Andachten

Helles Licht oder scharfe Pfeile?

Wer wider seinen Nächsten falsch Zeugnis redet, der ist wie ein Streithammer, Schwert und scharfer Pfeil. (Spr 25,18)

Der Abschnitt von Sprüche Kapitel 25 bis 29,27 bildet das zweite Buch Salomos. Zu den vorrangigen Themen dieses Buches gehören nach A. F. Walls u.a. “Streitigkeiten und persönliche Beziehungen”. Die Casting Crowns sprechen dieses Thema ebenfalls an – in dem Lied “City on a hill”. Dort beschreiben sie, wie zwischenmenschliche Probleme, insbesondere Stolz und Verleumdung, die Gemeinde Gottes, die Stadt auf dem Berg, auseinandertreibt. In dem Lied wird die sehr bewegende und wachrüttelnde Frage gestellt:

“One by one will we run away
With our made up minds to leave it all behind
As the light begins to fade
In the City on the Hill?”

(“Werden wir, einer nach dem anderen, davonlaufen
Entschlossen, alles zurückzulassen
Während das Licht zu schwinden beginnt
In der Stadt auf dem Berg?”)

Unser Auftrag als Gemeinde Gottes gleicht dem eines Leuchtturm oder einer Stadt auf dem Berg: Hilfesuchenden Orientierung zu geben und Zuflucht und Schutz zu bieten. Wir sind erlöste Kinder Gottes, befreit von der Macht der Sünde und damit vor dem Drang, unser Herz an falsche Götzen zu hängen, die uns in die Dunkelheit führen. Doch damit das geschieht, muss unser Licht hell leuchten, es muss erkennbar sein, vor allen an den Beziehungen, die wir untereinander haben. Aber leider gibt es bei uns doch noch so vieles, was den Schein dieses Lichtes trübt. Oft sieht unsere Stadt nicht einladend und hell erleuchtet aus, sondern gleicht eher einer Festung mit Streithämmern, Schwertern und scharfen Pfeilen. Es kann viele Gründe geben, warum das so ist, doch einer ist mit Sicherheit oft Verleumdung und Lästerung untereinadner.

Vielleicht denkst du jetzt: “Ich erzähle doch keine Lügen über Andere, schon gar nicht über die Brüder und Schwestern meiner Gemeinde.” Doch wie leicht sind wir dabei, in das Verhalten unserer Geschwister, Ältesten, Prediger, Diakone, usw. böswillige Intentionen hineinzuinterpretieren. Wie oft sehen wir unsere Geschwister als faul, dumm, arrogant, voreingenommen, unbelehrbar oder streitsüchtig an, ohne sie überhaupt richtig zu kennen oder sie auf ihr uns fragwürdig erscheinendes Verhalten angesprochen zu haben. Und wenn wir ganz ehrlich sind und unser Herz kennen, wissen wir auch, dass viele Worte, die wir über unseren Nächsten verlieren doch letztlich dazu dienen, uns selbst (statt die Gemeinde Gottes) in ein besseres Licht zu stellen. Wir suchen unsere eigene Ehre, nicht Gottes Ehre, wenn wir unseren Nächsten verleumden.

Doch ich möchte nicht moralistisch klingen, weswegen ich noch einmal auf meine Einführung verweisen will und euch die Vision einer hell erleuchteten Stadt, die ein effektiver Zufluchtsort für ihre Umgebung ist, vor Augen malen will. Lasst uns in unser Funktion als Gemeindeglied dieses Bild vor Augen haben, wenn wir am Tisch oder in den Kirchenbänken oder wo auch immer über unsere Nächsten reden. Wir wollen als Kinder des gnädigsten Herrn nicht als Streithammer oder scharfer Pfeil befunden werden, sondern unsern Teil zu dem hellen Licht beitragen, das nicht nur als Zeugnis für die verlorene Welt dient, sondern letztlich ein Abglanz des herrlichen Lichts der Gnade Gottes ist. Er hat uns für sich selbst erlöst und wir wollen ihm deshalb mit allem was wir sind – auch mit unseren Worten – Ehre machen.

Die Sprüche (57/100)