Andachten

Jesus – der nahbare König

Als nun Jesus die Mutter und den Jünger, den er liebte, neben ihr stehen sieht, sagt er zur Mutter: Frau, das ist dein Sohn. Dann sagt er zum Jünger: Da ist deine Mutter. Und von jener Stunde an nahm der Jünger sie zu sich. (Johannes 19,26-27)

In Kapiteln 19 und 20 des Johannes-Evangeliums finden wir zwei zentrale Ereignisse des Christentums: Der Kreuzestod und die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Es sind die ganz großen Taten Jesu, die alles veränderten und noch heute ihre Wirkung zeigen. Sie gewährleisten uns Rettung von unserer Sünde und dem Zorn Gottes. Diese Schönheit und gleichzeitige Traurigkeit, die uns am Kreuz Christi begegnet, hat unglaubliche Anziehungskraft, wenn wir das Kapitel lesen. Wäre der Tod Christi eine Straßenlaterne und Kapitel 19 eine lange Straße, so würde mit Sicherheit der Tod Jesu die hellste Laterne der gesamten Straße sein. Und das ist auch gut so, denn wie gesagt: Es ist ein absolut zentrales Ereignis. Doch wir dürfen gleichzeitig nicht vergessen, dass es auf dieser Straße noch andere Laternen gibt, die ebenfalls leuchten und somit ihren Teil dazu beitragen, dass die Menschen nicht in der Dunkelheit tappen müssen.

Eine Laterne, die mich in den letzten Tagen besonders angesprochen hat, ist die oben genannte Stelle. Jesus hängt dort am Kreuz, von Pein und Schmerz gequält, und schaut hinab auf seine Mutter und auf den Jünger Johannes. Er steht unmittelbar vor der schlimmsten Strafe, die je ein Mensch auf der Erde erleiden musste. Seht welche Worte er trotz diesem Zustand für seine Mutter bereit hatte: „Frau, das ist dein Sohn.“ In diesem schrecklichen Zustand sorgt sich Jesus um seine Mutter. Er sorgt dafür, dass sie jemanden hat, bei dem sie leben kann, der für sie sorgen wird, wenn Jesus nicht mehr da ist.

Wir wissen, dass Christus dort am Kreuz nicht als Verlierer, sondern als Sieger hing. Am Kreuz siegte er gegen Satan und sein Reich. Er hängt dort als siegreicher König, der gerade den größten Feind des Menschen besiegte. Er ist ein erhöhter König. Könige sind meist ziemlich unnahbar. Sie fahren große Siege ein, doch sie begegnen dem normalen Volk nicht in ihrem Alltag. Jesus ist anders. Er fährt den größten Sieg der Geschichte ein und dennoch nimmt er sich in dieser Situation dem Problem seiner Mutter an und begegnet ihr in ihrem irdischen Problem. Das kann eine große Ermutigung für uns sein. Jesus ist der König, der seinem Volk den Sieg beschert und gleichzeitig ist der der König, der dem Einzelnen seines Volkes im Alltag begegnet.

Jesu Plan war es nicht, den Sieg über Sünde und Tod zu bringen und sich dann in sein königliches Gemach, fernab von dem normalen Volk, zu begeben. Sein Ziel war es, diesen Sieg zu erreichen und seinem erretteten Volk in seinem Alltag zu begegnen. Er interessiert sich für deine Anliegen, für deine Probleme und Schwierigkeiten. Und er möchte dir in diesen Situationen helfen und beistehen. Diese Tatsache formt mein Gebet. Zum einen besteht mein Gebet dann nämlich aus Dank für den Sieg, den Jesus errungen hat und zum anderen lege ich ihm meinen Alltag vor, in dem Vertrauen, dass es ihm nicht egal ist, sondern, dass er sich um mich kümmern wird.