Andachten

Ein schuldenfreier Finanzminister

„Ein Engel des Herrn aber redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf den Weg, der von Jerusalem nach Gaza hinabführt! Der ist öde. Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Äthiopier, ein Kämmerer, ein Gewaltiger der Kandake, der Königin der Äthiopier, der über ihren ganzen Schatz gesetzt war, war gekommen, um zu Jerusalem anzubeten; und er war auf der Rückkehr und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Der Geist aber sprach zu Philippus: Tritt hinzu und schließe dich diesem Wagen an! Philippus aber lief hinzu und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen und sprach: Verstehst du auch, was du liest? Er aber sprach: Wie könnte ich denn, wenn nicht jemand mich anleitet?“ (Apostelgeschichte 8,26-31)

Nachdem uns Lukas von den Ereignissen in Samaria und von der Scheinbekehrung des Zauberers Simon berichtet hat, fährt er nun fort, indem er uns die erste von insgesamt drei Bekehrungsgeschichten schildert, die als Vertreter der drei Söhne Noahs Sem, Ham und Jafet angesehen werden. Der erste Bericht handelt von einem Äthiopier, einem Kämmerer/ Eunuchen, der gewissermaßen der Finanzminister der Kandake, der Königinmutter war und von seiner Abstammung her dem Sohn Ham zuzuordnen ist. Von ihm wird berichtet, dass er sich aus seinem Heimatland, das im heutigen Sudan verortet werden kann, aufmachte, um nach Jerusalem zum Tempel der Juden zu reisen. Natürlich stellt sich die Frage, was einen dunkelhäutigen Mann veranlasst, sich eine längere Auszeit von seinen wichtigen Geschäften zu erbitten, um dann hunderte Kilometer in ein fernes Land zu reisen? Die Antwort, die Lukas uns gibt ist schlicht und einfach: dieser Mann kam nach Jerusalem, um anzubeten.

Dieser hohe Beamte befindet sich in unserem Text bereits auf dem Heimweg, auf dem Weg von Jerusalem nach Gaza, als ihm Philippus begegnet. Von Lukas erfahren wir, dass dieses Treffen kein Zufall war, sondern von Gott so geführt wurde, indem er Philippus bereits in Samaria den Auftrag gab, zu eben jener Straße zu gehen, die wohl eine weniger benutzte Nebenstraße war. Interessant ist der Zeitpunkt, an dem Gott seinen Diener zu dieser Aufgabe beruft, denn in Samaria war eine große Erweckung im Gange. Viele Menschen waren an Jesus Christus gläubig geworden, sodass Philippus eigentlich alle Hände voll zu tun gehabt hätte. Doch Philippus zweifelt nicht an Gottes Gebot, sondern folgt treu der Stimme des Engels, auch wenn dass einen knapp 100km langen Weg zu einem einsamen Ort bedeutet. Er vertraut Gottes Plan, auch wenn er noch nicht verstehen kann, was Gott mit ihm vorhat. Und so führt es Gott, dass Philippus auf den Tross des Kämmerers trifft, während dieser eine Jesajarolle laut liest, die er wahrscheinlich in Jerusalem erworben hatte.

Diese Jesajarolle war wohl das einzig Positive, was er von dieser Reise mitnehmen würde und dazu eine Menge Enttäuschung und Frustration, weil ihm der Weg in den Tempel verwehrt wurde. Nicht nur seine heidnische Herkunft verwehrte ihm den Zugang zum Tempel, sondern nach 5.Mose 23,1.2 auch die Tatsache, dass er ein Eunuch war. Und so war es ihm unmöglich gewesen diesen Gott, von dem er in Äthiopien gehört hatte, anzubeten. Vielleicht aus Mitleid oder des Geldes wegen wurde er dann auf eben jene Jesajarolle, genauer gesagt auf Jesaja 56,3-5 aufmerksam gemacht, die ihm die letzte Hoffnung am Leben erhielt, doch noch irgendwie diesen Gott kennenzulernen. Philippus, der sich auf Anordnung des Geistes dem Wagen des Afrikaners genähert hatte, hört nun wie dieser gerade das 53. Kapitel liest und stellt dann die alles entscheidende Frage:

Verstehst du auch, was du da liest?

Natürlich konnte der Kämmerer die hebräischen Worte lesen und ihren Sinn verstehen, doch war er nicht in der Lage sie geistlich zu beurteilen und ihre Tragweite zu erfassen. Diese Tatsache gibt er gegenüber dem dahergelaufenen Wanderprediger Philippus offen zu und bittet ihn, sich zu ihm zu setzen. Das lässt sich ein Evangelist wie Philippus nicht zweimal sagen und so beginnt er, ausgehend von Jesaja 53 das Evangelium von Jesus diesem Finanzminister darzulegen. Und so geschieht es, dass, während die Karawane auf der öden Straße Richtung Gaza zieht, Gott durch die Predigt diesem Finanzminister begegnet und ihn von seiner Schuld überführt, die er vor einem heiligen und absolut gerechten Gott verantworten muss. Eine Schuld so groß, dass kein Geldbetrag der Welt ausreicht, um sie zu begleichen – dass hatte dieser Mann verstanden und so lässt er sich folgerichtig von Philippus taufen.

Wie können wir nun sicher sein, dass dieser Mann im Gegensatz zu Simon dem Zauberer, wirklich gläubig wurde? Anders als es bei Simon der Fall war, wird uns von dem Äthiopier berichtet, dass er mit Freuden seinen Weg fortzog und somit über ihn das gleiche ausgesagt wird, wie über die Stadt in Vers 8, die das Evangelium angenommen hatte. Zusammenfassend kann man sagen, dass uns dieser erste Bericht nicht nur zeigt, wie Gott dafür sorgt, dass das Evangelium in alle Welt gelangt, sondern vor allem, wie Gott der Handelnde hinter jeder Bekehrungsgeschichte ist und dass für Gott kein Mensch zu weiß oder zu schwarz, zu dumm oder zu schlau, zu reich oder zu arm, … ist, um von ihm gerettet zu werden!