Andachten

Die Großmütter Jesu (2/5)

„Juda aber zeugte Perez und Serach von der Tamar (…)“ (Matthäus 1,3a)

Betrug mögen wir nicht. Niemand mag es, an der Nase herumgeführt zu werden oder hinters Licht geführt zu werden. Das widerspricht uns. Wir wollen gerne wissen, wie die Dinge vor sich gehen und was gerade passiert. In der Bibel gibt es eine Geschichte, in der jemand sogar letztlich froh sein konnte, an der Nase herumgeführt zu werden. Diese „Jemand“ war Juda, ein Sohn von Jakob, der Enkel Abrahams.

Als Juda lebte, war er der vierte Sohn von den 12 Söhnen Jakobs. Dieser Jakob trug das Versprechen, die Verheißung Gottes, dass durch ihn alle Völker gesegnet werden sollten. Es sollte ein Retter aus seiner Familie kommen, der letztlich Frieden in diese zerrüttete Welt bringen würde. Er hatte den Vorzug bei diesem Versprechen vor seinem Zwillingsbruder Esau erhalten (obwohl dieser eigentlich der ältere war, der damit auch die Verheißung bekommen hätte, aber Gott wollte es anders machen). Im 1. Buch Mose fragt sich der aufmerksame Leser jetzt, durch wen Gott wohl diese „Linie der Verheißung“ weiterführen würde. Vorher war es immer eine Entscheidung zwischen zwei Leuten gewesen (Isaak statt Ismael, Jakob statt Esau), jetzt waren aber 12 (!) Söhne in der Auswahl. Die ersten drei wurden bereits erwähnt (schau mal in die Kapitel 34 und 35) und sie sündigten alle vorsätzlich und taten keine Buße. Jakob schließt sie daher von der Segenslinie aus (Kapitel 49).

Jetzt fragt man sich, wen Jakob (bzw. Gott) auswählen wird, damit er die Verheißung bekommt. Die Geschichte von Joseph beginnt und es scheint, als sei er der „Sohn der Verheißung“. Aber mitten in der Josephsgeschichte wird plötzlich der vierte Sohn Jakobs, Juda, erwähnt. In einer sehr krassen Geschichte wird folgendes von ihm erzählt:

Juda zog zu fremden Menschen aus seiner Familie weg. Dort heiratete er eine fremde Frau und bekam drei Söhne: Er (ja, so hieß er), Onan und Schela. Der Erstgeborene, Er, bekam eine Frau von Juda zugeteilt, die hieß Tamar. Nach einiger Zeit starb Er, sodass Tamar dem zweiten Sohn Judas gegeben wurde, aber auch Onan starb. Tamar war mit beiden kinderlos geblieben. Da Juda Angst hatte, dass nun auch sein letzter Sohn sterben könnte, wenn er ihn Tamar geben würde, hielt er ihr diesen vor und schickte sie zurück zu dem Haus ihres Vaters. Das war zur damaligen Zeit schlimm für eine Frau, da sie keinen anderen Mann nehmen konnte und so auch keinerlei Absicherung für ihr späteres Leben hatte. Juda nahm ihr also ihre Existenz.

Nach ein paar Jahren bemerkte Tamar, dass Juda ihr seinen dritten Sohn nicht geben würde und beschloss, Juda zurechtzuweisen. Sie verkleidet sich als eine Prostituierte und verführt Juda (der nicht weiß, dass er gerade mit seiner Schwiegertochter Sex hat). Er wird von Tamar betrogen. Sie wird schwanger und Juda will sie umbringen lassen, weil sie Sex hatte, obwohl sie Witwe war (was er übrigens auch getan hatte). Doch Tamar war nicht dumm, sie hatte sich ein Pfand von Juda geben lassen (sozusagen seinen Personalausweis) und konnte damit beweisen, dass Juda sie geschwängert hatte.

Nach dieser ganzen verwirrenden Geschichte erkennt Juda: „Sie ist gerechter als ich.“ (1Mo 38,26) Er sieht damit ein, dass er gesündigt hat. Er wird damit zum Träger der Verheißung und Jakob spricht ihm das hinterher zu. Was für eine komisch Geschichte. Was zeigt sie uns?

Matthäus hat diese Frau, Tamar, als Vorfahrin Jesu gezählt, um eine Sache deutlich zu machen: Jesus Christus kam für Sünder. Er kam für Menschen, die dreckig behandelt und ungerecht ausgenutzt wurden (wie Tamar es von Juda wurde). Er kam für Ausländerinnen (wie Tamar) und für solche, die eigentlich nichts vorweisen können als das Wissen um ihre eigenen Ungerechtigkeit (wie Juda). Und solche Menschen sind die Vorfahren des Retters, der nie sündigte, der niemanden falsch behandelte oder sogar nur über sie falsch dachte. Dieser Retter kam durch und für Menschen wie seine eigene Großmutter Tamar. Preist ihn dafür!