Andachten

Christus und Konflikte

Einsicht macht einen Menschen geduldig, und ehrenvoll ist es für ihn, über Verfehlungen hinwegzugehen. (Sprüche 19,11)

“Sag mal, hörst du nie zu?”

“Jetzt reicht’s mir aber. Du kannst nichts richtig machen, du Versager.”

“Was war das für eine dumme Entscheidung?!”

Hast du ein Familienmitglied, eine Mitarbeiter, einen Kommilitonen oder einen Lehrer, der schon mal derartiges zu dir gesagt hat? Dich verletzt hat? Dir zu persönlich geworden ist oder einfach nur respektlos zu dir war? Vielleicht wurdest du so gereizt, dass du ebenfalls unschön reagiert hast.

Es gibt Zeiten, in denen man Sünde konfrontieren sollte (siehe Mt 18,15-20; Gal 6,1). Doch es gibt auch Momente, in denen es besser ist über das Fehlverhalten Anderer hinwegzusehen.
Vielleicht antwortest du auf einen Satz wie oben auch einmal ungehobelt oder reagierst sogar verärgert und wütend. Dein Gegenüber war frech und unhöflich, also denkst du, du hast das Recht, deinem Ärger Luft zu machen. Aber stell dir ehrlich dich Frage: Wohin würde das führen?

Salommo schreibt, dass Einsicht oder Weisheit einen Menschen geduldig macht und dass dieser auch kühl bleiben kann, wenn ihm Unrecht getan wird. Zu schnell sind wir oft gereizt und nicht langsam zum Zorn – anders als unser himmlischer Vater (2. Mo 34,6). In Christus vergibt Gott uns unsere Sünde und hält sie uns nicht mehr vor. “Nicht nach unseren Sünden handelt er an uns, und er vergilt uns nicht nach unserer Schuld.” (Psalm 103,10). Im Lichte dessen, was Gott uns gerechterweise vorhalten könnte, was er uns jedoch nicht vorhält, was sind da die Angriffe, die Andere gegen uns richten?

“Wer eine Verfehlung zudeckt, trachtet nach Liebe, wer aber eine Sache aufrührt, vertreibt den Freund.” (Sprüche 17,9) Wenn wir also bereit sind, über manche Fehler unserer Mitmenschen hinwegzusehen, auch wenn sie eigentlich treffen und Ärger auslösen, dann handeln wir nach der Liebe und erfüllen somit das größte Gebot und widerspiegeln das Wesen unseres Gottes. Dabei geht es nicht nur darum, dass wir einfach nicht offensichlich wütend reagiern, sondern unser Gegenüber herzlich lieben, obwohl er oder sie uns verletzt hat. Liebe ist geduldig und freundlich, sie lässt sich nicht zum Zorn reizen, sie rechnet das Böse nicht an (1. Kor 13,4.5).

Doch es geht um mehr als nur das Verhältnis zu unseren Nächsten und die Atmosphärer zwischen uns und unserem Gegenüber. Christliche Liebe ist motiviert von der aufopfernden Liebe Christi zu uns. Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat und weil er uns liebt, sollen wir unsere Nächsten lieben und die Bereitschaft haben, über ihre Verfehlungen hinwegzusehen.