Andachten

Die Großmütter Jesu (4/5)

„(…) Boas zeugte Obed mit der Rut. (…)“ (Matthäus 1,5)

Nachdem wir uns bereits zwei Frauen aus dem Stammbaum Jesu angeschaut haben (Tamar und Rahab) sehen wir heute die dritte Frau: Rut. Sie war eine Ausländerin, die aus einem Land kam, mit dem das Volk Israel eigentlich keinen Kontakt haben sollte. Ein Mann mit dem Namen Elimelech dachte sich aber, es wäre klug, in einer Hungersnot in dieses Land, Moab, zu ziehen. Doch er bleibt nicht nur dort, um ein wenig mehr Nahrung zu haben – er gibt seinen beiden Söhnen sogar ausländische Frauen. Das hatte Gott eigentlich klar untersagt.

Kurze Zeit später stirbt dieser Elimelech. Aber nicht nur das, auch seine beiden Söhne sterben. Wer bleibt übrig? Drei Witwen: Die Frau Elimelechs mit Namen Naomi und ihre beiden Schwiegertöchter. Eine von ihnen ist Rut. Sie folgt ihrer Schwiegermutter wieder zurück nach Israel und macht eine starke Aussage: „Dein Gott ist mein Gott und dein Volk ist mein Volk.“ Damit bekennt sie sich (wie Rahab vor ihr) zum Volk Israel und dem Gott Israels. Und es bleibt nicht bei diesem Bekenntnis: Sie heiratet Boas, einen treuen und gottesfürchtigen Israeliten, der damit zum Urgroßvater des großen König David wird. Diese Geschichte lässt sich nachlesen im Buch Rut.

Warum schreibt Matthäus hier von Rut? Warum belässt er es nicht einfach bei dem Satz: „Boas zeugt Obed“? Er muss Rut ja nicht mit in das Geschlechtsregister aufnehmen, macht es aber trotzdem. Wahrscheinlich ist sein Grund folgender: Er will zeigen, für wen Jesus kam. Jesus als der Nachkomme der Rut kam für solche, die eigentlich keinen Zutritt zu ihm haben. Rut war als Moabiterin ohne jede Chance, den wahren Gott kennen zu lernen. Aber dieser erbarmt sich sogar in ihrem Leben, sodass sie in die Gemeinschaft mit ihm und seinem Volk kommt. Gott kam in Jesus Christus auf die Welt, um das Versprechen zu erfüllen, dass er bereits Abraham gab: Um die Welt mit sich zu versöhnen. Nicht bloß das Volk Israel, sondern alle Völker!

Die Geschichte Ruts sollte uns daran erinnern und uns fröhlich stimmen, dass Jesus Christus für alle Menschen kam. Niemand kann behaupten, der christliche Glaube sei explizit für eine bestimmte Sorte Menschen oder ein bestimmtes Volk: Jesus kam selbst für Rut, eine Ausländerin und Weit-Entfernte. Das bedeutet, dass er selbst für den kam, der so ganz weit weg von ihm zu sein scheint: Für den radikalen Moslem, die fanatische Esoterikerin oder den intellektuellen Agnostiker von Nebenan. Er kam für die aus menschlicher Sicht „hoffnungslosesten Fälle“, die für einen allmächtigen Gott natürlich nicht hoffnungslos sind. Er gibt denen Hoffnung, die sie sonst nirgendwo finden können. Und damit sagt uns der Text ganz persönlich: Dieser Jesus, der sogar für Rut kam, er kam auch für dich. Wer könnte anbetungswürdiger sein als dieser herrliche Gott, der sich unser annimmt? Niemand!

Ein Gebet: „Danke Vater, dass du selbst Rut gerettet hast. Du hast sie zu dir gezogen. Herr Jesus, du kamst auf diese Welt, um auch mich zu retten. Ich darf zu dir kommen und du rettest mich. Danke für deine überwältigende Gnade! Amen.“