Allgemein, Andachten

Wir können Gott (nicht) sehen!?

Niemand hat Gott jemals gesehen, der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat ihn kundgemacht.“ (Johannes 1,18)
„Da stiegen Mose und Aaron, Nadab und Abihu und siebzig von den Ältesten Israels hinauf, und sie sahen den Gott Israels.“ (2. Mose 24,9)

Die zwei Verse scheinen sich zu widersprechen. Im Johannes-Evangelium heißt es, dass niemand Gott jemals gesehen hat. Das ist eine Aussage, die mehrmals im Neuen Testament wiederholt wird (Joh 5,37; 6,46; 1. Tim 6,16; 1. Joh 4,12). In 1. Tim 6,16 wird sogar gesagt, dass niemand überhaupt in der Lage ist, Gott zu sehen. Jetzt müsste man den logischen Schluss folgern, dass kein Mensch in der Lage ist, Gott zu sehen, aber was begegnet uns im 2. Buch Mose? Hier finden wir immer wieder Verweise darauf, dass Menschen Gott sahen. Nicht nur Mose, auch die Ältesten des Volkes sahen Gott (2. Mo 24,9.11). Die Bibel scheint sich hier offensichtlich zu widersprechen, oder?

Die Aussagen sind tatsächlich widersprüchlich, wenn man ein bestimmtes Gottesbild hat. Für einen Juden sind diese Stellen nicht vereinbar und jeder, der die Gottheit Jesu leugnet, wird hier ernsthafte Probleme bekommen. Aber Gott hat sein Wort nicht gegeben, um sich widersprüchlich zu offenbaren. Er tat es fortschreitend, indem er mit der Zeit immer mehr von sich zu Erkennen gab (lies dazu meine Andacht: Gott offenbart sich – scheibchenweise).

Wir fragen uns im zweiten Buch Mose also: Wie kann das sein? Wie konnten die Menschen Gott sehen? Das NT macht deutlich: Niemand kann Gott sehen. Aber wie konnten dann Menschen Gott sehen? Lesen wir den Vers aus Johannes 1,18 einmal zu Ende: „Der eingeborene Sohn (Jesus Christus), der im Schoß des Vaters ist, der hat ihn (Gott) kundgemacht.“ Dieser Satz ist die Lösung des scheinbaren Widerspruchs: Jesus Christus hat die Rolle eingenommen, die es Menschen möglich machte, Gott zu sehen. Er ist der „Gott zum Anfassen“. Wann immer Menschen Gott sahen, sahen sie Jesus Christus. Jesus, der wahre Gott, offenbarte sich selbst im Alten Testament an verschiedenen Stellen (s. z.B. 1. Mo 32, Ri 6,11). Wenn die Ältesten am Berg Sinai Gott sahen und dann „aßen und tranken“ (Vers 11), dann taten sie das mit Jesus.

Jesus sagt, dass das Alte Testament von ihm selbst spricht. Wir sehen, dass nur in einem trinitarischen Gottesbild der Schlüssel für Texte wie die vorliegenden liegt. So kann Gott (der Sohn) von Menschen gesehen werden, während die Bibel sagen kann, dass niemand Gott (den Vater) jemals sehen kann. Das ist ein sehr tiefes Geheimnis, das es sich lohnt tiefer zu studieren. Was Gott damit bezweckt? In jedem Fall die Anbetung seiner selbst!