Andachten

Nur Schein oder echt sein?

„Ein Mann aber, mit Namen Simon, befand sich vorher in der Stadt, der trieb Zauberei und brachte das Volk von Samaria außer sich, indem er von sich selbst sagte, dass er etwas Großes sei; dem hingen alle, vom Kleinen bis zum Großen, an und sagten: Dieser ist die Kraft Gottes, die man die große nennt. Sie hingen ihm an, weil er sie lange Zeit mit den Zaubereien außer sich gebracht hatte. Als sie aber dem Philippus glaubten, der das Evangelium vom Reich Gottes und dem Namen Jesu Christi verkündigte, ließen sie sich taufen, sowohl Männer als auch Frauen. Auch Simon selbst glaubte, und als er getauft war, hielt er sich zu Philippus; und als er die Zeichen und großen Wunder sah, die geschahen, geriet er außer sich.“ (Apostelgeschichte 8,9-13)

Die Christenverfolgung, die nach dem Tod des Stephanus ausgebrochen war, wütete noch immer in Jerusalem, sodass viele Christen in die umliegenden Städte und Landschaften flohen. In der Stadt, wohin Philippus floh, lebte und wirkte davor ein Zauberer namens Simon, der die ganze Bevölkerung in seinen Bann zog. Sowohl Männer als auch Frauen, egal ob jung oder alt, alle hingen sie ihm an, weil sie meinten, dass in ihm die Kraft Gottes am wirken sei. Doch nicht nur das Volk, sondern auch Simon selbst hielt sich für etwas Großes und Besonderes. Gut möglich, dass in dem Glaubensmischmasch der Samariter Simon auch für den Messias gehalten wurde. In diese, von Zauberei und Okkultismus beherrschte Stadt, brach nun das Evangelium des Christus und bewirkte eine Erweckung unter dem Volk, sodass viele dem glaubten, was Philippus ihnen vom Reich Gottes und Jesus Christus lehrte und sich daraufhin taufen ließen.

Sogar von diesem Zauberer Simon lesen wir, dass er glaubte und sich taufen ließ und dass er selbst nun zu denen gehörte, die außer sich gerieten, weil er die Zeichen und großen Wunder sah, die in dieser Zeit unter denen geschahen, die an das Evangelium gläubig wurden. Dieses Ereignis verbreitete sich in Windeseile bis nach Jerusalem, wo die Apostel, nachdem sie vernommen hatten, dass Samaria das Wort Gottes angenommen habe, Petrus und Johannes zu ihnen schickten. Nicht die Zeichen und großen Wunder veranlassten die Apostel dazu, sondern die Tatsache, dass Gottes Wort von den Menschen aufgenommen wurde. Was dann geschah, als die zwei Apostel in der Stadt ankamen, in der Philippus wirkte, könnte man mit besondere Umstände erfordern Gottes besonderes Handeln umschreiben, da uns von Menschen berichtet wird, die gläubig waren aber noch nicht den Heiligen Geist empfangen hatten. In keinen der neutestamentlichen Briefen wird gelehrt, dass man echten Glauben ohne die Gabe des Heiligen Geistes haben kann. Dass es zwei Stufen der Wiedergeburt gäbe, wobei man erst bei der Zweiten den Heiligen Geist empfängt. Nein, es ist vielmehr so, dass gelehrt wird, dass wer Christi Geist nicht hat, nicht sein ist (Röm 8,9).

In dem Text selber finden wir keine Begründung dafür, warum Gott hier so handelte, doch könnte die Tatsache, dass uns später in der Apostelgeschichte die Begebenheit berichtet wird, wie der Heilige Geist erst dann auf den Heiden Kornelius und die anderen Versammelten kam, als Petrus zu ihnen gesandt wurde, darauf hindeuten, dass Gott von Anfang an durch die Apostel bezeugen wollte, dass die ersten Christen, die mehrheitlich aus dem Volk der Juden kamen, nicht bessere, sondern gleichermaßen wie die Christen aus Samaria oder gar aus den heidnischen Völkern, zum Leib Christi gehörten. Es gab, gibt und wird niemals Christen zweiter Klasse geben. Das zeigt Gott den Aposteln hier, indem er den Heiligen Geist sichtbar auf die gläubigen Samariter kommen lässt, nachdem die Apostel ihnen die Hände aufgelegt hatten.

Wie genau das aussah verrät uns der Text auch nicht, doch lesen wir, dass Simon es sehen konnte und daraufhin den Aposteln Geld anbot, damit sie auch ihm diese Macht übertragen würden. Was für eine tragische Figur dieser Simon doch ist. Hatte er noch einige Verse zuvor Merkmale eines echten Christen gezeigt (gläubig, getauft, die Gemeinschaft der Christen suchend), offenbart er hier, was wirklich in seinem Herzen war. Simon war kein heuchelnder Christ, sondern ein Scheinchrist. Das besonders tragische an dieser Kategorie von Menschen ist, dass sie nicht anderen etwas vormachen, sondern sich selbst. Simon hatte nie rettenden Glauben empfangen, sondern offenbart vielmer eine falsche Sicht von Gott, dem man etwas bringen kann, um im Austausch etwas von ihm zu empfangen, von sich selbst, da er meinte Christus nur seinem Leben hinzufügen und nicht ganz mit seinem alten Leben brechen zu müssen oder auch von der Bekehrung, da er meinte andere Menschen könnten ihn vor Gott vertreten und für ihn einstehen.

Simons Geschichte endet hier, doch aus der Kirchengeschichte kann man schließen, dass er der Aufforderung des Petrus nicht nachkam und Buße tat, sondern vielmehr christliche Begriffe in seiner Religion der Zauberei einbaute und somit ein Vorreiter der Gnostiker wurde, dessen Ruf als Zauberer bis nach Rom und Alexandria gelangte. Das Beispiel des Zauberers von Samaria sollte uns eine Warnung sein und zugleich veranlassen, Gott jeden Tag dafür zu danken, dass er uns die Augen für unserer Schuld und Verderbtheit geöffnet und uns Raum zur Buße gegeben hat!