Andachten

Die Großmütter Jesu (3/5)

„Salmon aber zeugte Boas von der Rahab (…)“ (Matthäus 1,5a)

„Irgendetwas ist hier doch faul, wo könnten die beiden denn stecken?“ Die beiden Soldaten der königlichen Armee schauen sich verwundert um. Nach nunmehr 3 Tagen der erfolglosen Suche sehen sie es schließlich ein: Die beiden Spione sind offensichtlich entkommen. „Lass uns nach Hause gehen, es hat keinen Sinn mehr, weiterzusuchen.“

So oder so ähnlich wäre vielleicht die Beschreibung der Situation abgelaufen, die vor mehr als 3000 Jahren stattgefunden hat. In einer großen Stadt mit dem Namen Jericho befanden sich viele geängstigte Menschen. Nicht weit von ihnen entfernt lagerte ein großes Volk, das bereits mehrere Siege in der jungen Vergangenheit errungen hatte. Und dieses Volk war nun kurz davor, auch Jericho einzunehmen. Als dann noch diese beiden fremden Männer plötzlich in der Stadt auftauchten, war es nicht mehr zu übersehen: Das müssen Spione sein, die die Stadt und ihre Bewohner auskundschaften wollen! Der König der Stadt schickt sofort seine Soldaten los, damit diese sich auf die Suche nach den Spionen begeben. Sie wissen, wo diese zwei Männer als letztes gesehen wurden: Bei der Hure, die ganz am Rand der Stadt wohnt. Sie klopfen an ihrer Tür und fragen nach den Spionen.

Diese Hure hieß Rahab. Sie war eine stadtbekannte Frau, die mit vielen Männern der Stadt Sex gehabt hatte. Wahrscheinlich hatten viele falsche Entscheidungen in ihrem Leben sie dorthin gebracht, wo sie jetzt war: Am Rande der Stadt, am Rand der Gesellschaft. Vom Leben im freundlichen Miteinander ausgeschlossen und von der Sünde übermannt. Aber jetzt stand sie auf einmal vor der Wahl, eine wichtige Entscheidung positiv zu treffen. Die beiden ausländischen Spione waren zu ihr gekommen. Sollte sie sie verraten und damit endlich Ansehen in ihrer Stadt ernten? So leicht wie jetzt würde sie ihre Person nie wieder von ihren dreckigen Umständen befreien können. „Nein, sie sind nicht mehr hier, sie sind davon gelaufen. Aber jagt ihnen schnell nach, vielleicht erwischt ihr sie noch!“, ist ihre ungefähre Antwort auf das dringliche Nachfragen der beiden Soldaten. Hatte sie das gerade ernsthaft gesagt? Ja, denn das erste Mal in ihrem Leben entschied sie sich für das Richtige: Für das Volk Gottes.

Rahab ist die zweite Frau im Stammbaum Jesu. Wir lesen von ihrem Glauben an den großen Gott, dem sie mehr vertraute als ihren starken Stadtmauern. Sie versteckte die Spione Israels und ließ sie aus ihrem Haus an der Stadtmauer hinunter in die Freiheit. Mit ihrem Glauben wird sie im Neuen Testament positiv erwähnt und sie wird uns zum Vorbild.

Das erste Mal in ihrem Leben entschied Rahab sich für das Richtige: Für das Volk Gottes.

Eine Hure im Stammbaum Jesu: Das zeigt uns, dass Jesus für Sünder kam, nicht für Gerechte. Und er kam, um diesen Sündern ein neues Leben zu geben. In einer Weise bekam das auch Rahab: Sie heiratete nach der Zerstörung der Stadt ins Volk Gottes ein und wurde so die Mutter von Boas, dem Mann von Rut, die wir in der nächsten Andacht sehen werden.

Die Geschichte Rahabs kannst du mal in Josua 2 nachlesen. Sie darf uns ermutigen. Egal wie groß deine Sünde ist – Gottes Gnade ist größer. Er benutzt selbst die vermeintlich Geringsten, um seinen Rettungsplan auszuführen. Er gebraucht selbst eine Hure, um sie zu einer Urgroßmutter Jesu zu machen. Wie schön, dass Gott damit auch uns zeigt: Ich liebe euch und gebrauche euch, weil meine Gnade größer ist als all eure Vergehen!