Andachten

Wie aus großer Verfolgung große Freude wird

„Saulus aber willigte in seine Tötung mit ein. An jenem Tag entstand aber eine große Verfolgung gegen die Gemeinde in Jerusalem; und alle wurden in die Landschaften von Judäa und Samaria zerstreut, ausgenommen die Apostel. Gottesfürchtige Männer aber bestatteten den Stephanus und stellten eine große Klage über in an. Saulus aber verwüstete die Gemeinde, indem er der Reihe nach in die Häuser ging; und er schleppte sowohl Männer als auch Frauen fort und überlieferte sie in Gefängnis. Die Zerstreuten nun gingen umher und verkündigten das Wort. Philippus aber ging hinab in eine Stadt Samarias und predigte ihnen den Christus. […] Und es war große Freude in jener Stadt.“ (Apostelgeschichte 8,1-5.8)

Während der Steinigung des Stephanus, wird uns zum ersten Mal ein Mann vorgestellt, der in den nächsten Kapitel und eigentlich die restliche Apostelgeschichte eine, wenn nicht sogar die Hauptrolle einnehmen wird; sein Name: Saulus. In diesen Versen wird uns noch nicht viel über diesen Mann berichtet, doch können wir bereits aus seinem Handeln einiges über ihn erfahren. Saulus hatte der Tötung des Stephanus zugestimmt und auch wenn er bei dieser Steinigung seine Hände noch nicht dreckig gemacht hatte, so hatte er dennoch seinen Anteil daran, indem er auf die Kleider der Zeugen aufpasste (Kap. 7,58). Stephanus war aber nur der Anfang, denn einige Kapitel später wird Paulus selbst darüber reden, wie er bei den Christen, die er ins Gefängnis warf, seine Stimme zu ihrer Hinrichtung gab (Kap. 26,10). Saulus ist wohl ein sehr treffendes Beispiel für einen Eiferer. Jemand, der ein Ziel vor Augen hat und dann alles daran setzt, dieses Ziel auch zu erreichen.

Saulus gab sich aber nicht mit der Ermordung des Stephanus zufrieden, sondern wollte am liebsten die ganze Gemeinde vernichten. Das Wort, dass hier für verwüsten gebraucht wird, findet auch dann Verwendung, wenn ein Löwe ein anderes Tier zerfleischt oder eine Stadt dem Erdboden gleich gemacht wird. Diese Beschreibung und die Tatsache, dass Paulus in dieser Angelegenheit große Sorgfalt walten ließ, indem er der Reihe nach in die Häuser ging, zeigt, dass Paulus voll und ganz hinter dem stand, wovon er überzeugt war, dass es richtig sei. Und so entstand eine große Verfolgung gegen die Gemeinde in Jerusalem, wobei nicht eindeutig aus dem Text hervorgeht, ob alle gläubigen Juden das gleiche Maß an Bedrängnis erleiden mussten, da z.B. die Apostel nicht ins Gefängnis geworfen wurden, obwohl man dass bei den „Anführern“ der verfolgten Minderheit zuallererst erwarten würde. Da in den folgenden Versen von einem weiteren Diakon aus Kapitel sechs die rede ist, liegt die Vermutung nahe, dass zuerst nur die gläubigen Juden mit griechischem Hintergrund Gegenstand der Verfolgung waren.

Saulus schreckte auch nicht davor zurück, sowohl Männer als auch Frauen ins Gefängnis zu werfen, wo sie ein ähnliches Schicksal, wie das des Stephanus erwartete. Und wie so oft scheint es auch hier, dass der Teufel die Oberhand behält, dass der Gottlose über den Gottesfürchtigen triumphiert und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die Gemeinde Gottes vollständig zerstört sein wird. Vielleicht fragen auch wir uns wo Gott ist, wenn große Verfolgung die Erlösten trifft und große Klage über geschehenes Unrecht an der Gemeinde zu Gott aufsteigt.

Und wie jedes einzige Mal, verfolgt Gott auch in dieser Situationen seinen Plan und benutzt gerade das Morden und Verfolgen der Gemeinde, um das Evangelium auszubreiten. Gott ist es, der bewirkt, dass nicht alle Verfolgten im Gefängnis landen, sondern einige fliehen können, um das Evangelium in die Landschaften von Judäa und Samaria zu tragen und dort zu verkündigen. Es wird also deutlich, was die ganze Kirchengeschichte hindurch immer wieder zu beobachten ist, nämlich dass das Blut der Märtyrer, der Same der Kirche ist.
Philippus gehörte auch zu denen, die verfolgt wurden und fliehen mussten. Dass war allerdings kein Grund für ihn, seinen Glauben von nun an nicht mehr öffentlich zu bezeugen, im Gegenteil: er evangelisierte und tat Wunder unter der Bevölkerung in der Stadt Samarias, sodass große Freude entstand. Das Böse (hier in Person des Saulus) kann noch so viel schnauben und gegen die Gemeinde Gottes toben; Gott wird schlussendlich seinen festgesetzten Plan Wirklichkeit werden lassen!