Andachten

Ein „Dummkopf“ für Christus

Nachdem er acht Tage lang gezwungen worden war, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Holz zu hacken, konnte Kazim die Axt nur noch verschwommen wahrnehmen. Vorher war sie aschgrau, jetzt aber rot von seinen blutenden Händen. „Wirst du dich nun endlich von deiner Liebe zu Christus abwenden?“, fragte ihn Mohammed Shafiq, einer der Dorfältesten. „Kommst du jetzt endlich zu Verstand?“ Kazim hatte sich erschöpft vorgebeugt und dachte an seine Frau Yasmeen. Schweiß tropfte von seiner Nasenspitze. Seine Kleider stanken. Die aufgeplatzten Blasen an seinen Händen brannten. Er schüttelte den Kopf und rief: „Nein. Niemals.“ „Du bist ein Dummkopf“, sagte Shafiq und hob seinen Schlagstock so hoch, als würde er zum Holzhacken ausholen. In seinem Gesicht spiegelten sich Frustration und Genugtuung, als er mit einem dumpfen Knall den Stock auf Kazims Rücken krachen ließ. „Ahhh!“, schrie Kazim und verzog vor Schmerzen das Gesicht. Gleichzeitig versuchte er schon die kraft aufzubringen, auch den nächsten Schlag auszuhalten. „Hör auf zu faulenzen“, sagte der Dorfälteste. „Wir brauchen noch mehr Holz.“ Mit diesen Worten trat er nach Kazim, der daraufhin in den Dreck fiel. Ehe sein Martyrium begann, sah ein Tag im Leben von Kazim so aus, dass er tagsüber sein Land bestellte und am Abend anderen von Gott erzählte. Nach seinem Zwölfstundentag radelte er nach Hause, um schnell mit Yasmeen sein Abendessen, Chapati und Reis, einzunehmen. „Du arbeitest zu viel“, hatte sie eines Abends zu ihm gesagt. „Du kannst nicht alles machen.“ ER sah sie daraufhin an, die Frau, deren Lächeln sein Herz noch immer zum schmelzen brachte, und erwiderte: „Je eher ich Gottes Wort verbreite, desto eher bin ich wieder bei dir.“ Dann packte er sie neckend an ihrem Schal und zog sie an sich.

Dieser Anfang der Geschichte von dem pakistanischen Christen Kazim ist überwältigend. „Du bist ein Dummkopf“ wird ihm zugerufen, während er erschöpft seiner Zwangsarbeit nachgeht. Kazim ist ein „Dummkopf“ für Christus. Wenn wir solche Geschichten von Christen in Ländern wie Afghanistan hören, denken wir meist: „Mensch, diese Leute motivieren wirklich zu einer bedingungslosen Christus-Nachfolge!“ Und das stimmt. Doch bevor du dir das nun denkst und übermotiviert in die nächste Woche startest und dann bereits nach einem Tag alle Motivation verloren hast, lade ich dich ein, einfach mal zu staunen. Staune darüber, was Christus im Leben eines Menschen ausmacht. Kazim könnte ein ruhiges Leben mit seiner Frau Yasmeen führen. Doch stattdessen steht er mit blutigen Händen, erschöpft und verachtet, da und hackt Holz für Menschen, die ihn gerne umbringen wollen. Kazim hat einen Schatz gefunden, für den es sich lohnt, all das auf sich zu nehmen: Jesus Christus, der Retter.

Der kursiv gedruckte Text ist ein Auszug aus Hilfsaktion Märtyrerkirche (Hrsg.). ich bin n – verfolgt um Christi willen: Berichte von Christen, die bereit sind, für ihren Glauben bis zum Äußersten zu gehen. Gerth Medien (2017): Asslar. S.56-57