Andachten

Das verpasste Happy End

„Sie führten sie aber herbei und stellten sie vor den Hohen Rat; und der Hohe Priester befragte sie und sprach: Wir haben euch streng geboten, in diesem Namen nicht zu lehren, und siehe, ihr habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt und wollt das Blut dieses Menschen auf uns bringen. Petrus und die Apostel aber antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen. Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ermordet habt, indem ihr ihn ans Holz hängtet. […] Sie aber ergrimmten, als sie es hörten, und ratschlagten, sie umzubringen.“ (Apostelgeschichte 5,27-30.33)

Wir befinden uns noch immer in der spannungsgeladenen Situation, dass die Apostel, trotz des Verbots des Hohen Rates, im Tempel öffentlich gelehrt hatten, daraufhin verhaftet wurden aber Gott seine Macht darin offenbarte, dass er sie aus dem Gefängnis durch einen Engel herausführte. Nachdem das Verschwinden der Apostel bemerkt und die Nachricht vernommen wurde, dass sich die Gesuchten im Tempel befinden würden, machten sich erneut der Hauptmann des Tempels und die Diener auf, die Apostel vor den Hohen Rat zu bringen.

Interessanterweise spielt das offenkundige Wunder, dass vor ihren Augen geschehen war, überhaupt keine Rolle für die Obersten des Volkes. Sie interessieren sich nur für den Verstoß gegen die, von ihnen aufgestellte, Verordnung, dass die Apostel nicht mehr im Namen Jesus predigen sollten. Wahrscheinlich hätten sie beim Nachdenken über die Tatsache, dass Menschen aus einem fest verschlossenen Gefängnis ohne Hilfe von außen oder eines unterirdischen Tunnels herausgehen konnten, zwangsläufig auf ein Eingreifen Gottes schließen müssen. Also entschieden sie sich, lieber nicht darüber zu reden, um ihre Erklärungsnot nicht öffentlich eingestehen zu müssen.
Als nächstes spricht der Hohe Priester die Auswirkung des Ungehorsams an, dass nämlich Jerusalem mit der Lehre der Apostel erfüllt wurde und macht der jungen Gemeinde somit unbeabsichtigt eines der schönsten Komplimente. Wäre es nicht schön, wenn man das auch über unsere Gemeinde am Ort sagen könnte, dass sie z.B. Metzingen mit der Lehre Jesu erfüllt hat? Dieser Vorwurf des Hohe Priesters beweist auch, wie aktiv die Gemeinde in Jerusalem war, dass sie in so kurzer Zeit eine ganze Großstadt mit über 100.000 Einwohner mit dem Evangelium erreicht hatte.
Und drittens wirft der Hohe Priester den Aposteln vor, dass sie das Blut Jesu (ungerechtfertigterweise) auf sie bringen wollen würden.

Die Apostel, in Person des Petrus, lassen diese Vorwürfe aber nicht unkommentiert stehen, sondern geben umgehend Antwort. Dabei ist besonders ihre sachliche Art und Weise hervorzuheben und ihre demütige Haltung den Obersten des Volkes gegenüber, denn obwohl sie im Recht waren und für die Wahrheit eintraten, hat ihre Antwort keinen frechen Unterton. Das hält Petrus aber nicht davon ab, die Wahrheit beim Namen zu nennen und so wiederholt er die grundlegende Wahrheit, die man fast als Schlachtruf der ersten Kirche bezeichnen könnte, dass man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen. Nicht einmal die Pharisäer oder Sadduzäer trauten sich etwas gegen diese Wahrheit vorzubringen. Und auch die Tatsache, dass der Hohe Rat hauptverantwortlich für den Mord an Jesus Christus war, wird erneut zur Sprache gebracht. Doch Petrus bleibt nicht bei dieser Anschuldigung stehen, sondern erklärt, dass Gott diesen Jesus auferweckt und zum Retter erhöht hat und dass Israel dadurch Buße und Vergebung der Sünden gegeben wurde.

Das wäre in einem Film der perfekte Moment für die Obersten des Volkes gewesen, um die eigene Schuld einzugestehen, von ihrem hohen moralischen Ross herunterzusteigen und sich unter Christus zu demütigen. Und irgendwie wünscht man sich dieses Happy End als Abschluss diese Abschnitts, doch leider beschreibt uns Lukas genau das Gegenteil. Statt Buße zu tun und umzukehren, beschließen sie die Apostel umzubringen und vielleicht hätten sie schon hier Petrus und seine Begleiter umgebracht, wenn nicht Gamaliel aufgestanden wäre und die anderen durch seinen Rat zur Besonnenheit angehalten hätte. Und so schön dieses Ergebnis auch für die Apostel war, so traurig ist es doch mit anzusehen, dass selbst dieser hoch angesehene Lehrer der Juden nicht Partei für die Wahrheit ergriff und seine Mitjuden zur Umkehr ermutigte.

Danken wir Gott heute im besonderen für die Gnade, dass wir unsere Schuld erkennen konnten und er in uns die Umkehr bewirkt hat!