Andachten

Bileam und seine sprechende Eselin

„Da öffnete der HERR den Mund der Eselin, und sie sagte zu Bileam: Was habe ich dir getan, dass du mich nun schon dreimal geschlagen hast?“ (4. Mose 22,28)

Eine komische Szene, wie sie nur in verrückten Filmen vorkommt: Eine Eselin beginnt plötzlich mit ihrem Besitzer zu reden. Und sie sagt mehr als „I“ und „A“, sie redet mit menschlicher Sprache. Was sich wie ein typisches Grimm-Märchen anhört ist in Realität eine Passage aus der Bibel. Genauer gesagt aus dem Alten Testament, und dort aus dem vierten Buch Mose.

Die Vorgeschichte:
Das Volk Israel wandert seit Jahren durch die Wüste, damit die ältere Generation stirbt. Gott hatte das so angeordnet, weil sie nicht in das verheißene Land ziehen wollten, obwohl er es ihnen gegeben hätte. So müssen sie 40 Jahre wandern und auf dieser Reise befinden sie sich gerade. Gott gibt ihnen selbst in dieser Strafe Siege über verschiedene andere Völker und lässt sie zu einer Nation werden, vor der andere Könige Angst bekommen.

Die Charaktere:
Auch der König von Moab, Balak, hat Angst vor Israel. Um einen Vorteil im Krieg zu haben, der stattfinden könnte, lässt er sich einen bekannten Magier holen: Bileam. Er steht in einer besonderen Beziehung zu den Göttern, so nimmt man zumindest an. Bileam ist ein Mann, der tatsächlich ein wenig magisch rüberkommt, er steht aber offensichtlich in einem außergewöhnlichen Kontakt zu dem Gott Israels, der ihm Anweisungen gibt. Bileam hat eine Eselin, auf der er seit geraumer Zeit reitet und die ihm treue Dienste erwies.

Die Handlung:
Balak lässt Bileam holen, damit dieser das angsteinflößende Volk der Israeliten verfluchen soll. Wenn der Magier das macht, denkt sich Balak, dann haben wir wirklich eine Chance im Kampf gegen sie. Bileam bekommt von Gott den Auftrag, nicht mitzugehen, nach einer weiteren Nachfrage Balaks wird es ihm dann aber erlaubt. Doch damit Bileam auch ganz sicher nur das sagt, was Gott will, stellt sich ihm der Engel Gottes immer wieder in den Weg. Dieses Geschehen kann aber nur die Eselin wahrnehmen und so läuft sie um den Engel herum, quetscht bei einem Mal das Bein Bileams ein und beim letzten Mal bleibt sie einfach stehen. Bileam ist im wahrsten Sinn des Wortes stocksauer und schlägt die Eselin mit seinem Stab. Da gibt Gott ihr plötzlich die Fähigkeit, zu reden und öffnet danach die Augen Bileams für die Realität, die er nicht wahrgenommen hatte: Der Engel Gottes stand mit gezücktem Schwert vor ihm. Bileam wirft sich sofort vor ihm nieder. Er bekommt noch einmal eingeschärft, nur das zu sagen, was Gott will. Nach dieser Geschichte darf er dann weiterziehen.

Die Folgen:
Eine auf den ersten Blick komische Geschichte ist der Anfang einer unglaublichen und wunderschönen Reise in die Gegenwart Gottes. In den nachfolgenden Szenen sieht man Bileam, wie er vier Mal das Volk Israel segnet, den verheißenen Retter ankündigt und Gottes Ehre groß macht. Balak, der genau das Gegenteil wollte, ist außer sich vor Wut. Aber Bileam hatte verstanden: Nur das, was Gott will, darf ich über dieses Volk aussprechen. Und weil es sein Volk ist, darf ich nur Gutes sagen, jeglicher Fluch wäre Blasphemie und ein Aufstand gegen den Höchsten höchstpersönlich.

Und bei uns?
Ich wünschte mir für mich selbst, dass ich mehr das rede, was Gott will. Dass ich meine Mit-Christen segne und gute Dinge über sie sage statt schlecht über sie zu reden. Dass mir Gottes Ehre wichtiger wird als das zu tun, was andere von mir hören wollen. Dass mir Gottes Gedanken zu eigen werden und ich ihn mit meiner Zunge mehr lobe. Ich hoffe, dass Gott Gnade schenkt, wenn er durch einen Esel reden konnte, dann kann er auch mein Reden mehr zu seiner Ehre verändern.