Allgemein, Andachten

Creatio ex nihilo

„Die Stimme des HERRN ist gewaltig,
die Stimme des HERRN ist erhaben.“

(Psalm 29,4)

Wenn meine Eltern mir oder meinen Geschwistern früher gesagt haben, was wir machen sollen, passierte oft Folgendes: Nichts. Manchmal konnten unsere Eltern uns noch so oft ermahnen und mit Worten zurechtweisen – ihre Worte hatten keine Wirkung (oder sogar das Gegenteil, sie lösten Trotz in uns aus).
Würde ich in den Wald gehen und zu einem Baum sagen: „Baum, brich einen deiner Äste ab!“, würde das wohl kaum passieren. Der Baum hört mich nicht und erst recht tut er nicht, was ich ihm sage.

Bei Gott ist das anders und zwar in zweierlei Hinsicht:

  1. Gottes Stimme ist so mächtig, dass alles und jeder genau das tut, was Gott sagt. Wenn Gott also zu Menschen spricht, tun sie immer, was er will. Das hört sich vielleicht komisch an, wenn man sich anschaut, wie oft wir Menschen gegen Gottes Gebote verstoßen. Aber selbst diese Übertretungen von Gottes Geboten sind am Ende von Gott bestimmt gewesen. Er lenkt die Herzen aller Menschen so, wie er es will (Sprüche 21,1). Im Gegensatz zu dem Reden meiner Eltern kommt Gott also immer an sein Ziel. Aber nicht nur das, Gott kann auch zu Dingen reden, die uns nicht einmal hören. Er kann allem Existenten der Welt und des Universums sagen, was es zu tun und zu lassen hat. Er hat ja allem Atem gegeben, daher darf er mit allem tun, was er will.
  2. Nicht nur allem, was bereits da ist, kann Gott Befehle geben. Er kann etwas, das niemand kann (kein Engel, kein Mensch, kein Teufel, niemand!). Gott kann aus dem Nichts erschaffen. Sein Wort ist so mächtig, dass er einfach nur sprechen muss und aus nichts entsteht etwas. Das ist für uns Menschen absolut unverständig, weil wir in unserem Denken nur das „Ursache-Wirkungs-Prinzip“ kennen. Es geht nicht in unseren Kopf, dass jemand aus keiner Materie lebendige Dinge erschaffen kann.

Dieses Phänomen, dass Gott nichts braucht, um etwas zu schaffen und er alles, was wir kennen, aus dem Nichts geschaffen hat, nennt sich „Creatio ex nihilo“ (lat.: Schöpfung aus Nichts). Je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr kommt man über Gott ins Staunen, weil wir das nicht verstehen können. Viele Wissenschaftler wollen genau diese Tatsche nicht anerkennen, wie Rainer in diesem Gastbeitrag deutlich machte. Aber wir dürfen das glauben und Gott dafür anbeten. Ein gutes Gebet, um ihn dafür zu preisen und seine Herrlichkeit zu bestaunen ist Psalm 19, den ich hier noch anhängen möchte:

Psalm 19
1 Ein Psalm Davids, vorzusingen.
2 Die Himmel erzählen die Ehre Gottes,
und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.
3 Ein Tag sagt’s dem andern,
und eine Nacht tut’s kund der andern,
4 ohne Sprache und ohne Worte;
unhörbar ist ihre Stimme.
5 Ihr Schall geht aus in alle Lande
und ihr Reden bis an die Enden der Welt.
Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht; /
6 sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer
und freut sich wie ein Held, zu laufen die Bahn.
7 Sie geht auf an einem Ende des Himmels /
und läuft um bis wieder an sein Ende,
und nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen.
8 Das Gesetz des HERRN ist vollkommen und erquickt die Seele.
Das Zeugnis des HERRN ist gewiss und macht die Unverständigen weise.
9 Die Befehle des HERRN sind richtig und erfreuen das Herz.
Die Gebote des HERRN sind lauter und erleuchten die Augen.
10 Die Furcht des HERRN ist rein und bleibt ewiglich.
Die Rechte des HERRN sind wahrhaftig, allesamt gerecht.
11 Sie sind köstlicher als Gold und viel feines Gold,
sie sind süßer als Honig und Honigseim.
12 Auch lässt dein Knecht sich durch sie warnen;
und wer sie hält, der hat großen Lohn.
13 Wer kann merken, wie oft er fehlet?
Verzeihe mir die verborgenen Sünden!
14 Bewahre auch deinen Knecht vor den Stolzen, dass sie nicht über mich herrschen;
so werde ich ohne Tadel sein und unschuldig bleiben von großer Missetat.
15 Lass dir wohlgefallen die Rede meines Mundes /
und das Gespräch meines Herzens vor dir, HERR, mein Fels und mein Erlöser.