geführt hat? Vielleicht erkennt man es nicht immer im Nachhinein, doch wenn man es erkennt, ist es umso schöner.