Andachten

Petrus oder Judas?

„Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.“ (Lukas 22,62)
Als Judas, der ihn verraten hatte, sah, dass er zum Tode verurteilt war, reute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten zurück und sprach: Ich habe gesündigt, unschuldiges Blut habe ich verraten.“ (Matthäus 27,3f.)

Kennst du sogenannte „Schuld-Wörter“? Das sind meist Namen, Orte oder ein Datum, an dem man bestimmte Dinge falsch getan hat. Diese verbindet man in seinem Kopf mit einer großen Schuld, die man damals auf sich geladen hat. Solche Schuld-Wörter kennt eigentlich jeder und vielleicht fällt dir auch etwas ein, wenn du diese Zeilen ließt. Vielleicht jemand, den du besonders verletzt hast? Oder den du belogen hast? Oder ein Datum, an dem du in besonderer Weise gegen Gott gesündigt hast? Die Liste an Fragen könnte man endlos weiterführen.

Würde man Petrus und Judas nach einem Schuldwort fragen, würden sie wahrscheinlich „Gefangennahme“ oder etwas Ähnliches sagen. Beide Jünger Jesu vergingen sich in dieser Nacht an ihrem Herrn, indem sie ihn verleugneten (Petrus) oder ihn verrieten (Judas). Sowohl Petrus als auch Judas waren enge Begleiter Jesu gewesen während der 3 Jahre seines öffentlichen Dienstes auf der Erde. Sie waren beide bei allen möglichen Wundern und Ereignissen dabei gewesen. Und an diesem einen Abend fielen sie beide so tief, wie nie zuvor. Schauen wir uns an, wie der Abend für beide verlief:

Petrus: Er hatte noch ein paar Stunden vor seiner Verleugnung mit Jesus gegessen. Danach ging er als einer der engsten Vertrauten Jesu mit in den Garten Gethsemane, um zu beten. Er hielt zwar nicht lang durch, aber immerhin hatte er alles gegeben. Seine Gabe bestand nunmal auch nicht im beten, sondern im Kämpfen. „Ich stehe zu dir, auch wenn alle anderen weggehen, Jesus!“ Das waren seine Ansprüche an sich selbst gewesen. Und das tat er auch: Er hieb einem Knecht das Ohr ab und wollte Jesus, seinen Herrn, retten. Aber dann, als Jesus weg war, wurde er plötzlich von einer unbekannten Angst um sein eigenes Leben gepackt. „Du bist doch auch einer von seinen Nachfolgern?“ Dreimal die gleiche Frage, dreimal die gleiche feige Antwort: „Nein, den Mann kenne ich nicht.“ Dann krähte der Hahn und Petrus wurde sich seiner Schuld bewusst: Er war ein Leugner seines Herrn, des Messias der Welt.

Judas: Für ihn war das Abendessen schon früher beendet. Er hatte noch etwas Wichtiges zu erledigen: Geld beschaffen ohne viel Arbeit. Er ging zu den religiösen Führern seiner Zeit und machte sich mit ihnen auf, um auch zum Garten Gethsemane zu gehen. Doch nicht um zu beten, sondern um seinen „Freund “ zu küssen. Voller Geldgier ging er auf seinen Meister zu, mit dem er viele Tage und Nächte verbrachte, der ihn aus Gefahren gerettet hatte und der auch jetzt nicht mit falschen Anschuldigungen reagierte. Er verriet ihn mit einem Kuss und überließ den Rest der Menge, die er angeführt hatte. Jetzt hatte er sich ordentlich etwas dazu verdient! Doch nur ein paar Stunden später sah er ein, dass das nicht richtig war und er Jesus zu Unrecht verraten hatte.

Bis hierhin sehen die Geschichten sehr ähnlich aus. Beide Männer sind enge Vertraute Jesu und begleiten ihn bei seinen letzten Stunden. Beide sind beim letzten Abendessen dabei und im Garten Gethsemane. Aber es gibt einen grundlegenden Unterschied, der erst im Nachgang offenbar wird: Petrus tat aufrichtige Buße, Judas lediglich selbstsüchtige Reue. Nachdem Petrus sündigte, fing er an zu weinen. Nicht nur darüber, dass er selbst versagt hatte, sondern vor allem, dass er seinen Herrn, der ihn so sehr liebte, in keiner Weise beschützen konnte. Er hatte genau das getan, was Jesus angekündigt hatte. Aber er wusste, dass es mit dieser Schuld nur einen Ausweg gibt: Er musste nach Jesu Auferstehung wieder zu Jesus. Nur er konnte ihn wiederherstellen. Und das tat er auch.
Bei Judas war das anders. Er merkte, dass auch er falsch gehandelt hatte. Aber anstatt es zuzugeben und zu Jesus Christus zu kommen versinkt er in Selbstgerechtigkeit. Er bringt das eben erworbene Geld zurück und denkt, damit seine Schuld ein Stück wieder gut zu machen. Doch auch das gibt ihm kein ruhiges Gewissen. Er findet keinen anderen Ausweg als sich das letzte zu nehmen, was er noch hat: Sein Leben.

Echte Sündenerkenntnis und Buße unterscheiden sich von falscher Reue nicht in den ersten Auswirkungen. Bei beiden Dingen weinen wir, fühlen uns schlecht und bereuen das, was wir getan haben. Aber die Frage ist: Wohin gehen wir mit dieser Schuld? Entweder machen wir es wie Judas: Wir fressen die Schuld in uns rein, versuchen sie irgendwie wieder „auszubügeln“ und merken am Ende doch, dass unsere Anstrengungen nicht ausreichen. Bei aller Reue geht es dabei nur um uns und unser Ansehen und die Reinigung der Gewissensbisse. Bei echter Buße laufen wir zum Kreuz und zur Auferstehung. Wir bringen unsere Schuld dem, gegen die sie gerichtet ist: Unserem Gott, Jesus Christus. Das tun wir, weil er der Einzige ist, der uns wirklich vergeben und wiederherstellen kann.

Ich möchte dich fragen: Wo bereust du Dinge aus falschen Motiven und wo hast du bereits echte Buße und danach Vergebung erfahren dürfen? Bete darum, dass du das unterscheiden lernst und überprüfe deine Motive. Gott vergibt so gerne, darum komm zu ihm statt es selbst zu versuchen, gut genug zu werden!